Von Oberzier über Köln ins Brandt-Haus?: Karl Lauterbach bewirbt sich um den SPD-Bundesvorsitz

Von Oberzier über Köln ins Brandt-Haus? : Karl Lauterbach bewirbt sich um den SPD-Bundesvorsitz

Professor Karl Lauterbach wird deutlich, fast energisch: „Die SPD wird nicht untergehen. Genau das Gegenteil ist der Fall: Die Probleme in unserem Land werden immer größer. Und meine Partei wird dringend dafür gebraucht, sie zu lösen.“ Karl Lauterbach, dessen Markenzeichen die Fliege ist, ist 1963 in Düren geboren, in der Gemeinde Niederzier (Oberzier) aufgewachsen und hat 1983 am Wirteltor-Gymnasium Abitur gemacht.

Nach dem Studium der Medizin und Gesundheitsökonomie in Aachen, San Antonio (Texas) und Harvard war er Professor an der Universität zu Köln. Seit 2001 ist der Sohn eines Arbeiters Mitglied der SPD, seit 2005 ist er Bundestagsabgeordneter und schickt sich jetzt an, in einer Doppelspitze mit Nina Scheer Parteivorsitzender der SPD zu werden.

„Ich traue mir dieses Amt zu“, sagt der 56-Jährige, der vierfacher Vater ist. „Unsere Partei braucht dringend eine Neuausrichtung. Der Kern der SPD hat sich ausgehöhlt. Wir müssen wieder deutlich machen, wofür unsere Partei steht.“ Ganz konkret spricht Lauterbach von deutlich mehr linker Politik, einer ehrgeizigeren Sozialpolitik, gerechter Rentenpolitik, der Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin, einer gerechteren Einkommensverteilung. „Wir kennen die Probleme, kommen aber an die Lösungen nicht nah genug ran. Es kann doch nicht sein, dass ein Land wie Deutschland nicht in der Lage ist, seine eigenen Klimaziele einzuhalten. Das wollen, müssen und können wir ändern.“

Natürlich weiß auch der Gesundheitsexperte Lauterbach, dass das Amt des SPD-Vorsitzenden im Augenblick eines mit einer eher geringeren Halbwertzeit ist. „Ich möchte etwas erreichen. Für die Partei und für unser Land. Da denke ich doch nicht von Anfang an daran, vielleicht zu scheitern.“ Er sei überzeugt, dass es sich nach wie vor lohnt, für die Ziele seiner Partei zu kämpfen. „Mir kommt es darauf an, niemanden zu überreden. Ich will die Menschen überzeugen. Und deswegen ist es richtig, dass die Mitglieder über die neue Parteispitze entscheiden.“ Er habe seinen Köln/Leverkusener Wahlkreis bisher immer direkt gewonnen. „Und zwar auch, weil ich immer sehr stark auf ökologische und soziale Themen gesetzt habe. Diese Erfahrung möchte ich jetzt auf die Bundes-SPD übertragen.“

30 Regionalkonferenzen

Lauterbach, der vor zwei Jahren angemahnt hatte, eine große Koalition nicht kategorisch auszuschließen, glaubt jetzt, dass die Zusammenarbeit von CDU und SPD auf Bundesebene dringend beendet werden muss. „In einer großen Koalition können wir einfach die Probleme nicht mehr lösen. Wenn Nina Scheer und ich gewählt werden, wollen wir die Mitglieder entscheiden lassen. Und wir werden ihnen das Ende der Groko empfehlen.“

In den kommenden Wochen und Monaten will Lauterbach bei rund 30 Regionalkonferenzen seine Ideen in einer klaren Sprache erklären und Überzeugungsarbeit leisten. Vielleicht, das steht noch nicht endgültig fest, auch in seiner alten Heimat. „Ich schätze meine Heimat sehr“, sagt Lauterbach. „Und ich bin im Durchschnitt alle zwei Wochen bei meinen Eltern in Niederzier, oder in Düren und in Embken, wo ich Freunde und Verwandte besuche.“ Darüber hinaus gibt es noch eine andere enge Verbindung in den Kreis Düren. „Mit Dietmar Nietan verbindet mich eine echte Freundschaft. Und zwar nicht nur, weil wir beide zur Parteilinken gehören.“

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