Nörvenich: „Nörvenich fortyfive“: Die Geschichte liest sich wie eine Geschichte

Nörvenich: „Nörvenich fortyfive“: Die Geschichte liest sich wie eine Geschichte

Der Neffelbach war in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges Verteidigungslinie, viele Felder am Rande des Bachs waren vermint. Auch gingen die Luftangriffe nicht spurlos an der Gemeinde vorüber. Doch im neuen Buch des Heimat- und Geschichtsvereins Nörvenich geht Autor Herbert Pelzer nur im ersten Kapitel auf die Kriegsjahre und die Geschehnisse an der Westfront ein.

Sein Augenmerk richtet er auf die Nachkriegszeit, die Zeit des Wiederaufbaus. „Nörvenich forty-five“ ist das Buch überschrieben, das der Autor als eine Art Erzählung sieht. „Es soll sich wie eine Geschichte lesen“, sagt Pelzer. Eine Geschichte von Not und Entbehrungen, aber auch vom Wiederaufbau, dem aufkeimenden Wirtschaftswunder.

„Es ist in der Familie viel über die Kriegsjahre erzählt worden, von Fliegerangriffen, von Nächten im Keller“, berichtet Pelzer. „Ich habe aber erst viel später gelernt, dass meine Oma mit wenigen Vorräten eine große Familie sattbekommen musste.“ Dieser Aspekt der Geschichte habe ihn schon immer interessiert, im Rahmen anderer Recherchen für den Heimat- und Geschichtsverein fand er viele Dokumente aus der direkten Nachkriegszeit, er stieß im Archiv auf reichhaltige Tagebuchaufzeichnungen — und interviewte auch selbst Zeitzeugen. „Ich war überrascht, wie viele Aufzeichnungen es gab“, sagt er.

Wie lebten die Nörvenicher? Wie stand es um die Versorgung der Menschen? Wann kam der Strom zurück? Wie kamen die oft durch den Krieg zerrissenen Familien wieder zusammen? Diese Fragen stellt Pelzer, der den Zeitraum von 1945 bis 1955 betrachtet, in den Vordergrund. Er ordnet die einzelnen Kapitel des Buches chronologisch an, jedes Kapitel steht dabei für ein bestimmtes Thema.

Pelzer beschreibt Rückkehr der Bevölkerung aus der Evakuierung, er beleuchtet den Alltag in der Nachkriegszeit, die Suche nach Nahrung. „Es gab zwar Lebensmittelkarten der Militärregierung, aber zu essen gab es dennoch nicht viel“, blickt er zurück. Vor allem der eiskalte Winter 1946/47, dem ein Hitzesommer folgte, verschärfte die Situation. Gleichzeitig kamen aber auch Menschen aus den Städten aufs Land, die Wertgegenstände gegen Nahrungsmittel tauschen wollten.

Weitere Kapitel befassen sich mit der Entnazifizierung (Pelzer: „Viele Menschen haben vorher mitgemacht und nachher nichts gewusst...“), der Rückkehr der Kriegsgefangenen und der Ankunft der Heimatvertriebenen. Mit dem ersten Karnevalszug 1951, der Gründung des Motorsportclubs 1953 und der Eröffnung der Nörvenicher Tankstelle 1954 leitet Pelzer in die Zeit des Wirtschaftswunders über.

„Diese Zeit hat das heutige Gesicht der Gemeinde Nörvenich maßgeblich geprägt“, fasst er seine Recherchen, bei denen er selbst viel dazugelernt habe, zusammen. „Ich wünsche mir, dass auch junge Leute dieses Buch lesen und etwas über ihre Geschichte erfahren“, sagt Pelzer.

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