Kreuzau: Normalität erleben: Fußballvereine öffnen sich für Flüchtlinge

Kreuzau: Normalität erleben: Fußballvereine öffnen sich für Flüchtlinge

Fußball — das war schon immer die große Leidenschaft von Massud Isso. In Syrien hat er viel Zeit auf dem Bolzplatz verbracht, seine Hoffnungen in den Sport gesetzt. Jetzt lebt Massud Isso in Boich, mit 20 anderen Männern in einer Flüchtlingsunterkunft. Das Fußballspielen verschwand aus seinem Alltag.

Ähnlich wie Massud Isso geht es vielen jungen Männern, die in Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünften untergebracht sind — egal, ob sie aus Nigeria, Afghanistan, Syrien oder Bangladesch kommen. „Ich möchte unbedingt wieder Fußball spielen“, sagt etwa Daniel Barnabas. In Nigeria habe er das schließlich auch immer getan.

Fußball, das ist auch ein Stück Normalität für die jungen Männer, deren Leben derzeit wenig Normalität und wenig Abwechslung zu bieten hat. „Ich spiele Fußball zum einen, um mich körperlich fit zu halten“, sagt Ali Ahmadi, der bei der SG Rurtal zum Training geht. „Ich spiele aber auch, um meine Zeit sinnvoll zu füllen.“ Denn Zeit haben die jungen Männer. Zu viel Zeit und zu wenig zu tun.

Mehrere Sportvereine aus der Gemeinde Kreuzau haben daher Hilfe angeboten. Sie haben Sportschuhe, Schienbeinschoner und Trikots organisiert. Erste Flüchtlinge sind schon mitten drin im Trainingsbetrieb der Fußballteams.

Der sportlich ambitionierte Massud Isso hat sich ebenfalls der SG Rurtal angeschlossen. „Die Leute waren sofort sehr freundlich“, erzählt er. Manchmal haben ihn Mitspieler in Boich abgeholt, dann habe er ein Fahrrad bekommen. „Dann bin ich schon aufgewärmt, wenn ich am Sportplatz ankomme“, sagt er und lächelt schüchtern. Sogar bei einem Spiel ist Massud Isso schon zum Einsatz gekommen. Leider hat er sich fünf Minuten nach seiner Einwechslung den Arm gebrochen. Der 22-Jährige zuckt mit den Schultern. Der Arm heilt schließlich wieder. Und dann will Massud Isso sofort wieder gegen den Ball treten. Sein Team hat ihm angeboten, trotzdem weiterhin zum Training und zu den Spielen zu kommen.

„Fußball verbindet die Menschen“, weiß Günther Hollenberg, der sich bei den wöchentlichen Welcome-Treffen in Kreuzau engagiert. Ein gemeinsames Hobby, gleiche Interessen und der Teamgeist seien gut für die Integration.

Das findet auch Michael Blens, Trainer der SG Rurtal. „Von den Jungs weiß ich, dass ihr Tagesablauf eintönig ist. Das Fußballtraining und die Spiele können diese Eintönigkeit unterbrechen“, sagt er. Der Verein und das Team seien sehr offen gegenüber den drei Männern gewesen, die nun mit trainieren. Der Impuls dazu war von Spielern ausgegangen, die Massud und andere Flüchtlinge bolzen sahen. „Im Fußball ist es wichtig, ob jemand mit dem Ball umgehen kann, nicht wo er herkommt“, sagt Michael Blens. Im Teamsport würden Hemmungen und Sprachbarrieren abgebaut.

„Mit Englisch, aber auch mit Händen und Füßen klappt die Kommunikation immer irgendwie“, sagt Udo Heiliger, Co-Trainer in Winden. Auch sein Team habe die Neuen gut aufgenommen.

„Als wir am Anfang Schuhe, Schienbeinschoner und Co. gesammelt haben, hätten wir direkt eine halbe Mannschaft ausstaffieren können“, beschreibt Michael Blens die große Hilfsbereitschaft der Spieler für die Gleichaltrigen. Nur Schuhe in Größe 42 bis 44 sind ein bisschen knapp.

Am Rande des Platzes werde natürlich über Fußball gesprochen, aber auch darüber, welche Situationen die Männer aus Syrien und Afghanistan nach Kreuzau gebracht haben. Viele Männer, die in der Gemeinde Kreuzau leben, würden sich gerne einem Verein anschließen, mehrere haben schon Angebote — nicht nur beim Fußball. „Integration gelingt am besten, wenn kleine Gruppen zu uns stoßen“, sagt Blens. Deswegen freuen sich die Flüchtlinge über jeden Verein, der ihnen eine Chance zum Fußballspielen gibt.

Donnerstags finden im Pfarrheim an der Heribertstraße die Welcome-Treffen statt. Dort können sich Flüchtlinge austauschen und mit Kreuzauern ins Gespräch kommen. Ehrenamtler bieten Sprachunterricht an. Auch diese Treffen sind den Flüchtlingen wichtig, weil sie Abwechslung und Wertschätzung. Wer sich in der Flüchtlingsarbeit in der Gemeinde Kreuzau engagieren möchte, kann sich bei Cristina Lyon unter cristina.lyon@gmx.de melden.