Nideggen: Weihnachten auf dem Campingplatz

Wohnen im Bungalow : Die Hoevelers und ihre Ruhe auf Platz 139

Ihr Glück haben Anne und Harald Hoeveler aus Eschweiler nicht nur miteinander gefunden, sondern auch auf dem Campingplatz. In Nideggen leben sie seit zehn Jahren direkt an der Rur. Das hat auch mit der Gesundheit der 71- und 74-Jährigen zu tun.

Hätte die Burg Nideggen Augen, dann würde sie sehen, dass Platz 139 auf dem Campingplatz unter ihr zur Weihnachtszeit mit am hellsten leuchtet. Vor allem mit den zwei großen Sternen an der hüfthohen Hecke, hinter ihr steht der dekorierte Bungalow von Anne und Harald Hoeveler. Er ist in diesen Stunden einer von rund 100, in denen Lichter brennen, in denen Weihnachten gefeiert wird. Er ist aber nur einer von knapp 25, in denen das ganze Jahr über jemand auf das Klopfen an der Tür reagiert. Anne und Harald Hoeveler, 71 und 74 Jahre alt, wohnen seit zehn Jahren auf Platz 139 auf dem Campingplatz Hetzingen direkt an der Rur.

Zu den Festtagen machen Wünsche für eine ruhige, stressfreie Zeit mit den Liebsten die Runde, Gesundheit gehört in der Regel auch dazu, gerade dann, wenn es um die nicht immer so gut bestellt war. Wenn Anne und Harald Hoeveler aus ihrem Leben erzählen, dann merkt man schnell, dass sich diese Wünsche für sie auf Platz 139 erfüllen. „Wir zwei reichen uns alleine“ ist so ein Satz von Harald Hoeveler, der das schön belegt. Seit 56 Jahren sind die Hoevelers ein Paar, Anne Hoeveler hatte vorher keinen anderen Freund. Und gegen die erste Vermutung ihrer Mutter stellte sie auch nie einen zweiten vor – die Ehe hält seit 1965.

In den jüngsten Dekaden ihres gemeinsamen Lebens war die Gesundheit bei beiden immer wieder ein Thema. Platz 139 ist ein wichtiger Grund, warum das heute nicht mehr so oft der Fall ist. „Wir haben hier immer frische Luft, es geht uns viel besser als in der Stadt“, sagt Harald Hoeveler. Und seiner Frau hilft es ungemein, dass ihr gut 44 Quadratmeter großer Bungalow mit seinen vier Räumen plus Badezimmer keine Treppen hat.

Harald Hoeveler feiert Weihnachten mit seiner Frau Anne auf dem Campingplatz Hetzingen, dort wohnen sie. Foto: ZVA/Carsten Rose

Früher haben die Hoevelers in Eschweiler-Röhe gewohnt, nur mit einem Wirtschaftsweg von der A 4 getrennt. Die Ruhe, für die im Alltag quasi nur eine Autobahnvollsperrung gesorgt hätte, haben der ehemalige Maler und Lackierer und die gelernte Näherin nur mit dem Campingwagen gefunden. Sie hatten unter anderem zehn Jahre einen Stellplatz in Belgien, bis sie ihren Wohnwagen das erste Mal vor 16 Jahren in Nideggen parkten. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns vorstellen könnten, hier einen Stellplatz zu kaufen“, erzählt Anne Hoeveler. Zuerst nur für die Wochenenden, dann saisonweise. Miete haben die Hoevelers weiter in Eschweiler für eine 68-Quadratmeter-Wohnung gezahlt. Irgendwann war Anne Hoeveler nur alle 14 Tage dort, um diese zu putzen, und weil sie auf dem Plan für den Treppendienst stand. „Mein Sohn hat dann gesagt: ,Warum macht ihr das? Zieht doch komplett auf den Campingplatz. Ich sehe doch auch, dass es Papa da viel besser geht’“, erzählt die 71-Jährige.

Während sie und ihr Mann noch erste Zweifel hatten („Wir hatten zu viel Zeug“), war die Entscheidung des Sohnes schnell gefallen. Er war es auch, der angepackt hat, um auf Platz 139 aus einem anfänglichen Wohnwagen mit Vorzelt einen Bungalow zu erschaffen. Die Eingangstür führt ins Esszimmer, in der eine große L-förmige Einbauküche steht, die die Hoevelers erst kurz vor dem Umzug für die Wohnung in Eschweiler gekauft hatten. In dem kleinen Wohnzimmer mit Couch, Sessel und Weihnachtsbaum ist in der Ecke auch ein dreistöckiges weihnachtliches Winterdorf aufgebaut. Anne Hoeveler liebt das Dekorieren. In der alten Wohnung hatte sie ein „antikes Esszimmer“, das sie sich über Jahre zusammengestellt hatte. Sie musste es aufgeben. Aber: „Ich habe es noch nicht vermisst. Und generell fehlt es uns hier an nichts, wir haben auch einen kleinen, festen Freundeskreis. Wir haben den Umzug nie bereut“, betont sie, vor allen Dingen wegen der Ruhe – die halbstündig vorbeikommende Rurtalbahn (die Schienen verlaufen über den Campingplatz) würden sie nicht mehr wahrnehmen.

Die Hoevelers haben auch noch eine Tochter und neun Enkelkinder, davon sechs Enkeltöchter. Ein paar kommen jedes Jahr an Weihnachten zu Besuch. Mit Humor nehmen es die Hoevelers, dass der Freund einer Enkeltochter vegan lebt, also ohne Tierprodukte. „Das gab es früher nicht“, sagen sie süffisant, und es hat Anne Hoeveler vor kleinere Probleme gestellt – denn sie kocht gerne gutbürgerlich mit Fleisch und Sahne, wie sie es von ihrer Mutter kennt. Nun, der Besuch wird nicht verhungern, dafür trägt Anne Hoeveler Sorge, die Zeit mit den Liebsten soll ja stressfrei bleiben.

Die liebevoll und detailreiche Winterlandschaft hat drei Ebenen und ist im Wohnzimmer aufgebaut. Foto: ZVA/Carsten Rose
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