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3,8 Millionen Euro Förderung vom Bund: Nideggens Altstadt ist ein „nationales Projekt“

3,8 Millionen Euro Förderung vom Bund : Nideggens Altstadt ist ein „nationales Projekt“

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Die Stadt Nideggen erhält zur Sanierung und Modernisierung ihres denkmalgeschützten historischen Kerns 3,8 Millionen Euro Bundesförderung als „Nationales Projekt des Städtebaus“. Im Rathaus war die Freude riesig, denn was nun passiert, haben nur wenige für realistisch gehalten.

Beim ersten Versuch vor einem Jahr war die Nideggener Wunschliste noch deutlich größer und hätte im Maximalfall eine Fördersumme von gut 14 Millionen Euro einbringen sollen. Das hätte den bundesweiten Förderrahmen wohl gesprengt und wurde von der Jury abgelehnt. Der zweite und bescheidenere Anlauf war nun erfolgreich. „Es hat sich gelohnt, nicht aufzugeben und viele wertvolle Hinweise bei einem zweiten Versuch zu beachten. So eine Entwicklungsmöglichkeit wie jetzt hat es in Nideggen lange nicht gegeben, unsere Freude ist riesengroß“, sagte Bürgermeister Marco Schmunkamp (parteilos) im Gespräch mit der Redaktion, als er die Nachricht am Mittwoch erhalten hatte.

Der Verwaltungsleiter hatte sich durchaus auch Kritik anhören müssen, als er den Plan vorstellte, sich um die Bundesfördergelder zu bewerben. Es sei mehr als fraglich und realitätsfern, dass Nideggen von externer Seite eine „nationale Bedeutung“ zugesprochen werde, unkten Kritiker in der Politik. Aber genau das ist jetzt passiert.

Was aber wird nun genau gefördert? Es ist ein Maßnahmenpaket innerhalb der Nideggener Stadttore, das von 2022 bis 2024 umgesetzt werden soll. Ein wesentlicher Punkt ist die Sanierung der historischen Stadtmauer, die an manchen Stellen dringend ausgebessert werden muss.

3,8 Millionen Euro Förderung vom Bund: Nideggens Altstadt ist ein „nationales Projekt“
Foto: grafik

In Kooperation mit den Experten des Landschaftsverbands Rheinland hat die Stadtverwaltung diese Bereiche gegenüber dem Erstantrag eingegrenzt. In einem Ampelsystem (siehe Grafik) wurden die Stellen identifiziert, deren Instandsetzung keinen Aufschub duldet. Marco Schmunkamp: „Und das soll jetzt minimalinvasiv geschehen, um die Stadtmauer als Lebensraum für Tiere und Pflanzen nicht zu zerstören.“ Dafür wird ein Teil des Geldes verwendet, das die Stadt aufgrund ihrer Verkehrssicherungspflicht ansonsten möglicherweise allein hätte aufbringen müssen. Jetzt gibt es einen 90-prozentigen Bundeszuschuss. Das gilt für alle Maßnahmen: Zehn Prozent, also rund 400.000 Euro, muss die Kommune selbst beisteuern, 3,8 Millionen Euro kommen vom Bund.

Eine barrierearme Innenstadt war ein weiteres Ziel, das nun in abgespeckter Form die Förderzusage erhielt. Beim Erstantrag hatte die Verwaltung alle innerstädtischen Pflasterflächen erfasst, fast 12.000 Quadratmeter. Nun soll sich der barrierearme Umbau auf eine deutlich kleinere Fläche beschränken – nämlich die drei Hauptachsen, die zum Markt führen: Graf-Gerhard-Straße, Bahnhofstraße (ab Brandenberger Tor) und Zülpicher Straße (ab Zülpicher Tor). „Die Restaurants und Geschäfte sollen einen barrierefreien Zugang erhalten, das gibt es nämlich noch nicht“, erklärt der Bürgermeister. Daneben ist ein Planungswettbewerb unter Einbeziehung der Bürger und Anwohner vorgesehen, der das Ziel hat, den Marktplatz so umzugestalten, das er weitgehend autofrei bleibt (von Zulieferern und Burganliegern abgesehen). Marco Schmunkamp: „Die Bürger und natürlich unsere Kommunalpolitiker entscheiden mit.“ Wie die Mitwirkung genau aussehen soll, steht noch nicht fest.

Nach der Juryentscheidung „Nationale Projekte des Städtebaus“ ist klar, dass Nideggen den beantragten Förderrahmen erhält. Die einzelnen Projekte können nun geplant und vorbereitet werden. Der Bürgermeister: „Wir haben jetzt ein paar Monate Zeit, um die Einzelschritte vorzubereiten und die Planungen einzureichen.“

Die Fördersumme sieht auch einen Betrag von rund 70.000 Euro vor, um die Machbarkeit eines „Entdeckerstegs“ durch die Baumwipfel zur Jugendherberge im Rahmen einer Studie zu prüfen. „Das hätten wir allein nie finanzieren können“, sagt Schmunkamp, denn noch vor wenigen Monaten gehörte Nideggen zu den Stärkungspaktkommunen mit beschränktem finanziellen Handlungsspielraum. Die Bundeszuschüsse erlauben es auch, den Alveradispark in anderer Form und ebenfalls barrierearm erlebbar zu machen. Dazu soll es einen offenen Ideenwettbewerb geben.

Kurzum: Nideggen als eine der touristischen Hochburgen im Kreis steht vor sichtbaren Veränderungen, die zu Zeiten eines „Sparkommissars“ kaum vorstellbar gewesen wären.

Die frohe Kunde überbrachten am Mittwoch die beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Rachel (CDU) und Dietmar Nietan (SPD), die laut Marco Schmunkamp aktive Fürsprecher bei der Jury und Ratgeber der Stadt gewesen seien. Aber auch der Kreis, der Landschaftsverband und Umweltorganisationen hätten die Stadt enorm unterstützt.