Nörvenich: Bürgermeister Czech fordert die Section Control

Section Control : Neue Tempomesstechnik könnte Kinder besser schützen

Nörvenichs Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU) spricht sich für die Section Control an der L 263 aus. An dieser vielbefahrenen Straße liegen eine Grundschule und eine Kita.

Geht es nach Dr. Timo Czech (CDU), sollte die sogenannte Section Control zügig in Deutschland eingeführt werden. Das ist jene Geschwindigkeitsmessung, bei der das Tempo von Fahrzeugen nicht punktuell mit einer „Blitze“, sondern über einen Abschnitt (section) gemessen wird. Sie ist derzeit in den Medien öfter Thema, weil ein Pilotprojekt auf einer Bundesstraße in Niedersachsen Anfang 2019 mit großer Verspätung gestartet worden ist, und weil die Polizeigewerkschaft GdP sie als ein probates Mittel ansieht, den Straßenverkehr sicherer zu machen.

Der Bürgermeister von Nörvenich findet, dass es in seiner Gemeinde eine besondere Stelle gibt, an der er, wenn es denn möglich wäre, die Section Control installieren lassen würde. Es handelt sich um die Heribertstraße/L 263 in Eschweiler über Feld. Dort gilt an Werktagen Tempo 30, aus Düren kommend auf der rechten Seite liegt kurz hinter dem Ortseingang die Grundschule. 300 Meter weiter folgt eine Kita. Täglich fahren dort 5500 Fahrzeuge entlang. Für Czech ist dieser Abschnitt eine potenzielle Gefahrenstelle. „Wenn eine Schule und eine Kita an einer vielbefahrenen Landstraße liegen, sollte man daran keinen Zweifel haben“, betont der Bürgermeister. „Es geht um den Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer.“

An dieser Stelle hat der Kreis Düren Ende 2018 eine feste Radaranlage installiert. „Ein dickes Lob an den Kreis. Er hat getan, was er dem Gesetz nach maximal tun kann“, betont Czech. Die Anlage hat seiner Meinung nach aber einen Haken: Die Verkehrsteilnehmer würden zwar vor der Grundschule abbremsen, vor der Kita würden sich einige aber nicht an das Tempolimit halten. „Diese Beobachtung ist rein subjektiv, so tragen es Anwohner an mich heran“, sagt der Bürgermeister. 

Seit Ende 2018 steht an der Heribertstraße eine feste „Blitze“ vor der Grundschule. Anwohner berichten dem Bürgermeister, dass einzelne Verkehrsteilnehmer aber vor der Kita schneller als erlaubt fahren. Foto: Grafik/ZVA

Kein Unfallhäufungspunkt 

Wie oft die Radaranlage bislang ausgelöst hat, kann der Kreis auf Anfrage nicht mitteilen. Die Auswertung liege noch nicht vor. Die Dürener Polizei teilt mit, dass die Stelle nicht als Unfallhäufungspunkt bekannt sei. Für die Abschnittstempomessung sei der Bereich in Eschweiler über Feld auch nicht komplett geeignet, weil es dort Seitenstraßen gibt. Wer aus ihnen heraus auf die L 263 fährt, würde nur von einem Kontrollpunkt erfasst. Eine Sprecherin sagt auch, dass sich die Behörde noch nicht explizit mit dem Thema Section Control beschäftige, weil sie „Zukunftsmusik“ sei. Denn ob diese Technik, die mit 200.000 Euro gut dreimal teurer als eine herkömmliche Radaranlage ist, eingeführt wird, steht noch überhaupt nicht fest.

Und genau das ärgert Timo Czech. Er rechnet nach dem Modellversuch in Niedersachsen frühestens in dreieinhalb Jahren mit einer Entscheidung auf Bundesebene. „Es passiert so viel im Straßenverkehr, da muss man sich fragen, ob unsere Technik noch die richtige ist“, sagt Czech und fragt rhetorisch: „Wenn alle Länder um uns herum anders handeln: Machen wir alles richtig oder alles falsch?“ Der Bürgermeister bezieht sich auf die Niederlande und Österreich, wo Section Control seit Jahren genutzt wird. Die Verkehrssicherheit habe sich an den ausgewählten Orten damit erheblich verbessert.

Czech sagt ausdrücklich, dass diese Art der Tempomessung für ihn keine „Abzocke“ sei, sondern es rein um die Sicherheit gehe. „Aus kommunaler Sicht hat die Messung auch keine finanziellen Motive, weil das Geld an den Kreis geht.“ Czech wird die Diskussionen um Section Control weiter verfolgen – und er hofft, dass sie nicht verpuffen.

(cro)