Langerwehe: Oberflächlich betrachtet, aber sehr tiefgründig

Langerwehe: Oberflächlich betrachtet, aber sehr tiefgründig

Schon der Titel der Ausstellung zeigt an, dass es Ruth Stark bei ihrer Keramik nicht nur darauf ankommt, brauchbare und formschöne Gefäße herzustellen: „Lebens Töne” heißt die Schau im Töpfereimuseum Langerwehe, die schon durch ihren trickreich formulierten Wortlaut aufhorchen lässt.

Bis zum 21\. März präsentiert dort die 1965 in Untermaubach geborene und in Schlagstein aufgewachsene Künstlerin, die heute in dem ostbelgischen Ort Kelmis unweit von Aachen lebt und arbeitet, ihre Arbeiten, die weit mehr sind als bloße Dinge für den alltäglichen Gebrauch. So paradox es klingen mag: Gerade die Oberfläche ist es, durch die sich die Tiefgründigkeit dieser Werke erweist. Nicht ist glatt; alles hat (zumindest) eine zweite Dimension.

Eine Schale mit Untersetzer zeigt diese Vielschichtigkeit zum einen durch ihre Struktur, zum anderen aber auch durch eine aufgemalte Abfolge von schräg liegenden Strichen. Durchaus gebrauchsfähig ist diese Schöpfung natürlich auch - zum Beispiel für ein chinesisches Reisgericht oder ein Thai-Curry.

Die größeren Werke von Ruth Stark, deren Ausstellung im Töpfereimuseum mit ihrem zehnjährigen Atelierjubiläum einher geht, verbinden schon durch ihr voluminöses, bauchiges Erscheinungsbild eine körperlich gegebene Tiefgründigkeit mit dem Reiz einer reich gestalteten Oberfläche. Starks starke Stücke bekommen eine physische Wesenhaftigkeit, der zu Folge sie auch als Paare oder mehrteilige Gruppe erdacht und geschaffen worden sind. Große Vasen etwa, die eine kleiner, die andere größer, mit einer sorgfältig strukturierten Außenhaut trifft der Besucher in Langerwehe ebenso an wie Urnen und andere kleine Ensembles, die die Nähe der Keramik zur Bildhauerei und anderen etablierten Künsten deutlich machen - und die Fotos von Ruth Starks Ehemann Urban, die quasi für einen Blick hinter die Kulissen sorgen. Für Museumsleiterin Dr. Kirsten Ulrike Maaß erfüllt sich mit dieser Ausstellung ein lange gehegter Wunsch.

Bereits Ende 2008 hatte sich Ruth Stark bei ihr um eine Präsentation beworben - und sofort hatte es „klick” gemacht. „Mein Interesse gilt dem Menschen in seiner Veränderung.”

Schon dieser Satz der Künstlerin zu ihrer Arbeitshaltung hatte das Interesse der Gastgeberin geweckt. Im Gespräch mit der Dürener Zeitung macht Ruth Stark noch eine zweite ihr sehr wichtige Position geltend, die ihr künstlerisches Schaffen kennzeichnet: „Es geht mir um Respekt und Sinnlichkeit.”

Wie sie dem mit ihren Händen aus Ton und anderen Materialien Gestalt verliehen hat: Im Töpfereimuseum Langerwehe wird es konkret.

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