Obdachloser Musiker Uwe Dieler und Autorin Stefanie Kaufmann

Sensibilisierung für Obdachlose : Ein ungewöhnliches Duo im Haus der Stadt

Ein besonderer Abend steht am 21. Mai im Haus der Stadt Düren auf dem Programm. Der obdachlose Musiker Uwe Dieler und die Autorin Stefanie Kaufmann stehen dann auf der Bühne.

Die Musik war seit jeher das, was Uwe Dielers Leben bereichert und erfüllt hat. Er spielt Gitarre und Klavier, Bach-Fugen und Mozart-Sonaten. Der studierte Musiker arbeitete 15 Jahre lang als Klavierlehrer und Organist der evangelischen Studierenden-Gemeinde Düsseldorf. Bis er plötzlich auf der Straße saß, ohne Dach über dem Kopf und ohne einen festen Job. Dann lernte er Stefanie Kaufmann kennen. Die freie Journalistin und Autorin arbeitet ehrenamtlich bei der städtischen Obdachlosenhilfe in Düsseldorf. Kaufmann recherchierte gerade für ihr Buchprojekt „Draußen sein“, das sie zusammen mit der Fotografin und Designerin Janna Kaufmann sowie der Bürgerstiftung Düsseldorf betreibt. In dem Buch porträtiert sie neun Obdachlose aus Düsseldorf und erzählt ihre Geschichte.

Über Stefanie Kaufmanns Projekt wurde berichtet und kurz darauf klingelte ihr Telefon. Peter Baur, Vorsitzender der Erna-Schiefenbusch-Stiftung, war überzeugt von Kaufmanns Projekt. Schnell war klar, dass auch in Düren ein Projekt nötig ist, um auf das Problem der Obdachlosigkeit und Wohnungsnot aufmerksam zu machen. Für Baur ist es ein besonders wichtiges, gesellschaftliches Projekt, hat er doch auch zu seiner Zeit als Lehrer immer versucht, vor allem Werte zu vermitteln.

Uwe Dieler lebt für die Musik. Sie half ihm über sechs Jahre in der Obdachlosigkeit zu überleben. Den Gitarrenkoffer mit dem kostbaren Inhalt trug er ständig mit sich. Als Jugendliche ihm bei Regenwetter die Gitarre klauten, resignierte er nicht, sondern konnte sich bald darauf eine Neue besorgen. Auf seiner Gitarre und am Klavier spielt Dieler am liebsten klassische Musik. So stehen bei seinem Auftritt im Haus der Stadt abgesehen von Mozart und Bach, auch Asturios von Albenis, katalanische Volkslieder und weitere Werke im Programm.

Das Konzert im Foyer soll in einer kleinen Atmosphäre für die Schwierigkeiten von Obdachlosen und Wohnungslosen sensibilisieren. „Mit dem Konzert und der Buchlesung sollen Vorurteile gegenüber Obdachlosen ausgeräumt werden“, erzählt die Autorin Stefanie Kaufmann. Es leben laut offiziellen Angaben 52.000 Obdachlose auf der Straße und mehr als eine Millionen Menschen sind wohnungslos. „Die Dunkelziffer liegt aber weitaus höher“, ergänzt Kaufmann.

Für den 21. Mai ab 19.30 Uhr haben die Erna-Schiefenbusch-Stiftung und „Düren Kultur“ die beiden Düsseldorfer ins Haus der Stadt eingeladen. Stefanie Kaufmann liest aus ihrem Buch vor, und Uwe Dieler spielt auf dem Klavier und der Gitarre. Der Eintritt ist frei. Nach dem Konzert werden an den Ausgängen Spenden eingesammelt. Die Erlöse aus den Konzertspenden und den Buchverkäufen gehen zu 100 Prozent an Obdachlose.

Jeder ist ausdrücklich eingeladen, an diesem Abend ins Haus der Stadt zu kommen, um an dem Austausch und den bewegenden Geschichten teilzuhaben. Viele Menschen setzen sich sicherlich viel zu wenig mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinander. Der Auftritt von Autorin Stefanie Kaufmann und Musiker Uwe Dieler ist eine Gelegenheit, sich der Thematik im Rahmen von Musik und Vorlesung zu näher. Denn mit einem hat Stefanie Kaufmann recht: „Obdachlosigkeit kann jedem passieren.“

(tj)
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