Sommertour unserer Zeitung durch den Wildpark in Schmidt

Sommertour in den Wildpark : Mit Mäusebussard-Dame Maria unterwegs

Elegant startet Maria vom Dach des Wintergartens, gleitet durch die Luft und landet vorsichtig auf der Hand von Jannis, der in dem schweren Lederhandschuh ein Stückchen Hühnerfleisch versteckt hat. „Ist das cool“, sagte Jannis, als er Maria endlich auf dem Arm hält. „Aber auch ganz schön schwer.“

Jannis ist vier Jahre alt und einer der Teilnehmer unserer fünften Ferien-Sommertour, die diesmal in den Wildpark nach Schmidt ging. Maria ist eine zweijährige Mäusebussard-Dame, die die Kinder sowie Falkner und Wildpark-Chef Axel Scheidtweiler (34) bei ihrer Runde durch den Wildpark begleitet hat.

Scheidtweiler, der den Wildpark mit seiner Frau Katja in der dritten Generation führt, ist ausgebildeter Falkner und möchte demnächst neben Maria noch weitere Greifvögel in seinem Park betreuen – unter anderem einen Uhu und einen Rotmilan. „Maria“, erzählt der Falkner, wiegt 1,2 Kilogramm, also etwas mehr als eine Milchtüte. Ihre Flügel haben eine Spannbreite von rund 1,20 Metern. Scheidtweiler erklärt den Kindern, dass Maria zu den Grifftötern gehört. „Das heißt, dass sie ihre Beute mit den Krallen erlegt. Deswegen sind die auch recht scharf.

Andere Greifvögel sind dagegen Bisstäter, sie töten mit dem Schnabel.“ Maria ist in der Greifvogelstation Hellenthal geboren und hat die ersten sechs Monate mit ihren Eltern gelebt, bevor sie zu Axel Scheidtweiler nach Schmidt gekommen ist. „Das ist wichtig“, betont der 34-Jährige, „weil der Vogel sonst vollkommen auf den Mensch fixiert wäre.“

Eva füttert die Ziegen im Wildpark Schmidt. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Der Familienvater hat sich für einen Mäusebussard als seinen ersten Greifvogel entschieden, weil Mäusebussarde sehr wissbegierige Tiere seien. Scheidtweiler: „Der Mäusebussard, der übrigens in Gefangenschaft um die 30 Jahre alt wird, kann sich Dinge sehr gut merken. Er behält, was er einmal gelernt hat. Man darf ihm nur nichts Falsches beibringen. Das merkt er sich nämlich auch.“

Die jungen Teilnehmer unserer Sommertour genießen den Rundgang mit Maria sehr, finden aber auch die anderen Tiere im Wildpark spannend. Laufenten, Gänse, Hühner, Rot-, Damm- und Schwarzwild, Kaninchen, Esel und Ziegen leben in dem Park, mit manchen Vierbeinern gehen die Jungen und Mädchen sogar direkt auf Tuchfühlung. Im noch recht neuen Kontaktgehege warten Dammhirsch „Hansi und seine Schnuckis“ auf die Kinder gewartet und auch die Ziegen Emma, Greta, Karli und Carlson freuen sich über den Besuch von Jannis und den anderen Kindern – vor allem, weil die Jungen und Mädchen eine kleine Papiertüte voller Futter dabei haben. „Die haben aber ein weiches Fell“, sagt die achtjährige Eva. „Das fühlt sich schön an. Aber manche Tiere sind auch ganz schön frech. Die wollen nur ans Futter.“

Interessantes zu entdecken gibt es für die Kinder auch am Rotwildgehege, wo im Augenblick drei große Hirsche mit prächtigen Geweihen, zwölf Hirschkühe und 15 Kälber leben. „Das Rotwild“, erklärt Scheidweiler. „ist die größte Hischart, die es in unseren Wäldern gibt.“

Mitten in der Feistzeit

Im Augenblick befinden sich die Hirsche in der sogenannten Feistzeit, mit der sie sich auf die Brunft vorbereiten, die im September beginnt. Axel Scheidtweiler: „In der Feistzeit fressen die Hirsche sich zehn bis 15 Kilogramm zusätzliches Gewicht an, um für die rund vier Wochen Brunft wirklich fit zu sein.“ Dann verzichteten die Hirsche nämlich sowohl auf Schlaf als auch auf die Nahrungsaufnahme. „Unsere drei Hirsche kämpfen um alle zwölf Kühe“, ergänzt Scheidweiler. „Deswegen bleiben sie die ganze Zeit wach. Sie müssen schließlich ihre Widersacher oder Konkurrenten in Schachhalten.“

Am Ende der Tour stand dann aber wieder Maria im Mittelpunkt. Auf dem Arm Leona (11) aus Düren wird sie zurück in ihre große Voliere gebracht. „Das war toll“, strahlt das Mädchen. „Ich mag Maria.“

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