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Urlaub in der Eifel: „Neun-Euro-Ticket bringt Boom für den Tagestourismus in der Rureifel“

Urlaub in der Eifel : „Neun-Euro-Ticket bringt Boom für den Tagestourismus in der Rureifel“

Die Saison in der Rureifel läuft gut. Aber es fehlt an Personal, so dass viele Betriebe zusätzliche Ruhetage einlegen oder ihre Öffnungszeiten reduzieren.

Über die Bedeutung des Tourismus in Nideggen, Hürtgenwald, Kreuzau und Heimbach sowie die Pläne einer gemeinsamen Vermarktung der nördlichen Eifel hat Sarah Maria Berners mit Rureifel-Geschäftsführer René Wißgott und Nideggens Bürgermeister Marco Schmunkamp (parteilos), Vorsitzender des Vereins, gesprochen.

Herr Wißgott, wie läuft die Tourismussaison 2022?

René Wißgott: Wir sind alle froh, dass wir in diesem Jahr zu Ostern überhaupt wieder normal in eine Saison starten konnten, und wir blicken auf eine gute Saison. Die Nachfrage ist nicht so hoch wie vor zwei Jahren nach dem ersten Lockdown bei eingeschränkten Reisemöglichkeiten, aber es ist auch kein großes Loch entstanden, jetzt wo Reisen wieder ganz normal möglich ist. Die Lust auf die Eifel ist da, es kommen die Gäste, die wirklich Lust auf Wandern und Fahrradfahren haben. Allerdings merken wir, dass die Leute eher spontan buchen, die aktuelle Lage und das Wetter beobachten. Vor der Pandemie wurde deutlich früher gebucht.

Wie sieht es beim Tagestourismus aus?

Wißgott: Einen Boom im Tagestourismus hat das Neun-Euro-Ticket gebracht, das ist wirklich ein Glückslos. Es kommen viele Menschen mit der Bahn bis Heimbach, die vorher viele Jahre nicht in der Region waren.

Herr Schmunkamp, welche Bedeutung hat der Tourismus für die Rureifel?

Marco Schmunkamp: Es ist in vielen Kommunen der Wirtschaftsfaktor Nummer 1. Allein in Nideggen beschäftigt der Tourismus derzeit rund 410 Vollzeitäquivalente, das sind, wenn auch der Niedriglohnbereich mitberücksichtigt wird, fast 1000 Köpfe allein in Nideggen, die ausschließlich oder als Zusatzverdienst vom und mit dem Tourismus ihren Lebensunterhalt bestreiten.

 Marco Schmunkamp ist parteiloser Bürgermeister der Stadt Nideggen und Vorsitzender des Vereins Rureifel-Tourismus.
Marco Schmunkamp ist parteiloser Bürgermeister der Stadt Nideggen und Vorsitzender des Vereins Rureifel-Tourismus. Foto: MHA/Volker Uerlings

An manchen Tagen wird es Einheimischen ein bisschen zu viel.

Schmunkamp: Es ist zu beachten, dass wir gerne mit dem Tourismus leben, diesen fördern und unterstützen, aber dabei die Lebensqualität unserer Einwohner und Einwohnerinnen nicht vergessen dürfen. Es gilt, den Tourismus sanft zu entwickeln und so Tourismus und Lebensqualität in Einklang zu bringen.

Wie steht es denn um die Personalsituation in den Tourismusbetrieben?

Wißgott: Das Personal fehlt. Es ist in der Pandemie abgewandert, auch Aushilfen fehlen. Viele haben offenbar Arbeitsplätze mit angenehmeren Arbeitszeiten gefunden. Es wird nicht leicht, diese Lücken wieder zu füllen. Viele Gastronomiebetriebe haben daher einen Ruhetag mehr eingelegt, verknappen die Öffnungszeiten. Übernachtungsbetriebe haben entschieden, ihr gastronomisches Angebot an bestimmten Tagen nur noch für Hausgäste anzubieten – und nicht mehr für alle zu öffnen, um die Arbeit personell stemmen zu können.

 René Wißgott ist Geschäftsführer des Vereins Rureifel-Tourismus, der die touristische Vermarktung der vier Rureifel-Kommunen im Kreis Düren übernimmt.
René Wißgott ist Geschäftsführer des Vereins Rureifel-Tourismus, der die touristische Vermarktung der vier Rureifel-Kommunen im Kreis Düren übernimmt. Foto: Rureifel Tourismus

Das touristische Angebot von vier Kommunen wird derzeit im Verein Rureifel-Tourismus gebündelt vermarktet. Welche Bedeutung hat dieser Verein?

Schmunkamp: Aus meiner Wahrnehmung eine oft unterschätzte, aber sehr große Bedeutung. Ohne diese weitsichtige Art der interkommunalen Zusammenarbeit wäre es den Kommunen nicht möglich gewesen, jede für sich diese Fachkompetenz in den Rathäusern in persona einzustellen, da die Stellenanteile dazu viel zu niedrig sind. Ohne diese gebündelte Sach- und Fachkompetenz, die wir im Verein durch das Zusammenführen unserer „Stellenanteile“ aus den Rathäusern nun vorfinden, würden wir den Anforderungen aus dem Tourismus nicht ansatzweise gerecht. Die Kommunen haben „ihre Aufgabe“ der Entwicklung, Lenkung und Steuerung des Wirtschaftsfaktors Tourismus in qualifizierte Hände unter Beibehaltung des Mitbestimmungsrechtes abgegeben.

Aktuell ist die Fusion des Rureifel-Tourismus-Vereins mit den Organisationen in Monschau und am Rursee in der Diskussion. Wie ist der Sachstand?

Wißgott: Innerhalb der Institutionen erarbeiten wir gerade mit externer Hilfe, welchen Weg wir gehen können. Es geht um einen Markennahmen, ein Marketingkonzept, um Strategien und Finanzierungsmodelle. Das ist gerade alles im Fluss. Aus touristischer Sicht ist dieser Schritt absolut sinnvoll. Die Entscheidung liegt aber bei den Kommunen, die das Thema nach der Sommerpause diskutieren werden.