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Schreibwerkstatt im Dürener Südkreis: Schüler reisen mit viel Fantasie durch halb Europa

Schreibwerkstatt im Dürener Südkreis : Schüler reisen mit viel Fantasie durch halb Europa

28 Schülerinnen und Schüler schicken fiktive Charaktere auf einen Road-Trip nach Lappland. An dessen Ende steht ein 160-seitiges Buch, das sie nun stolz in den Händen halten.

Ein Roadtrip durch halb Europa, gesponsert von der Europäischen Kommission, bleibt in der Realität nur wenigen jungen Menschen vorbehalten. Acht von mehr als 2000 pro Jahr, um genau zu sein.

Doch mit ihren Gedanken können sich weitaus mehr junge Menschen auf die ungewöhnliche Reise begeben – an der Sekundarschule Kreuzau/Nideggen ist aus diesem fiktiven Roadtrip nun ein 160 Seiten starkes Buch geworden: 28 Schülerinnen und Schüler haben wie schon andere Schüler aus der Region beim Projekt „Schreibwerkstatt“ der Lit.Eifel mitgemacht. Sie haben recherchiert und geschrieben, sie haben illustriert und gemeinsam Ideen entwickelt. Und jetzt – fünf Monate nach dem dreitägigen Schulprojekt, das jahrgangs- und standortübergreifend aufgebaut war – halten sie stolz das gedruckte Werk in den Händen.

„Schule ist mehr als Noten, Klassenarbeiten und Zeugnisse“, sagt Schulleiterin Marion Ahaus. Auch wenn diese natürlich wichtig seien, lebe Schule doch auch von besonderen Projekten. Und auch die Jugendlichen werten die Schreibwerkstatt als bereichernde Erfahrung. „Das war eine ganz besondere Atmosphäre und es hat viel Spaß gemacht, die Geschichten zu entwickeln“, sagt Marie Emonds (14). Saskia Franzen (14) ergänzt: „Schreiben ist mein großes Hobby, es war toll, das in der Schule in so einem Projekt einmal machen zu können. Und es war witzig, neue Leute kennenzulernen.“ Kai Trösch unterdessen war mit für die Illustrationen verantwortlich: „Die Autoren haben uns gesagt, was sie für Bilder brauchen können, dann haben wir losgelegt. Das hat Freude gemacht.“

Im Team entwickeln

Sophie Hageler (15) vom Kreuzauer Standort fand es vor allem interessant, die Geschichte im Team zu entwickeln, andere Meinungen zu hören sowie andere Schülerinnen und Schüler kennenzulernen, zu denen vorher gar kein Kontakt bestand. Johanna Weyermann (14) erinnert sich noch an die Anspannung, die damit verbunden war, in drei Tagen ein Buch zu schreiben: „Das ist aufregend gewesen und es ist schön, das Buch jetzt so fertig zu sehen.“

 Die Schülerinnen und Schüler der Schreibwerkstatt mit Schulleiterin Marion Ahaus (vorne) und der Projektleiterin Claudia Hoffmann sowie dem Projektleiter Jan Hillen.
Die Schülerinnen und Schüler der Schreibwerkstatt mit Schulleiterin Marion Ahaus (vorne) und der Projektleiterin Claudia Hoffmann sowie dem Projektleiter Jan Hillen. Foto: MHA/Sarah Maria Berners

Vorgegeben ist in dem Projekt, das von der Journalistin Claudia Hoffmann und dem Illustrator Jan Hillen begleitet wurde, nur eine Rahmenhandlung: Die Protagonisten der Geschichte sind Sieger eines Wettbewerbes und dürfen sich auf einen Road-Trip von Berlin nach Lappland zur Heimat des Weihnachtsmannes machen, unterwegs müssen sie ein Kulturerbe ansteuern und mit einem Vorurteil aufräumen. Jeder Autor, jede Autorin startet für sich, erschafft Kraft seiner Gedanken eine Figur am Morgen der Abreise. Ab Berlin geht es dann mit Zweier-Teams weiter, die Charaktere lernen sich kennen, geschrieben wird ab dann zu zweit, später sogar zu viert.

Die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule haben vollkommen unterschiedliche Charaktere und spannende Personenkonstellationen auf die Reise geschickt sowie ganz verschiedene familiäre Szenarien und zwischenmenschliche Beziehungen eröffnet. Sie haben Geschichten geschrieben, die nachdenklich stimmen, zum Schmunzeln anregen, tragische Wendungen nehmen oder romantische Wünsche offenbaren. Und weil Geschichten nur gelesen werden, wenn sie logisch sind, spielte auch die Recherche etwa zu möglichen Reiserouten, Unterkünften und Sehenswürdigkeiten bis hin zur dänischen Sprache und einem digitalen Blick in Speisekarten vor Ort eine wichtige Rolle.

Das Projekt der Lit.Eifel soll an der Sekundarschule in eine zweite Runde gehen – und weitere Schulen in der Region haben schon Interesse bekundet.