Wohnquartier oder Sport? SW Huchem-Stammeln gegen Alternativstandort

Gemeinde plant neues Wohnquartier : Knatsch um die Zukunft der Sportanlage

Die Idee der Bauexperten im Rathaus klingt interessant: Entlang der Karolinger Straße, im Herzen von Huchem-Stammeln, könnte ein hochwertiges Wohnquartier entstehen.

Das Bürgerhaus und der Kindergarten an der Grabenstraße könnten eingebunden, ein Kultur- und Quartiershaus geschaffen werden. Das Problem allerdings: Die Sportanlage, auf der der SV Schwarz-Weiß Huchem-Stammeln seit Jahrzehnten mit Fußball, Tennis und Boule zu Hause ist, müsste verlegt werden.

Grundsätzlich wäre dies für die Sportler kein Problem, wie aus dem Vorstand zu hören ist, nur den angebotenen Standort im Gewerbegebiet Rurbenden, am Ende der Neue Straße, lehnt der Verein kategorisch ab.

Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, den sogenannten „RWE-Sportplatz“, der seit vielen Jahren bereits von den Fußballern der Schwarz-Weißen als Trainingsplatz genutzt wird, umzubauen. Das Konzept sieht die Errichtung eines neuen Kunstrasenplatzes mit Flutlichtanlage vor, den Bau eines neuen Vereinsheims, Raum für zwei der bislang vier vorhandenen Tennisplätze und auch für eine Boule-Anlage.

Aus Sicht von Bürgermeister Hermann Heuser (SPD) spricht vieles für diesen Standort. Unter anderem werde der dort vorhandene Parkplatz bereits von der Karnevalsgesellschaft und der Maigesellschaft „mit großem Erfolg für Vereinsfeste als Festplatz genutzt“. Negative Rückmeldungen mit Blick auf die Erreichbarkeit oder die Abgeschiedenheit habe es nicht gegeben, betonte Heuser.

Platz für alle drei Sportarten?

Das aber sieht der Verein anders, spricht angesichts der menschenleeren  Straße durch das Gewerbegebiet sogar von einem „Angstraum“, der entstehen und Zuschauer (Kinder, Frauen und Senioren) von einem Besuch der Sportanlagen vor allem in den dunklen Wintermonaten abhalten würde.

Zudem bezweifelt der Vorstand, dass es im Bereich des RWE-Platzes genügend Raum für alle drei Sportarten gibt. Denn neben einem Hauptplatz (Kunstrasen) fordern die Schwarz-Weißen auch noch einen Nebenplatz, der aber „in der Tat an dieser Stelle nicht realisiert werden kann“, wie auch Bürgermeister Heuser in einer Stellungnahme einräumt.

Allerdings sehen er und die SPD-Mehrheitsfraktion dafür auch gar keine Notwendigkeit. Sie sind überzeugt, dass es für einen Verein von der Größe des SV Schwarz-Weiß organisatorisch möglich sein muss, den kompletten Trainings- und Spielbetrieb  auf einem witterungsunabhängigen Platz unterzubringen. Der SV Niederzier und der BC Oberzier seien dafür gute Beispiele, betont SPD-Fraktionschef Johannes Komp.

In den vergangenen Wochen hat der Verein eine Befragung seiner Mitglieder und der Dorfbewohner initiiert, um deren Meinung zur geplanten Verlagerung der Sportanlage einzuholen. „Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen“, erklärt der zweite Geschäftsführer, Hans Gregor Abels. Sie soll Anfang September vorliegen. Allerdings hat die Befragung einen „Schönheitsfehler“: Die Bürger können zwar für den bisherigen Standort und gegen das Konzept „RWE-Sportplatz“ votieren, nicht aber für den Vorschlag der Verwaltung.

Das Ergebnis aber will die SPD nicht tatenlos abwarten. Angesichts der massiven Kritik an der RWE-Platz-Lösung diskutieren die Genossen derzeit verschiedene Standortalternativen. Anfang September wollen sie einen neuen Vorschlag unterbreiten, kündigt Johannes Komp an, wohl wissend, dass jeder andere Standort, der näher zur vorhandenen Wohnbebauung liegt, erst einmal auch von der Bezirksregierung Köln genehmigt werden müsste, eventuell aber auch Kritik der angrenzenden Nachbarschaft auslösen könnte.

Anwohnerproteste drohen

Genau aus diesem Grund nämlich wurde der erste Plan, den Sportplatz hinter die Grundschule an der Hochheimstraße zu verlegen, wieder verworfen. Ein Modell, mit dem sich der Verein durchaus hätte anfreunden können, wie zu hören war, schließlich hätte in den Wintermonaten auch die Schulturnhalle problemlos mit genutzt werden können.

„Wir wollen eine Lösung finden, die von allen Beteiligten akzeptiert werden kann“, betont indes Johannes Komp. An der Quartiersentwicklung entlang der Karolinger Straße will die SPD auf jeden Fall festhalten, erklärt der Fraktionsvorsitzende. Diese könnte sogar aus Mitteln der NRW-Städtebauförderung bezuschusst werden.

Sie würde nicht nur das gesamte Areal zwischen Bahnhof- und Köttenicher Straße deutlich aufwerten, ist die SPD überzeugt, sondern auch jungen Menschen aus dem Ort die Möglichkeit eröffnen, in ihrem Heimatort ein Haus zu bauen, betont Heuser. Denn mit Blick auf die landesplanerische Vorgabe, den Flächenverbrauch zu minimieren, sei es nicht immer möglich, neue Wohngebiete im Außenbereich zu erschließen.

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