Für den "Masterplan" Niederzier liegen erste städtebauliche Ideen vor

Städtebaulicher Masterplan für Niederzier : Erste Ideen für mehr Lebensqualität

Der Plan war äußerst ambitioniert: Bis Ende September wollte die Gemeinde Niederzier der Bezirksregierung Köln einen „Masterplan“ zur städtebaulichen Entwicklung ihrer sieben Orte vorlegen, um schon 2020 in den Genuss von Städtebaumitteln des Landes zu kommen.

Dazu aber müssten auch zeitgleich bereits umsetzungsreife Einzelmaßnahmen vorliegen, die jedoch gerade erst entwickelt werden. Deshalb soll der Startschuss jetzt 2021 erfolgen.

„Wir wollen die Zeit jetzt für eine noch breitere und intensivere Bürgerbeteiligung nutzen“, kündigt der zuständige Fachbereichsleiter im Niederzierer Rathaus, Dirk Lauterbach, an. Los geht’s in der kommenden Woche mit Workshops (siehe Info), in denen die bei der Auftaktveranstaltung Mitte April von 80 Bürgern herausgearbeiteten Stärken und Schwächen auf die einzelnen Orte runtergebrochen und in erste Projektvorschläge umgemünzt werden sollen.

Zu den von den Bürgern genannten Herausforderungen zählt unter anderem die Schaffung von „Orten der Begegnung“. Darunter kann sich Lauterbach mehrere Szenarien vorstellen, beispielsweise eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, auch als Ersatz für das weggefallene Dorfgemeinschaftshaus in Oberzier, angegliedert an die Gesamtschule, die multifunktional genutzt werden kann – morgens von der Schule, nachmittags  als Jugendcafé und Treffpunkt der Seniorenarbeit, abends von Vereinen.

Zu Begegnungen könnten aber auch attraktive Sitzmöbel auf zentralen Plätzen einladen, möglichst einheitlich in allen Orten, erklärt Lauterbach. Gefordert wird aber auch eine optisch ansprechendere Gestaltung der Grün- und Freiflächen, die auch die Experten der Gemeinde am Beispiel des Niederzierer Freizeitparks, der überarbeitet werden soll, bereits auf der Agenda hatten.  Auch soll das historische Ensemble rund um die Niederzierer Wasserburg (altes Rathaus) mit der anliegenden Rathausstraße, dem Friedhof, dem Ellebach und der Grünanlage an der Kölnstraße noch einmal in den Fokus rücken.

„Wir konzentrieren uns aber nicht nur auf Niederzier und Oberzier“, betont Lauterbach: „Ein zentraler Punkt unserer Überlegungen ist eine Quartiersentwicklung in Huchem-Stammeln zwischen Köttenicher und Bahnhofstraße, wenn sie denn von den Bürgern gewollt ist.“ Weil aber für das Konzept mit unterschiedlichen Wohnformen, einem Quartiershaus mit Quartiersmanager, der Einbindung von Familienzentrum, Bürgerhaus, Flüchtlingsunterkunft und einer Aufwertung der Eintrachtstraße auch Sportanlagen verlegt werden müssten, formiert sich derzeit Widerstand.

Gefordert werden auch bereits Einkaufsmöglichkeiten in kleineren Ortslagen, abseits der großen Zentren an der B56 in Huchem-Stammen und in der „Neuen Mitte“. Lauterbach ist überzeugt, dass dies zumindest für Ellen auch umsetzbar sein könnte, vorausgesetzt, die Ortschaft wächst weiter, zum Beispiel in Richtung des künftigen Tagebau-Sees. „Dann wäre Ellen sicherlich auch für einen kleinen Discounter interessant“, glaubt der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters.

Schwieriger umzusetzen seien hingegen die geäußerten Forderungen hinsichtlich einer Verbesserung des ÖPNV. Diese Probleme könnten nicht im Rahmen des städtebaulichen Masterplans gelöst werden, betont Lauterbach auch mit Blick auf die dauerhafte Finanzierung.

Die ersten Überlegungen sollen nun in den Workshops, an denen jeder Bürger teilnehmen kann, konkretisiert werden. Auch können noch neue Themen eingebracht werden. Zeit genug bis zur Verabschiedung des Masterplans im April/Mai 2020 ist allemal.

Damit trotz der Verschiebung des Masterplans auf die Jahre ab 2021 aber auch 2020 schon etwas geschieht, wollen Lauterbach und Bürgermeister Hermann Heuser (SPD) dem Gemeinderat Ende Juni zwei förderungswürdige Projekte losgelöst vom Masterplan vorschlagen, eines aus dem Bereich Dorferneuerung, eines aus dem sozialen Bereich, die kurzfristig umgesetzt werden sollen.