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Düren: „Nur der Stier hat keine Chance”

Düren : „Nur der Stier hat keine Chance”

Start in die Stierhatz in Spanien. Mit all ihren Folgen für Mensch und Tier. Erschreckende Bilanz des ersten Tages allein in Pamplona: 13 Verletzte mit Knochenbrüchen, Blessuren am Kopf - und sogar einem Milzriss. Unter den Opfern acht Urlauber, die mal Mut beweisen wollten.

An Tag 2 sogar 49 Verletzte, von denen zwei von den bis zu 600 Kilo schweren Bullen auf die Hörner genommen und aufgespießt wurden. Wenigstens „gebremst”, eigentlich sogar ganz abgeschafft werden müsste der Stierkampf, fordert Dr. Kurt Frings, nachdem er in seinem ersten Buch „Nur der Stier hat keine Chance” viele Facetten dieses vor allem in südlichen Ländern aktuellen Spektakels beleuchtet hat.

Den Schlüssel dazu glaubt der Jurist, der bis zur Pensionierung Immobilien- und Projektmanager bei der Deutschen Bahn war, schon gefunden zu haben: „Wenn ausländische Urlauber keine Eintrittskarten kaufen, versiegen wesentliche Geldquellen der Profiteure solcher Veranstaltungen.”

Touristen über ihre Schlüsselposition aufzuklären, erscheine ihm oberstes Gebot und zugleich erfolgreichstes Mittel, sagt Dr. Frings. „Die meisten aus Neugier irregeleiteten Besucher wissen nicht, was sie erwartet und vor allem, was viele mit auch nur einem Besuch anrichten. Mein Buch soll zur Aufklärung einen Beitrag leisten.” Interessant sei nämlich, dass die überwiegende Mehrheit der spanischen und französischen Bevölkerung Stierkampf ablehne.

Wie die Jungfrau zum Kinde kam Dr. Frings zum Stierkampf: Ein Studienfreund schleppte ihn vor Jahren mit in die Arena von Palma de Mallorca. „Ein derart prägendes Negativerlebnis, dass ich mir damals schon vornahm, etwas dagegen zu unternehmen.”

Mit dem Ruhestand kam das Thema wieder hoch. 2005 reiste Dr. Frings deshalb mit einem ausgebildeten Fotografen nach Madrid und Valencia, um seine Verständnislücken „durch den leider nötigen Besuch von vier weiteren Stierkämpfen zu schließen.”

Alle dabei gesammelten Eindrücke mit dem riesigen Stoff aus Fachbüchern zu verknüpfen, war sehr schwierig. „Ich habe mehrere Jahre sehr gründlich recherchiert von der Historie des Stierkampfes bis heute. Und geschrieben habe ich nicht des Schreibens wegen, sondern um meine Botschaft gegen Stierkampf zu vermitteln.”

Wegen der umfangreichen Informationen hat Dr. Frings sein Buch zweigeteilt: Der Erlebnisteil schildert den kompletten Ablauf des auf Mallorca erlebten Kampfes vom Einzug der Toreros in die Arena bis zum qualvollen Tod des Stieres. Auch die seltene Zugabe Toreo (Kampf vom Pferd) wird dargestellt - speziell der Umgang mit Stieren und das unendliche Leid der Pferde. Alles untermauert mit zwei Grafiken (Aufbau der Arena und Übungsgerät für Matador-Schüler) und 63 bunten Fotos, die den gesamten Ablauf eines Kampfes wiedergeben.

Der Sachteil behandelt Analysen zum Thema Stierkampf, der auf eine Tradition zurückgeführt wird. „Der Rückblick ergab, dass der Stierkampf in seiner heutigen Form keine Vorgänger und deshalb auch keine Tradition hat, denn er ist ein ritualisiertes Schauspiel, bei dem Stiere zum Vergnügen der Zuschauer durch brutale Akteure öffentlich gefoltert und getötet werden.” Im übrigen rechtfertige auch eine Tradition keine unmoralische Tierquälerei.

Stierkampf sei keine Kunst, sondern eine erlernte Technik, mit der brutale Akteure jährlich Milliardenumsätze erzielen. „Deshalb hat der Stier nie eine Chance!”

Besonders enttäuscht ist Dr. Frings, dass keine Signale aus dem Vatikan kommen. In einem Antwortschreiben habe sich Papst Benedikt XVI. zwar für die Mitsorge um die Erhaltung der Schöpfung Gottes bedankt, die gestellte Frage nach der Haltung der katholischen Kirche zum Thema Stierkampf aber nicht beantwortet.

Trotz des klaren Fazits: Im 442 Seiten starken Buch stellt Dr. Frings Für und Wider des Stierkampfes einander gegenüber. Fachausdrücke werden zum Verständnis erklärt.