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Vettweiß: Nitratbelastung des Grundwassers ist in Vettweiß zu hoch

Vettweiß : Nitratbelastung des Grundwassers ist in Vettweiß zu hoch

Wer mit Jörg Kemmerling über die Nitratbelastung des Grundwassers in und um Vettweiß spricht, der stellt schnell fest, dass ihn einiges umtreibt: Der Betriebsleiter des Wasserleitungszweckverbandes (WZV) Neffeltal ist spürbar mit Begeisterung und sogar Kampfgeist bei der Sache, kann aber auch eine gewisse Frustration nicht verstecken.

„Seit 25 Jahren haben wir stetig steigende Nitratwerte“, kritisiert der 47-Jährige. „In der Politik wird immer viel geredet, aber nichts unternommen. Der Grundwasserkörper muss von der Kommune geschützt werden“, stellt er klar.

Jörg Kemmerling ist Betriebsleiter des Wasserleitungszweckverbandes Neffeltal. Foto: wel

Mittlerweile sind die Werte so schlecht (das Grundwasser hat 70 bis 100 Milligramm pro Liter, für Trinkwasser erlaubt sind 50) dass innerhalb der nächsten fünf Jahre eine zusätzliche Filteranlage nötig wird, damit das Trinkwasser weiterhin die vorgeschriebene Qualität hat. Dadurch entstehen 50 bis 80 Cent Mehrkosten pro Kubikmeter Wasser. „Diese Kosten werden die Endkunden und nicht die Verursacher der Nitratbelastung tragen müssen“, stellt Kemmerling klar und schätzt die Mehrkosten pro Kunde auf 100 Euro im Jahr.

Die Verursacher stehen für Kemmerling fest: die Landwirte. Dass deren Düngung die Ursache für die zu hohen Nitratwerte ist, bestätigte jüngst auch die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD. NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) teilte darin mit, dass die „intensive landwirtschaftliche Nutzung“ der Grund sei. Der Grundwasserkörper sei bezüglich der Nitratwerte als schlecht eingestuft, außerdem seien „maßnahmenrelevante Trends im Sinne der Grundwasserverordnung festzustellen“.

Stichwort Maßnahmen: Davon schlägt Kemmerling gleich mehrere vor. Ganz oben auf seiner Liste steht die Stärkung der Landwirtschaftskammern, damit mehr Kontrollen der Düngeaktivitäten und bei Zuwiderhandlung auch Konsequenzen durchgesetzt werden. „Wenn die Düngeverordnung von der Landwirtschaftskammer so kontrolliert würde, wie die Trinkwasserverordnung vom Gesundheitsamt, dann hätten wir keine Probleme“, stellt Kemmerling klar.

Außerdem rät er den Landwirten dazu, die Felder gewässerschonender zu bewirtschaften und modernste Technik einzusetzen. Durch den sogenannten „Präzisionsackerbau“ kann beispielsweise punktuell statt flächendeckend gedüngt werden. Außerdem empfiehlt Jörg Kemmerling der Kommune, bei weiterhin steigenden Nitratwerten noch weniger Dünger zuzulassen und dies auch über einen längeren Zeitraum als ein Jahr. Kemmerling: „Maßnahmen, die wir jetzt ergreifen, werden erst in zehn Jahren wirksam.“

Als fünfter und letzter Punkt auf seiner Liste wird die Anpassung des Wasserschutzgebietes genannt. An diesem Punkt setzt die CDU mit einem Antrag an, der im Haupt- und Finanzausschuss (Donnerstag, 18 Uhr, Sitzungsraum Rathaus Vettweiß) beraten wird. Die Christdemokraten möchten die aktuelle Situation in der Gemeinde prüfen lassen, um gegebenenfalls eine Ausweitung des Schutzgebietes zu veranlassen.

Dieser Schritt sei richtig, gehe aber längst nicht weit genug, heißt es aus Reihen der SPD. Die Sozialdemokraten erwarten am Donnerstagabend eine lebhafte Debatte.

Einigkeit gefordert

Mit Blick auf den Donnerstagabend, aber auch auf die baldigen Beratungen zu dem von ihm erarbeiteten Wasserversorgungskonzept für die Gemeinde, sagt Jörg Kemmerling: „Es muss Einigkeit herrschen. Das ist ein Thema, über das man eigentlich nicht diskutieren darf. Es müssen endlich Erfolge her! Das ganze Thema muss nach vorne getrieben werden, ganz egal von welcher Fraktion.“

Um den Ernst der Lage zu verdeutlichen, wählt er abschließend noch einmal sehr deutliche Worte für die Nitratbelastung des Grundwassers: „Das ist ein Risiko! Davor darf man nicht die Augen verschließen. Das ist wie Tihange in der Wasserversorgung.“