Düren: Nicht nur potenzielle Azubis, sondern auch Firmen müssen überzeugen

Düren : Nicht nur potenzielle Azubis, sondern auch Firmen müssen überzeugen

„Um Auszubildende für sich zu gewinnen, müssen Firmen neue Wege gehen“, sagt Gisbert Kurlfinke von der Industrie- und Handelskammer. Es gebe nunmal weniger Schüler und davon würden sich immer mehr für das Abi und ein Studium entscheiden. „Das geht zulasten der dualen Ausbildung“, weiß Kurlfinke.

Während die Suche nach Azubis für kaufmännische Berufe noch recht einfach sei, habe es der gewerblich-technische Bereich doch ziemlich schwer. Auf Bewerbungen warten und zu Gesprächen einladen reiche oft nicht mehr aus. Firmen müssten aktiv auf Auszubildende zugehen, über das informieren, was sie hinter den Werkstoren machen. Jugendliche auch mal probeweise mit anpacken lassen. Sonst sinke die Wahrscheinlichkeit, dass auch diejenigen kommen, die gebraucht werden.

Wollen Jugendliche überzeugen: Tanja Enge, Yvonne Lichtenfeld und Elaine Pickart (v.l.). Foto: Sarah Maria Berners

Das hat auch Elaine Pickart von der Firma Sihl festgestellt. „Unter den Bewerbern sind immer weniger, die sich auch wirklich eignen.“ Dabei gehe es nicht allein um die schulische Qualifikation. Auch Sozialverhalten und Engagement würden nicht selten zu wünschen übrig lassen. „In Gesprächen sitzen manchmal Bewerber, die sich noch nicht einmal über die Firma informiert haben.“

Um motivierte und engagierte Auszubildende für die Papierindustrie zu gewinnen, haben sich drei Dürener Firmen und die Arbeitsagentur zu einem Pilotprojekt zusammengeschlossen. Die drei Firmen, die vorher kaum Berührungspunkte hatten, haben potenzielle Auszubildende gebündelt zu Firmenbesichtigungen eingeladen. Mit dem Bus ging es von der Kreuzauer Festhalle in die Betriebe. „Wir glauben, dass wir mit so einer Aktion junge Leute für die Berufe in der Papierindustrie gewinnen können, die sie vorher gar nicht auf dem Schirm hatten“, begründet Alexander Stern, Geschäftsführer von Schoellershammer, den eingeschlagenen Weg.

„Die klassischen Wege, Bewerber zu gewinnen, funktionieren immer weniger“, weiß Beatrix Savelsberg von der Arbeitsagentur. Unternehmen müssten neue, kreative Wege gehen, um Auszubildende zu finden. Für die Arbeitsagentur seien solche Aktionen darüber hinaus wichtig, um Jugendliche in Ausbildung zu vermitteln. „Die Jugendlichen können nach einer Betriebsbesichtigung besser beurteilen, ob ein Beruf etwas für sie sein könnte oder nicht.“

46 Jugendliche hatten sich bei der Firma „Multi Packaging Solutions“ angemeldet, 15 sind zum vereinbarten Termin gekommen, zu Schoellershammer kamen 27 von 44 angemeldeten Jugendlichen. „Das sind dann aber auch die Jugendlichen, die sich wirklich interessieren“, sagt Yvonne Lichtenfeld, Assistentin der Geschäftsleitung, die die Aktion als Erfolg wertet. „Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal versuchen, auch aus Aachen und Köln Jugendliche zu gewinnen“, wagt sie einen Blick in die Zukunft.

Die großen Maschinen und Informationen über die Betriebe sollten den Jugendlichen einen Einblick ermöglichen, ein realistisches Berufsbild vermitteln. Und über diesen Einblick in gewaltige Maschinen und große Zahlen sollten sie für die Berufe begeistert werden. Dabei geht es immer auch um das Image der Industrieberufe. „Berufe in der Industrie sind auf den ersten Blick nicht so attraktiv“, weiß Edgar Effertz, Leiter Administration bei der Firma Sihl. Dabei handele es sich in vielen Bereichen um anspruchsvolle Aufgaben. Allerdings gehöre auch Schichtdienst in vielen Industriebetrieben zum Berufsalltag.

Markus Schönknecht (17) stört das nicht. Er hat seine Bewerbung gleich abgegeben. „Ich habe mich vorher informiert und mir schon gedacht, dass mir der Beruf des Papiertechnologen gefallen könnte. Aber es ist auf jeden Fall sehr hilfreich, wenn man einen Blick in so ein Unternehmen werfen kann, ganz genau erfährt, wie der Berufsalltag aussieht und mit welchen Maschinen gearbeitet wird.“

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