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Großes Neubaugebiet: Nörvenich will am Ortsrand wachsen

Großes Neubaugebiet : Nörvenich will am Ortsrand wachsen

Etwas mehr als 800 Neubürger wird Nörvenich voraussichtlich gewinnen, wenn das geplante Neubaugebiet „Auf der Hardt“ vollgelaufen ist. In der ersten Sitzung des neu gewählten Rates hat der Projektentwickler F&S im Rahmen der zweiten Offenlegung den aktuellen Planungsstand dargelegt.

Die CDU-Fraktion nannte das Vorhaben im Anschluss ein „Schmuckkästchen“, der Bürgermeister „das wohl am meisten regulierte Baugebiet der Gemeinde“, die FDP brachte Bedenken vor: hinsichtlich der Sicherheit von Fußgängern, die die Kreisstraße überqueren wollen, hinsichtlich der Dimensionierung des Schmutzwasserkanals sowie möglicher Auswirkungen der auf dem Gelände verlaufenden tektonischen Störung. Am Ende wurde der Planungsstand einstimmig abgenickt.

Viel Grün

Die Hauptzufahrt soll in Form eines Kreisverkehrs an der Kreuzung K52/Hardtstraße gebaut werden. Nördlich wird das Areal vom Neubaugebiet an der Schwester-Blanka-Straße begrenzt, die eine Verlängerung in das Quartier hinein bilden soll. In verschiedenen Abschnitten sind Ein-, Mehrfamilien- und Reihenhäuser geplant – rund 230 Häuser und Wohnungen auf 9000 Quadratmetern insgesamt. Pro Wohnung oder Haus werden dreieinhalb Bewohner eingerechnet, jede Wohneinheit erhält zwei Stellplätze. Außerdem sind vorgesehen: 160 Parkplätze in den Straßenzügen, eine vierzügige Kita, eine Altenpflegeeinrichtung, Carsharing, Ladepunkte für Elektroautos, vielleicht sogar eine Arztpraxis – das sieht der Entwurf vor. Und grün soll das sogenannte Vicus-Quartier werden: begrünte Dächer, Verbot von Steingärten, Insektenwiese, Baumgutscheine für die Anwohner inklusive Beratung vom Landschaftsarchitekten, Bäume in den Straßenzügen und noch mal Bäume: 60 an der Zahl im Spielpark.

Der liegt nicht ganz zufällig mit dem Quartiersplatz im Norden des Gebiets, ziemlich in der Mitte. Genau darunter befindet sich besagte tektonische Störung, die – wie betont wurde – nicht auf Bergbau zurückzuführen sondern viel älteren Datums und natürlich ist. Aus Sicherheit, sagten die Projektentwickler, habe man hier auf die Bebauung verzichtet, ein hohes Risiko sehe man aber nicht.

„Realisierbar sicherste Lösung“

Wer in den Zonen rechts und links davon Häuser errichten wolle, könne mit einer dickeren Bodenplatte auf Nummer sicher gehen. Sicher sei auch die Abführung des Schmutzwassers über den Kanal in der Hardtstraße, der sei ausreichend groß dimensioniert. Die „vielleicht nicht denkbar, sondern realisierbar sicherste Lösung“, sagte Bürgermeister Timo Czech (CDU), seien das geplante Drängelgitter und die Querungshilfen (Insel in der Straßenmitte) für Fußgänger, die an der K52 die Straßenseite wechseln wollen.

Ein Zebrastreifen oder eine Fußgängerampel seien dort wegen des Straßentyps nicht möglich. Hintergrund der von Hans Günter Müller (FDP) gestellten Frage danach war der Verkehrsunfall am benachbarten Wohngebiet, bei dem im April dieses Jahres ein sechsjähriger Junge gestorben war.

Daniel Bein (Die Linke), neu im Rat, hakte nach, ob die Gebäude vom Stil her ins Nörvenicher Ortsbild passten. Er verwies auf Unmut von Binsfeldern im Zusammenhang mit dem Neubaugebiet Am Burgacker. Recht hohe, modern-kühle Häuser waren hier hochgezogen worden. Czech räumte ein, dass man den Grund um einen halben Meter habe aufschütten müssen, was in Kombination mit den zwei Geschossen plus eingerücktem drittem Geschoss „von manchen als hoch empfunden“ werde. An der gleichen Bauart in Wissersheim habe dagegen niemand Anstoß genommen.

Vermarktung beginnt

Jedenfalls soll „Auf der Hardt“ bei zwei Geschossen Schluss sein. Als Orientierungspunkt hat der Projektentwickler das Haus Nr. 10 an der Schwester-Blanka-Straße genommen. In Neubaugebieten würden zu 80 Prozent zwei Geschosse nachgefragt werden, hieß es.

Apropos Nachfrage: 350 Interessenten zählt F&S, der Erfahrung nach bliebe etwa ein Drittel davon am Ende „hängen“. Verträge seien aber noch keine unterzeichnet worden. In Kürze beginnt die Vermarktung, zunächst sollen nun im Kreis Düren Broschüren verteilt werden. Wer eine Referenz sucht: F&S hat in Düren das Bismark-Quartier gebaut.

Ratsmitglied Wolfgang Jakobs (CDU) monierte, die Grundstücke würden teurer als ursprünglich in Aussicht gestellt. „150.000 Euro für ein Stück Wiese“ seien nicht gerade wenig. Begründet wurde der Preisanstieg mit 1. dem Kaufpreis, der laut F&S weit über dem üblichen Wert lag, und 2. mit Bauwerken wie dem Kreisverkehr.

Die Vorgaben für die Gestaltung sind darüber hinaus strikt und reichen bis hin zur Art der Einfassung der Mülltonnen.