Düren: Ohne Bergbau keine „Dürener Adria“

Düren: Ohne Bergbau keine „Dürener Adria“

Wenn die Sonne in diesen Tagen einmal scheint, suchen Tausende Erfrischung am Dürener Badesee. Was die wenigsten Sonnenanbeter wissen: Sie entspannen sich in einem ehemaligen Tagebau.

Vor genau 75 Jahren wurde im Tagebau Düren die erste Braunkohle gefördert.

Der Kohlevorrat betrug gerade einmal rund 15 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Unter dem 85 Quadratkilometer großen Abbaufeld des Tagebaus Hambach lagerten einmal 2,5 Milliarden Tonnen, von denen bereits gut eine Milliarde Tonnen abgebaut wurde. Während die größten Schaufelradbagger der Welt heute eine Leistung von mehr als 240.000 Tonnen haben, wurden mit den damaligen Baggern täglich zwischen 3500 und 5000 Tonnen Kohle gefördert und über eine Bahn zur Brikettfabrik Lucherberg transportiert.

Entstehung des Echtzer Sees

Die ersten Abraummassen aus dem Tagebau Düren dienten der Verkippung der Konzendorfer Grube. Von dem dortigen Abraumgebiet (150 Hektar) wurde der größte Teil (132 Hektar) landwirtschaftlich rekultiviert. Aus dem verbliebenen Restloch wurde 1959 der Echtzer See.

Die ursprünglich auf zehn Jahre angelegte, im Zweiten Weltkrieg aber unterbrochene Braunkohleförderung im Tagebau Düren endete nach 15 Jahren am 28. Februar 1956. Vier Jahre später erfolgte der Beschluss, den Tagebau komplett zu verfüllen und zu rekultivieren. Der dafür benötigte Abraum kam aus dem Tagebau Inden. Zu diesem Zweck wurde die eingleisige Grubenbahn nach Lucherberg in eine zweigleisige Abraumbahn umgebaut, die auch elektrifiziert wurde.

Der erste Abraumzug erreichte den Tagebau Düren im Juli 1962. Sechs Jahre später — 1966 war der hochwasserführende Essigbach mit 150.000 Kubikmetern Wasser in den Tagebau eingebrochen — wurde beschlossen, die Grube doch nicht komplett zu verfüllen, sondern auf einer Fläche von rund 350.000 Quadratmetern einen Badesee anzulegen. Die Verkippung wurde im April 1969 eingestellt, die Abraumbahn ab Mitte 1970 zurückgebaut.

Die Baukosten des Freibades, das mit rund 35.000 Quadratmetern etwa ein Zehntel der Gesamtfläche des Sees umfasst, betrugen 3,14 Millionen Mark. Mitte 1976 wurde mit dem Bau der Badebrücke begonnen, deren Kosten 1,68 Millionen Mark betrugen. Dann folgte der Bau der Kioske. Heute ist der Badesee, von vielen liebevoll auch „Dürens Adria“ genannt, eine beliebte Adresse auch für Konzerte wie die alljährlich stattfindende „Oldie-Night“ und Sportveranstaltungen wie die Motorbootrennen im Herbst.

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