Ball im Zeichen von Rock 'n' Roll: Randale und viel Humor seit 50 Jahren

Ball im Zeichen von Rock 'n' Roll : Randale und viel Humor seit 50 Jahren

Rund 500 Besucher haben im Schützenhof in Schmidt ein bemerkenswertes Jubiläum gefeiert: den 40. Randaleball. Am 8. September 1979 hatten einige Aktive aus den Reihen der Pfarrjugend zum ersten Mal dazu eingeladen.

Der unorthodoxe Name sollte klarmachen, dass sie von der damals gängigen Discomusik nun gar nichts hielten, sondern eher Rock ’n’ Roll und Heavy Metall anhingen. Gefeiert wurde im heute längst geschlossenen Saal Stollenwerk. Einige der Organisatoren waren damals gerade 15 oder 16 Jahre alt und brauchten deshalb für die Verträge zur Veranstaltung noch die Unterschriften ihrer Eltern.

Zu den Urgesteinen aus dieser Zeit gehören Manfred Lennartz, der 1980 zur Truppe stieß, und Guido Oekerath, der von Anfang an dabei war. Er trägt noch heute den Button, der zur Premiere gebastelt wurde. An der Strahlerfläche eines Fahrrad-Katzenauges wurde per Sekundenkleber eine Sicherheitsnadel befestigt und auf der Vorderseite umrahmt der Schriftzug „Randaleball Schmidt“ eine Grafik, die von einem Plattencover der Band Jethro Tull entliehen war. Dieses Bild ist bis heute das Logo der Veranstaltung.

Ein Markenzeichen des Balls war seit jeher eine gewisse Respektlosigkeit, die mitunter auch in recht derben Späßen endete. So wurde einmal „das schönste Mädchen des Balls“ gewählt. Zur Ehrung verband man ihr die Augen und hängte ihr eine Siegerkette um, für die ein Metzger auf einem Band lauter Innereien aus Schlachtungen aufgereiht hatte. Oder man baute auf der Bühne eine Konstruktion auf, die als „erster Schmidter Teilchenbeschleuniger“ angekündigt wurde.

Der entpuppte sich dann als Schleuder, mit der Teilchen aus der Bäckerei ins Publikum geschossen wurden. Mächtigen Spaß hatten Organisatoren und Zuschauer drei Jahre lang auch an den „Brasselzügen“. Dabei ging es darum, beim Umzug durch den Ort so viel Lärm wie möglich zu produzieren. Dazu wurden unter anderem PS-starke Autos auf Anhänger gestellt, die man dann im Leerlauf auf 7000 Touren brachte. Dieser ohrenbetäubende Sound brachte einmal die Polizei dazu, die zugesagte Zugbegleitung zu verweigern, woraufhin die Feuerwehr einsprang.

In der Zeit vor Youtube waren eine Zeit lang auch nachgespielte Musik-Videos beliebt. Als in diesem Zuge auch einmal der örtliche Pastor veräppelt wurde, kühlte das Verhältnis zur Kirchengemeinde merklich ab. Die Folge war die Gründung der unabhängigen „IG Jugend Schmidt“, die seitdem längst mehr als nur den Ball organisiert. Inzwischen fast bekannter ist das Tollrock-Festival, bei dem regelmäßig vor tausenden Zuschauern zahlreiche renommierte Bands auftreten.

Neben den Musikevents veranstaltet die IG aber auch Ferienspiele, Seniorenfahrten, einen Umwelttag und im Winter den Glühweinnachmittag. Herzstück des Vereinslebens ist aber nach wie vor der Randaleball. Zur Jubiläumsveranstaltung kamen am Wochenende wieder rund 500 Besucher. Das Besondere dabei ist, dass darunter sowohl 14-Jährige waren, die um 22 Uhr den Saal wieder verließen, als auch die Veteranen aus der Gründerzeit.

(kel)
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