Birkesdorf: Neuer Wohnraum im alten Rathaus

Birkesdorf: Neuer Wohnraum im alten Rathaus

Als im September 2017 in Birkesdorf die Tür zum alten Rathaus aufgeschlossen wurde, war der Andrang beim Tag des offenen Denkmals groß. „Es kamen viele ehemalige Mitarbeiter des Rathauses, die noch mal einen Blick in ihr altes Büro werfen wollten oder Menschen, deren Eltern hier auf dem früheren Standesamt die Geburt angezeigt hatten“, berichtet Oliver Schmitz.

Für die Birkesdorfer war es vermutlich eine der letzten Gelegenheiten, einen Blick in ihr früheres Rathaus zu werfen. Schmitz, Geschäftsführer der Immobilien- und Projektentwicklungsgesellschaft Gebig war zu dem Zeitpunkt schon neuer Eigentümer der denkmalgeschützten Immobilie, die derzeit zu Eigentumswohnungen umgebaut wird.

Rund 1,8 Millionen Euro investiert die Gebig, um das Wohnen im Denkmal zu ermöglichen. Für Architekt Peter Holdenried aus Heimbach eine besondere Herausforderung. Die komplette Fassade samt Fenstern muss erhalten bleiben, gleichzeitig muss der Innenraum aber komplett neu erfunden werden. Holdenried: „Das Verwaltungsgebäude war zweihüftig angelegt, vom Flur gingen links und rechts die Büros ab. Die Gebäudestruktur muss nun komplett gedreht werden.“ Nur so entstehen ausreichend große Wohnungen von der Front bis zum neu anzulegenden Garten.

Schmitz und Holdenried haben schon in der Vergangenheit Erfahrung mit dem Umbau von Denkmälern gesammelt. Schmitz hat in Euskirchen eine 128 Jahre alte Grundschule in Wohnraum umgewandelt, Holdenried den Heimbacher Bahnhof zum Nationalparktor umgeplant und Burg Hengebach als Kunstakademie barrierefrei erschlossen. „Eine neue Nutzung für solche Immobilien zu finden, bedeutet immer auch Kompromisse einzugehen“, sagt Schmitz. „Uns war wichtig, dass wir auf der Rückseite Dachgauben ausbauen und Balkone anbringen dürfen.“ Im Gegenzug bleiben die alten Fenster zur Straßenfront erhalten. Das stellt eine Herausforderung dar.

Die Stadt selbst hatte, um den Schallschutz zu gewährleisten, von innen einfach Plastikfenster vor die alten einglasigen Holzfenster gesetzt. Die müssen nun fachgerecht aufgearbeitet werden, um modernen Standards gerecht zu werden. „Heute würde niemand mehr so bauen“, sagt Holdenried, aber eben genau das macht für Schmitz den besonderen Reiz dieser Immobilie aus. „Natürlich erhoffe ich mir auch einen wirtschaftlichen Vorteil, sonst würde ich das Projekt nicht in Angriff nehmen. Es macht aber auch Spaß, so ein Projekt zu realisieren. Am Ende hat man das gute Gefühl, ein Stück Kulturgut erhalten zu haben“, sagt Schmitz.

Sieben Wohnungen von 80 bis 113 Quadratmetern werden bis Jahresende bezugsfertig sein, im Erdgeschoss mit Terrassen- und Gartennutzung, im Dachgeschoss mit besonderem Ausblick und dem erhaltenen Turmzimmer. 700 Quadratmeter Wohnraum werden so neu geschaffen.

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