NRWalley : Bessere Startbedingungen für Gründer schaffen

Die Dürener Jung-Unternehmerin Felicia Kufferath ist Regionalsprecherin bei NRWalley. Sie möchte sich dafür einsetzen, dass junge Unternehmer eine bessere Lobby bekommen.

„Wer eine gute Idee hat, sollte auch ein Unternehmen gründen können.“ Was aus dem Mund von Felicia Kufferath wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist es für viele längst nicht – das hat die Dürenerin am eigenen Leibe erfahren. Die 28-Jährige hat nach dem Abitur am Wirteltor-Gymnasium an der RWTH Aachen Wirtschaftsingenieurwesen studiert, ihren Master gemacht und dann die Entscheidung getroffen, nicht wie zunächst geplant, ins Familienunternehmen Gebrüder Kufferath einzusteigen, sondern ihr eigenes Start-up zu gründen. „Die Hürden, sich selbstständig zu machen“, sagt Kufferath, „sind für viele Gründer immens hoch. Es fehlt beispielsweise eine wirkliche Lobby in der Politik.“ Und genau das ist der Grund, warum Felicia Kufferath sich seit einigen Wochen bei NRWalley als Regionalsprecherin für die Region Aachen/Düren engagiert.

NRWalley – was ein bisschen so klingt wie das berühmte Silicon Valley in den USA, das bekanntermaßen als einer der bedeutendsten Standorte der IT- und High-Tech-Industrie weltweit gilt, ist der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Deutschen Start-up-Unternehmen. Felicia Kufferath: „Unseren Bundesverband gibt es seit sechs Jahren, den Landesverband knapp ein Jahr. Und in der Region Aachen/Düren organisieren wir uns erst seit einigen Wochen. Hier stehen wir noch ganz am Anfang.“ Bis jetzt, ergänzt die junge Unternehmerin, gäbe es nur rund ein Dutzend Mitglieder in der Region. „Aber das soll natürlich sehr schnell mehr werden. Wir wollen eine Anlaufstelle für Gründer sein, uns für bessere politische Rahmenbedingungen einsetzen und zum Beispiel dafür werben, dass mehr Co-Working-Spaces eingerichtet werden. Ich finde es toll, dass auch in der Nähe des Dürener Bahnhofes ein solcher Ort entstehen soll.“

Felicia Kufferath hat ein Stipendium gewonnen, dass es ihr unter anderem ermöglicht, ein Jahr kostenlos einen Arbeitsplatz im Aachener Co-Working-Space „Digital Hub“ zu nutzen. „Das ist gut“, sagt sie. „Aber es ist manchmal auch schwierig.“ Für junge Unternehmer, die sich in den Bereichen IT und Digitalisierung etablieren wollten, erklärt Kufferath, sei das „Digital Hub“ ideal. „Ich beschäftige mich in meinem Unternehmen aber mit Vintage-Lifestyle-Produkten. Als ich das dort vorgestellt habe, bin ich schon ein wenig belächelt worden. Und ich habe zunächst nur sehr wenig über Förderprogramme und Unterstützungsmöglichkeiten erfahren. Überhaupt ist es so, dass die Gründer-Szene immer noch zum allergrößten Teil männlich ist. Ich möchte mich in meiner neuen Position gerade auch für Gründerinnen einsetzen, die vielleicht auch eine eher ungewöhnliche Unternehmensidee haben.“

Kufferath selbst setzt bei ihrem Start-up vor allem auf Individualität. Sie sucht auf Antikmärkten und bei Nachlassversteigerungen alten Schmuck und Einrichtungsgegenstände, restauriert die Sachen wenn nötig und verkauft sie dann online. „Bei mir gibt es nur Einzelstücke. Es gibt kein Teil zweimal. Ich glaube, dass man im Internet nur dann bestehen kann, wenn man wirklich absolut speziell ist.“

Felicia Kufferath ist Sprecherin der Regionalgruppe von NRWalley. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Kufferath spricht von einer „echten Herzensangelegenheit“, wenn sie von ihrer kleinen Firma erzählt. Um noch besser vorbereitet zu sein, absolviert sie im Augenblick das Studium „Interior Design“ beim Londoner Sotheby’s Institute of Art.

Was auf den ersten Blick also nach einer guten Idee, die auch auf noch solidere Beine gestellt werden soll, klingt, ist auch bei Felicia Kufferaths Umfeld nicht unbedingt von Anfang an auf Gegenliebe gestoßen. „Ich habe nach dem Abitur Wirtschaftsingenieurwesen studiert, um ins heimische Unternehmen einzusteigen“, erzählt sie. „Und natürlich waren meine Eltern anfangs nicht unbedingt begeistert, als ich mich für einen anderen Weg und damit beispielsweise auch gegen ein sicheres Einkommen entschieden habe.“ Gleichwohl ist Kufferath überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. „Ich finde es toll, mein Hobby und meine Leidenschaft mit meinem Beruf vereinbaren zu können. Und ich glaube auch, dass Deutschland mehr junge Unternehmer braucht.“

Felicia Kufferath denkt, dass schon in den Schulen mehr Bewusstsein für eine mögliche Selbstständigkeit geschaffen werden müsse. „Ich glaube, dass schon Schüler lernen sollten, einen ersten Businessplan zu schreiben und Ideen zu entwickeln. Wenn die Bereitschaft der Schulen da ist, möchten wir auch von NRWalley in die Schulen gehen.“ Darüber hinaus will der Verband ein Netzwerk für junge Gründer aufbauen, Informations- und Diskussionsveranstaltungen anbieten. „Aber keine, zu der wir alle Unternehmer einladen, sondern solche, die branchenspezifisch sind. Nur dann haben die jungen Firmenchefs wirklich einen Mehrwert.“

Felicia Kufferath ist überzeugt, dass die Region Aachen/Düren grundsätzlich ein gutes Pflaster für Gründer ist. „Warum denn nicht?“, fragt sie. „Nehmen Sie doch nur einmal Düren. Dort gibt es viel Industrie, viele mittelständische, zum Teil familiengeführte Unternehmen. Die können durchaus von den Ideen der Start-up-Unternehmer profitieren – und umgekehrt.“

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