1. Lokales
  2. Düren
  3. Nörvenich

Naturschutz im Kreis Düren: Nabu will Schwalbenbestände stärken

Naturschutz im Kreis Düren : Nabu will Schwalbenbestände stärken

In jedem Jahr werden schwalbenfreundliche Häuser ausgezeichnet. Auch an Gut Hommelsheim freuen sich alle über die wiederkehrenden Vögel.

„Achtung, Babyschwalben!“ Ein Schild mit dieser Aufschrift ist das Erste, was man sieht, wenn man auf den Parkplatz von Gut Hommelsheim fährt. Mit großen grünen Lettern auf einem Plakat bittet die Teamleitung Frauke Jung alle Autofahrer um Rücksicht auf die noch unsicheren Flugversuche der jungen Tiere.

Vor kurzem wurde das Heilpädagogische Zentrum in Gut Hommelsheim bei Nörvenich mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet. Das heilpädagogische Zentrum bietet je nach Jahr 10 bis 12 Mehlschwalbenpaaren eine schwalbenfreundliche Unterkunft an. Unter den Dächern der Werkhalle haben die Mehlschwalben es sich gemütlich gemacht und kommen jedes Jahr im Frühjahr wieder an ihren angestammten Brutplatz zurück.

Frauke Jung, Teamleitung des Heilpädagogischen Zentrums Düren, ist begeistert: „Hier im ländlichen Raum haben die Kunstflieger die besten Voraussetzungen, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern.“ Heidrun Schwarthoff vom NABU, Kreisgruppe Düren konnte sich persönlich von den vielen Schwalbennestern überzeugen und überreichte die Plakette.

„Schwalben sind inzwischen vom Menschen abhängig. Häufig fehlen ihnen die Lebensräume und Nistmöglichkeiten, deshalb ist es wichtig, sie an Hauswänden zu dulden“, erläutert Schwarthoff. „Den Schwalben hilft es sehr, ihnen feuchten Lehm in kleinen Schalen anzubieten“, sagt sie. Gegen Verschmutzungen der Fassade und im Bodenbereich könne man Kotbretter unterhalb der Nester anbringen.

Mit der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“, möchte der NABU dem „verhängnisvollen Trend“ entgegenwirken, dass die Bestände der Mehl- und Rauchschwalben weiter im Sinkflug sind. Dazu wurden in ganz Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren vom Nabu Hunderte Plaketten an „schwalbenfreundlichen Häusern“ angebracht. Auch im Kreis Düren gibt es einige Objekte mit dieser Auszeichnung. Im vergangenen Jahr wurden 30 Objekte ausgezeichnet.

Schwalben brauchen ihren Platz

Schwalben haben sich als Kulturfolger an eine durch den Menschen geprägte Umgebung angepasst und ihre ursprünglichen Brutplätze an felsigen Steilküsten gegen Hauswände oder Ställe eingetauscht. Trotzdem nehmen die Schwalbenbestände seit Jahren ab. Was ihnen zu schaffen macht, ist unter anderem die Sanierung vieler Gebäude. Es fehlen geeignete Brutmöglichkeiten an oder in Gebäuden. Auch feuchter Lehm als Baumaterial für Nester ist immer schwieriger zu finden. Und wegen des gestiegenen Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft gibt es weniger Insekten und damit weniger Nahrung für die Schwalben.

Auch Gerd Zens, landwirtschaftlicher Leiter der Einrichtung, freute sich über die Auszeichnung und ganz besonders über die vielen Mehlschwalben: „Wir freuen uns Jahr für Jahr wieder, dass die Schwalben zu uns zurückkehren und mit ihren schönen Flugbahnen über das Gelände ziehen.“ Auch für die Bewohner und zahlreichen Besucher von Gut Hommelsheim ist es ein besonders schönes Erlebnis.

Dem Nabu ist es aber auch wichtig, herauszufinden, wie viele Rauch-, Mehl- und Uferschwalben im Kreis Düren noch vorkommen und ein Zuhause finden. „Wir würden in ausgewählten Dörfern und Städten des Kreises deshalb gerne eine gezielte Kartierung der Rauch- und Mehlschwalben durchführen“, teilt der Nabu mit und sucht Menschen, die Lust haben, ihn zu unterstützen.

Mehr Infos auf www.nabu-dueren.de.

(red)