Zerkall: Papierfabrik stellt noch Bütten auf dem Rundsieb her

Zerkall : Papierfabrik stellt noch Bütten auf dem Rundsieb her

Wandel ist eine Konstante in der Papierfabrik Zerkall Renker & Söhne. Der Markt ist schließlich seit Jahren in Bewegung. Spätestens seit dem Siegeszug der erschwinglichen Heimcomputer und dem Einzug von E-Mails haben sich die Verbrauchergewohnheiten der Menschen radikal verändert.

„Das Volumen der Schreibpapiere, das wir 2001 noch hatten, kommt nie wieder zurück“, schätzt Felix A. Renker, geschäftsführender Gesellschafter der Papierfabrik. Anders als vor 60 Jahren läuft Alltagskorrespondenz nur selten über Büttenpapier. Er könne dies bedauern — doch es helfe nicht. „Wir sind seit der Gründung auf der Suche nach der Nische in der Nische“, sagt er augenzwinkernd.

Überdauert Jahrhunderte

Die Papierfabrik in Zerkall sei eine der beiden letzten deutschen Fa-briken, in denen Büttenpapier auf Rundsieben hergestellt und mit einem hohen Anteil an Handarbeit zu verkaufsfertigen Produkten verarbeitet wird. Renker: „Anstatt die Asche zu bewahren suchen wir neue Möglichkeiten.“ 1903 begann im Kalltal die Produktion von Büttenpapier („Ein Blick in die Geschichte“). Mittlerweile werden neben Briefpapieren auch grafische Papiere für alle Druckverfahren und Künstlerpapiere hergestellt.

„Büttenpapier ist lichtbeständig, es wird nicht brüchig und überdauert Jahrhunderte“, nennt Renker einige Kriterien, die Menschen trotz des höheren Preises zu „Bütten aus Zerkall“ greifen lassen. Vor allem das Segment der Künstlerpapiere und der grafischen Papiere wachse derzeit im Ausland.

„Für viele Kunstdrucke, die in den Handel kommen, wird unser Büttenpapier gewählt“, berichtet Renker. Für Drucke von Max Ernst, Jasper Johns und Georg Baselitz beispielsweise. Oder die „Pop-Art-Schätze“ aus dem Museum Ludwig in Köln. Auch hochwertige Buchpublikationen würden weiterhin auf Bütten gedruckt.

Etwa 70 Prozent der Produktion (zu Umfang und Umsatz möchte der Geschäftsführer keine Angaben machen) gehen in den Export, vor allem ins Vereinigte Königreich und in die Vereinigten Staaten von Amerika. Weltweit gibt es Vertriebspartner für das Zerkaller Bütten, in Düren beispielsweise die Firmen „May+Spies“ und Rössler. In Zerkall beschäftigt das Unternehmen 30 Mitarbeiter.

Zu den Kunden gehörten und gehören auch Stars und Sternchen weltweit. Für eine Designerin aus den USA, die sich mit Hochzeitskleidern einen Namen gemacht hat, produzierte die Fabrik ein farbiges Bütten — nach den genauen Vorstellungen der Kundin. Der ehemalige Thyssen-Krupp-Chef Berthold Beitz griff in der Villa Hügel regelmäßig zum Zerkaller Briefpapier, Niki Lauda ließ die Speisekarten seiner Fluglinie auf Bütten drucken. Das Grundgesetz wurde auf Bütten aus Zerkall gedruckt — ebenso die streng limitierten Faksimile-Drucke im Jahr 2009.

Zu den neuen Möglichkeiten, die Felix A. Renker und seine Mitarbeiter suchen, gehört auch das Experimentieren mit verschiedenen Materialien. Optik, Haptik und auch Beschaffenheit des Büttenpapiers lassen sich so beeinflussen. „Kunst und Handwerk kommen bei der Produktion von Büttenpapier zusammen“, findet er.

„Bütten-Imitat“

Umso ärgerlicher sei es, dass es auf dem Markt viel „Bütten-Imitat“ gebe, das trotz genormter Bezeichnung ebenfalls als Büttenpapier gehandelt werde, obwohl es aus einem ganz anderen Herstellungsverfahren stamme. „Wir nennen unser Papier daher Echtbütten“, erklärt Renker. Erkennbar seien die Unterschiede übrigens zweifelsfrei am Rand des Papierbogens: Büttenpapier „franst“ aufgrund des Produktionsprozesses aus. Ein typisches Merkmal, das wegen des natürlichen Verlaufs nicht kopiert oder nachträglich angebracht werden könne. „Imitate weisen dagegen einen wellenförmigen Randbeschnitt mit harter Kante auf“, erklärt der Papierfabrikant.

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