Anrainer vom Tagebau Hambach wollen gemeinsame Strategie entwickeln

Tagebau Hambach : Anrainerkommunen wollen gemeinsame Strategie entwickeln

Das Rufen der Bürgermeister wurde schnell erhört: Die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) plant einen Bürgermeisterbeirat für die vom Strukturwandel besonders betroffenen Anrainerkommunen von Tagebauen und Kraftwerken.

Darüber hinaus soll es Runden mit Planern und Wirtschaftsförderern aus den Städten und Gemeinden geben, um die Projekte besser zu koordinieren. Dies sagte der ZRR-Geschäftsführer Ralph Sterck am Mittwoch im Rahmen der Bürgermeisterrunde in Niederzier.

Dort waren nicht alle Verwaltungschefs der insgesamt 19 Anrainer vertreten, sondern die Vertreter der Kommunen unmittelbar am Tagebau Hambach. Als dieser Zusammenschluss sich am 30. Mai 2016 gründete, war man noch vom Aus des Tagebaus in den 40er Jahren dieses Jahrhunderts ausgegangen. Inzwischen soll spätestens im Jahr 2038 die letzte Tonne Braunkohle im Rheinischen Revier zur Stromgewinnung verfeuert werden, wahrscheinlich kommt das Ende früher. Die Zeit drängt also, was in dieser Woche auch im Rathaus Niederzier zu spüren ist: Dort findet nämlich die Werkstattwoche des Verbunds am Tagebau Hambach statt, um unter der Moderation der Stadt- und Regionalplanerin Professor Dr. Ursula Stein sowie weiterer Planer und Landschaftsgestalter erste Strategien festzulegen.

„Wir schaffen Perspektiven für mehrere Generationen und beantworten Fragen, wie sich eine ästhetische Energielandschaft entwickeln kann“, sagt Ursula Stein. Ein wenig blicken alle Planer derzeit in eine Glaskugel, denn die Technologieentwicklung ist rasant. Sie beschreibt dies mit der Entwicklung des Smartphones: „Für dieses kleine Gerät hätte man vor 20 Jahren einen ganzen Raum mit Computer füllen müssen.“

Treffen sich zur Werkstattwoche in Niederzier: Vertreter der Verwaltungen betroffener Kommunen und beteiligter Institutionen. Foto: Patrick Nowicki

Dass die Entwicklung von Technologien dank der Nähe zum Forschungszentrum Jülich Perspektiven öffnet, ist in der Runde der Hambach-Anrainer unbestritten. „Wir müssen allerdings auch in Asphalt, Beton und Steine investieren und die erforderliche Infrastruktur schaffen“, betont Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs. Immer wieder fallen die Worte „Arbeitsplätze“, „lebenswertes Wohnumfeld“ und „Ersatz der wegfallenden Wertschöpfung“. „Menschen benötigen Bilder“, sagt Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser.

Daran wird bei allen Unterschieden zwischen den Kommunen Titz, Niederzier, Jülich, Elsdorf, Kerpen und Merzenich gemeinsam gearbeitet. Zum Team gehört auch die RWE Power AG als größter Grundstückseigentümer, die Zukunftsagentur Rheinisches Revier, der Verein Region Köln-Bonn und die Entwicklungsgesellschaft Indeland.

Nicht alle wichtigen Hebel haben die Bürgermeister und Kommunen selbst in der Hand: Bisher ist das Gesetz, dass die Fördermittel aus Berlin garantiert, noch nicht vom Bund beschlossen. Auch die Planungsverfahren wurden noch nicht angepasst und sind nach wie vor sehr langwierig und umfangreich. Ralph Sterck konnte jedoch ein paar Sorgen nehmen: „In der Landesregierung prüft man aktuell, ob das Land nicht vor der Förderung im Rahmen des Regelprogramms des Bundes helfen kann.“

Das sind gute Nachrichten für Projekte wie dem Brainergy-Park, die in den Startlöchern stehen und nicht noch zahlreiche Planverfahren durchlaufen müssen.

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