Düren: Olaf Müller liest im Dürener Stadtmuseum aus „Rurschatten“

Düren : Olaf Müller liest im Dürener Stadtmuseum aus „Rurschatten“

Die Stühle im Stadtmuseum sind fast alle besetzt, als Olaf Müller aus seinem Krimi „Rurschatten“ zu lesen beginnt. Knappe Sätze und liebevolle Detailbeschreibungen lösen sich während der spannenden Erzählung ab.

Bernd Hahne vom Stadtmuseum hat die Gäste begrüßt und erzählt, wie und wann er und der Autor sich dereinst kennenlernten: „Er auf der oberen Etage und ich im Keller.“ Müller habe als Buchhändler in Düren gearbeitet und er, während des Studiums, als Fahrer. Beider erzählen noch ein paar Anekdoten zur Freude des geneigten Publikums.

Sprung in Vergangenheit

Und plötzlich rattern die Fahrgeschäfte auf der Annakirmes. Die Schausteller preisen ihre Geschäfte an, das Feuerwerk beginnt und in der Geisterbahn liegt eine Leiche. Richtig, Müller ist jetzt mittendrin in seiner Geschichte.

Kommissar Michael Fett aus Aachen eilt herbei, mitsamt Helferlein. „Warum sitzt ein alter Mann am Freitagabend alleine in der Geisterbahn?“, lautet die Frage, die der Ermittler aus der Karlsstadt stellt. Der leblose Körper im Fahrgeschäft gehört dem 88-jährigen ehemaligen Dürener Papierfabrikanten Alexander Rütters.

Müllers Geschichte wagt einen Sprung in die Vergangenheit. Während des Krieges hat Rütters den Juden Goldbach versteckt. Welche Rolle spielt Rütters ehemalige Haushälterin Marie Utzerath, die noch heute in dessen ehemaliger Villa wohnt, während er — bis zu seinem plötzlichen Tode — in einem Seniorenheim lebte? Und welche Rolle spielt der grüne Rudi aus Heimbach, der mit seinem grünen Volvo eine Bruchlandung erlebt, nach dem Genuss von Bio-Chablis und Mate-Tee?

Bei der Charakterisierung des „Grünen Rudis“ aus Heimbach fährt er alle Klischees auf, die so auf dem Öko-Markt zu finden sind: selbstgestrickte Pullover, Bio-Wein, Fair-Trade-Kaffee, Räucherstäbchen, veganes Essen und vieles mehr. Aber lustig ist es schon, wenn es auch ein bisschen von der Geisterbahn-Leiche ablenkt. Und Müller will ja auch nicht alles verraten. Schließlich soll sich ja auch noch das Buch verkaufen.

„Rurschatten“ unterscheidet sich wohltuend von so manchen anderen Heimatkrimis. Müller versteht sein Handwerk. Knappe Sätze wechseln sich ab mit liebevollen Detailbeschreibungen, die Personen und lebendig werden lassen.

Der „Dürener Jong“ Olaf Müller bekommt viel Lob für sein Lesen und den Vorschlag, doch selbst ein Hörbuch auf den Markt zu bringen: „Weil es in Düren so viele blinde Menschen gibt.“

Und Müller verspricht, diese Idee an den Verlag weiterzuleiten und — so oder so — für das Blindenförderungswerk zu lesen, ohne Gage zu verlangen, „für ein Glas Wasser, versteht sich“.

(wey)
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