Noah Clemens aus Kreuzau ist Deutscher Meister im Carrerabahnfahren

Reise nach Monza als Siegprämie : 14-Jähriger aus Kreuzau ist Deutscher Meister im Carrerabahnfahren

Ein Freund großer Worte ist Noah Clemens aus Kreuzau nicht. Der Junge ist 14 Jahre alt, geht nach den Sommerferien in die neunte Klasse des Gymnasiums in Kreuzau, war vor drei Jahren Kinderkarnevalsprinz in Düren und fährt leidenschaftlich gerne Carrerabahn.

Seit sechs Jahren nimmt er regelmäßig an Carrerabahnrennen in der ganzen Republik teil. Jetzt ist Noah der vermutlich größte Coup seiner noch jungen Rennfahrer-Karriere gelungen. In Nürnberg hat er in der Altersklasse der Unter-18-Jährigen den ersten Platz der Carrera Profi Liga, der deutschen Meisterschaft der Carrerabahn-Fahrer, gewonnen.

Mit drei Jahren hat Noah von seinem Vater Achim Clemens (44) seine erste Bahn und das erste Rennauto bekommen, seitdem ist er von den kleinen Autos im Maßstab 1:24, die immerhin in der Spitze 27 Stundenkilometer schnell sind, total fasziniert. Mittlerweile hat er zu Hause eine 40 Meter lange, vierspurige Rennbahn. Zum Renntraining fährt er trotzdem nach Kerpen, vor allem in den Wochen vor den Wettkämpfen. „Die Wettkampfstrecke in Nürnberg“, erzählt Noah, „war 70 Meter lang, also fast doppelt so lang wie meine Bahn zu Hause. Die hat irgendwann nicht mehr gereicht.“

Die Teilnahme an der „Carrera-Profi Liga“ war Noahs erstes Einzelfahren, vorher hatte er nur in Teams, zu denen meistens auch sein Vater gehörte, an 24-Stunden-Rennen teilgenommen. „Wir sind schon lange Mitglied im Carrera-Club“, erzählt der Schüler. „Und als wir dann die Ausschreibung von der Deutschen Meisterschaft gesehen haben, wollte ich da unbedingt mitmachen.“ Noah musste sich bei einem der 14 Vorrundenläufe für das Finale qualifizieren, das hat gleich im ersten Anlauf geklappt. „Mein Vater hat es nicht geschafft“, sagt Noah und lacht. „Der war schon ein bisschen wütend.“ Überhaupt führt das Carrerabahn-Fahren im Hause Clemens zu ernstzunehmenden Konkurrenzkämpfen zwischen Vater und Sohn. „Die nehmen das beide sehr, sehr ernst“, erzählt Mutter Silke. „Aber am Ende gewinnt meistens Noah. Und das ärgert meinen Mann natürlich schon.“

Neben einer gehörigen Portion technischen Verständnisses braucht ein guter Rennfahrer vor allem viel Gefühl, Ruhe und mentale Stärke. Silke Clemens: „Ich habe Noah beim Finale um die Deutsche Meisterschaft zum ersten Mal bei einem Einzelrennen gesehen. Das war unglaublich, wie fokussiert er war. Ich hatte das Gefühl, dass er um sich herum einfach alles ausblendet.“ Diese große Konzentration ist entscheidend, vor allem, weil so ein Renntag ziemlich anspruchsvoll ist. „Ich musste insgesamt sechs Rennen absolvieren, jedes mit zehn Runden. Das ist auch körperlich anstrengend. Am Ende war ich jedenfalls nassgeschwitzt.“ Noahs Vater Achim ergänzt: „Unser Sohn hat einfach Talent. Er sieht die Strecke und fährt los, ohne wirklich viel nachzudenken. Ich glaube, das ist auch Teil seines Erfolges.“

Richtig trainieren konnten die Fahrer im Vorfeld auf der Strecke in Nürnberg nicht, es gab nur eine kurze Einführungsrunde. „Am schlimmsten war“, erklärt Noah, „wenn man von der Bahn geflogen ist. Zwar gab es Helfer, die die Autos sofort wieder in die Spur gebracht haben, aber trotzdem war viel Zeit weg. Aber bei den Überholmanövern und den engen Kurven ist das natürlich schon einmal passiert.“

Nicht die eigenen Autos

Eine zusätzliche Schwierigkeit war, dass die Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft nicht mit ihren eigenen Autos starten durften. „Die sind viel mehr eingefahren als die neuen Fahrzeuge“, erklärt Noah. „Und deswegen auch schneller. Aber weil alle ja die gleichen Bedingungen hatten, war es wieder fair.“

Insgesamt fährt Noah Clemens um die 15 Rennen pro Jahr, was ihn daran genau fasziniert, kann der Schüler mit den Lieblingsfächern Sport und Chemie nur ganz schwer erklären. „Es macht einfach Spaß“, sagt er. „Die Geschwindigkeit ist toll. die Rennen sind sehr spannend. Und wenn man dann am Ende auch noch gewinnt, ist es natürlich super.“ Apropos gewinnen: Für den jungen Deutschen Meister aus Kreuzau gab es einen goldenen Siegerkranz, einen ebenfalls goldenen Joystick, eine Urkunde und eine Reise nach Italien, wo der Nachwuchs-Rennfahrer und seine Eltern in Monza nicht nur im Sterne-Stammrestaurant der Formel-1-Rennfahrer tafeln werden, sondern wo auch Werksführungen mit Testfahrten bei Ferrari und Lamborghini auf dem Programm stehen. „Das wird toll“, sagt Noah. „Schade, dass ich noch keinen Führerschein habe.“ Den will Noah aber auch jeden Fall in zweieinhalb Jahren machen, damit er mit 17 Jahren sofort hinters Steuer kann – anfangs mit Begleitung natürlich.

Was er später werden möchte, weiß der 14-Jährige noch nicht genau, vorstellen kann er sich allerdings, Rennfahrer bei den „Deutsche Tourenwagen-Masters“ (DTM) zu werden. „Das gefällt mir besser als Formel 1, weil man fast mit den selben Autos fährt, die auch im Straßenverkehr unterwegs sind.“ Bis es so weit ist, konzentriert Noah sich weiter auf seine kleinen Carreraautos. „Ich mache auf jeden Fall weiter“, sagt er. „Das ist doch klar. Und ich will alles dafür tun, nächstes Jahr meinen Titel zu verteidigen.“ Und auch das wieder ohne viele Worte.

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