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Nideggener Bürgerinitiative erzielt Teilerfolge: Zum Baugebiet am Lebensraum der Feldlerche gibt es kein Nein

Nideggener Bürgerinitiative erzielt Teilerfolge : Zum Baugebiet am Lebensraum der Feldlerche gibt es kein Nein

In Nideggen regt sich Widerstand gegen eine Baulandentwicklung am „Berger Acker“. Der Plan an sich, aber auch das Vorgehen der Kommunalpolitik machte viele Anwohner in Stadtrand-Lage argwöhnisch.

In Nideggen regt sich Widerstand gegen eine Baulandentwicklung am „Berger Acker“. Die Kommunalpolitik hatte kurz vor dem Jahresende beschlossen, die Baulandentwicklung auf einer Fläche von etwa vier Hektar zu starten – und zwar im Wege des damals noch möglichen „beschleunigten Verfahrens“, das der Paragraph 13b des Baugesetzbuches zu dieser Zeit noch einräumte. Der Plan an sich, aber auch genau dieser temporeiche Weg machte viele Anwohner in Stadtrand-Lage argwöhnisch.

Die Anwohner sagen Nein zum möglichen Bebauungsplan N20, was auch ihr Name verdeutlicht: „NoN20“. Mit ihrem Bürgerantrag, die Einleitung der Planung aufzuheben, sind sie am Dienstagabend zwar gescheitert, Teilerfolge haben sie aber errungen.

Vor allem die Befürchtungen zur Verkehrsbelastung der rund zwei Dutzend Anwohnerfamilien wurden sowohl vom Ausschuss für Bauen, Planung, Denkmal und Umwelt als auch Bürgermeister Marco Schmunkamp (parteilos) für die Verwaltung nicht nur gehört, sondern geteilt.

Christof Schernus hatte für die Initiative davor gewarnt, dass die sogenannte „Lidl-Autobahn“, ein Schleichweg, durch bestehende Pläne legalisiert und ausgebaut werden könnte, aber auch der im Regionalplanentwurf noch vorgesehene Bau einer Umgehungsstraße L249n letztlich sogar zu einem „Eifel-Highway“ für Autos und Motorräder führen könnte – mit allen damit verbundenen Gefahren und Belästigungen für den gesamten Siedlungsbereich im Osten beziehungsweise Nordosten Nideggens.

Verwaltungschef Schmunkamp erklärte den zahlreichen Zuhörern in der Mehrzweckhalle des Schulzentrums, dass diese Umgehungsstraße keinesfalls eine „Idee“ oder ein Plan der Stadtverwaltung sei, sondern von der Landesplanung früherer Jahrzehnte stamme und jetzt noch Erwähnung im Regionalplanentwurf gefunden habe. Dieser Plan sei aber noch nicht beschlossen.

Auf Antrag von Eduard Müllejans (SPD) setzte der Ausschuss ein Zeichen. Er empfahl einstimmig, dass die Stadt dem Regionalrat mitteilt, dass sie den Bau einer solchen Umgehungsstraße ablehnt. Das muss der Stadtrat am kommenden Dienstag noch bestätigen.

Auch bei der „Lidl-Autobahn“ will die Stadt handeln und illegale Verkehrsströme abstellen, sagte Marco Schmunkamp. Die Verwaltung prüfe derzeit geeignete Maßnahmen wie Poller, müsse das aber mit dem Straßenverkehrsamt des Kreises Düren diskutieren. Ein Ausbau sei keinesfalls vorgesehen.

Insofern hat sich das Engagement der Bürgerinitiative mit Blick auf befürchtete Verkehrs- und Lärmbelästigungen schon ausgezahlt.

Das Bemühen der BI, das Entwickeln von weiterem Bauland am „Berger Acker“ zu verhindern, war dagegen bislang nicht erfolgreich. Der Ausschuss votierte mit 6:3 Stimmen – die Nein-Stimmen kamen von „Menschen für Nideggen“ und Grünen – dagegen, den im Dezember gefassten Beschluss aufzuheben. BI-Sprecher Christof Schernus erklärte: „Als vor mehr als 20 Jahren unser Baugebiet erschlossen wurde, lag südlich von uns Wasserschutzgebiet. Es wurde uns zugesichert, dass auf diesem Acker niemals mehr gebaut würde.“

Das sehe jetzt anders aus. Im Falle einer weiteren Bebauung würden nicht nur die wunderbare Aussicht und die ruhige Lage, sondern auch die Feldmark mit selten gewordenen Arten wie der Feldlerche Schaden nehmen. Auch vor diesem Hintergrund kritisiert die BI den gewählten Weg eines „beschleunigten Verfahrens", der zum Beispiel eine ausführliche Umweltprüfung nicht zwingend vorsieht. Bürgermeister Schmunkamp hatte der Initiative schon im Vorfeld der Sitzung zugesichert, dass es eine Umweltprüfung doch geben werde und insgesamt mehr als 70 Träger Öffentlicher Belange, wie es im Fachjargon heißt, einbezogen würden. Am Ende falle aber bei der Abwägung die Entscheidung im Ausschuss.

Eine weitere Befürchtung der BI besteht angesichts möglicher Grundstücksgrößen von 800 bis 1000 Quadratmeter in einer mehrgeschossigen Bebauung. Schernus: „So etwas wollen wir auf keinen Fall.“

CDU-Fraktionschef Markus Fischer sagte zu den BI-Vertretern: „Wir wollen Ihnen nichts vor die Nase setzen. Wir wollen prüfen, ob etwas möglich ist – und wenn ja: was. Und wenn, wird das alles mit Ihnen gemeinsam entwickelt.“

Insofern hat die Initiative nun das Wort der Verwaltung und der Politik, eng in den Prozess einbezogen zu werden und wird sich darauf berufen können. Die Berücksichtigung von Anlieger-Anregungen im Abwägungsprozess über das Gebiet N20 wurde sogar beschlossen – sie ist im Verfahren aber ohnehin obligatorisch.