Burg Niederzier steht das Wasser auch im Keller bis zum Hals

Unbekannte Kellerräume geöffnet : Warum der Niederzierer Burg das Wasser bis zum Hals steht

Das „Alte Rathaus“ der Gemeinde Niederzier hat ein unerwartetes Problem mit Wasser. Der Grund: Es gibt mehr Kellerräume unter dem Gebäude als bekannt – und eine unangenehme Überraschung darin.

Dass eine Wasserburg bis zu den Füßen im Wasser steht, liegt in der Natur der Sache. Dem „Alten Rathaus“ der Gemeinde Niederzier aber steht das Wasser mittlerweile bis zum Hals. Der Grund liegt wohl mehr als 70 Jahre zurück. Jahrzehntelang war die Verwaltung davon ausgegangen, dass ein Teil des erstmals 1526 urkundlich erwähnten, wahrscheinlich aber noch viel älteren Gebäudes nicht unterkellert war.

Jetzt steht fest: Das war ein Trugschluss. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schutt offenbar nicht entsorgt, sondern einfach in einen Teil des Kellers geschüttet und dann mit einer Betondecke versiegelt. Und dort lag er jahrzehntelang, wurde im Laufe der Zeit immer feuchter und feuchter, bis er jetzt so nass war, dass die Feuchtigkeit die ebenfalls durchnässten Wände hinauf kroch.

Als das Problem Anfang des Jahres in einem Besprechungsraum im Erdgeschoss der denkmalgeschützten Burg ans Tageslicht kam, fiel der Verdacht zunächst auf die angrenzenden Toiletten, die vor einigen Jahren umgebaut worden waren. Während nach einigen Dichtigkeitsprüfungen aber klar war, dass deren Leitungen dicht sind, fielen auch an der Außenwand der Wasserburg große Feuchtigkeitsstellen auf. „Teilweise ist die Oberfläche der Mauersteine bereits abgeplatzt, der Fugenmörtel ist ausgespült“, erklärt Bauamtsleiter Ben Savelsberg.

Die Experten fanden den Grund für die Wasserschäden... Foto: ZVA/Jörg Abels

Mit dem in der Gemeinde wohnenden Bausachverständigen Michael Hagner ging die Ursachenforschung weiter. Schließlich würde ein zugemauerter Durchgang geöffnet, und die Experten stießen auf den bereits erwähnten, nassen Schutt. Mittlerweile gehen sie davon aus, dass sich rund 100 Kubikmeter in dem bislang zugemauerten Teil des unterirdischen Tonnengewölbes befinden. Und die müssen jetzt erst einmal rausgeholt werden, um die Wände eingehend untersuchen zu können, erklärt Hagner.

Ein Einsatz von Maschinen ist nicht möglich. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als den Schutt per Hand rauszuholen“, betont Bürgermeister Hermann Heuser (SPD). Ein Statiker wird die Arbeiten begleiten, um sofort eingreifen zu können, sollte die Standsicherheit des Mauerwerks gefährdet sein. Und weitere Überraschungen sind auch nicht ausgeschlossen. „Wir wissen ja nicht, ob wir auch noch auf Waffenreste und Munition stoßen werden, die mit dem Schutt entsorgt wurden“, erklärt Ben Savelsberg.

...im Keller des historischen Gebäudes. Foto: ZVA/Jörg Abels

Allein für Ausbau und Entsorgung des Schutts rechnet der Bauamtsleiter mit Kosten von rund 80.000 Euro. Doch das ist erst der Anfang, schließlich kann die Sanierungsstrategie erst festgelegt werden, wenn der Schutt komplett entfernt worden ist und die freigelegten Räume unter bauphysikalischen und feuchteschutztechnischen Gesichtspunkten eingehend unter die Lupe genommen werden können, betont Hagner.

Die Gemeinde hofft bei der Finanzierung der Maßnahme auf Unterstützung seitens der Denkmalförderung. Ein entsprechender Antrag bei der Bezirksregierung Köln wurde bereits gestellt. Auch das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland wurde sofort in die Planung der Maßnahmen mit einbezogen.

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