Kreis Düren: Neuer Bischof: Was wünschen sich Dürener Katholiken?

Kreis Düren : Neuer Bischof: Was wünschen sich Dürener Katholiken?

Das Bistum Aachen sucht einen neuen Chef. Vier Tage vor Heiligabend ist Heinrich Mussinghoff im Rahmen eines Gottesdienstes offiziell verabschiedet worden, die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen.

Der Diözesanrat, das oberste Laiengremium im Bistum, ruft die katholischen Christen im Bistum Aachen dazu auf, ihm ihre Erwartungen an den künftigen neuen Bischof zu schicken. Unter www.neuer-bischof-fuer-aachen.de können ab sofort solche Erwartungen formuliert werden; nach kurzer Prüfung werden konstruktive Beiträge freigeschaltet. Aber was wünschen sich die Menschen im Kreis Düren eigentlich vom neuen Bischof? Die „DN“ haben verschiedene Männer und Frauen gefragt, die allesamt eine Beziehung zur katholischen Kirche haben und für die der Bischof schon eine wichtige Person ist.

Thomas Müller, Vorsitzender des Caritasrates im Kreis Düren, wünscht sich einen Bischof, der „durch seine eigene Glaubwürdigkeit die Glaubwürdigkeit der Kirche wiederherstellt.“ Das, so Müller, sei für ihn ganz wichtig. „Außerdem hoffe ich, dass der neue Bischof die Einbeziehung der Laien in kirchlichen Dienst noch mehr vertieft.“ Das wünscht sich auch Irene Mörsch aus Langerwehe.

Die stellvertretende Vorsitzende des Katholikenrates und kritische Christin hofft, dass Kirche im Bistum Aachen unter einem neuen Bischof weniger „priesterzentriert“ werde. „Priester“, sagt Irene Mörsch, „sollten nicht unbedingt das letzte Wort haben.“ Der neue Bischof, ergänzt Mörsch, solle den Menschen zuhören und herausfinden, wo die Gläubigen wirklich der Schuh drückt. Irene Mörsch: „Außerdem wünsche ich mir, dass der neue Bischof den Menschen Freiheit lässt.“ Damit meint die Katholikin Freiheit für neue Formen spirituellen Lebens („Es muss nicht immer nur die Sonntagsmesse sein“), aber auch eine stärkere Öffnung für geschiedene und homosexuelle Christen.

Hilla Brandwitte, Leiterin einer katholischen Kindertagesstätte in Düren, wünscht sich einen Bischof, der möglichst nah bei den Menschen ist. „Ähnlich wie Papst Franziskus sollte er versuchen, den Glauben in die heutige Welt zu holen. Ich finde es zudem wichtig, dass er auch Kinder und junge Familien in den Blick nimmt, die sonst vielleicht nur noch wenig Kontakt zur Kirche haben. Wir müssen wieder mehr Gemeinschaft leben, damit der Kirche nicht noch mehr Menschen verloren gehen.“

Auch Martina Schütz-Berg, Leiterin des Papst-Johannes Hauses, wünscht sich einen Bischof, „der das Fußvolk nicht aus den Augen verliert“. „Er sollte möglichst nah bei den Menschen sein und nicht vergessen, dass es auch bei uns viele arme Familien gibt.“ Gerade auch junge Leute, ist Martina Schütz-Berg überzeugt, „wüssten Werte und verlässliche Ansagen sehr zu schätzen. „Es geht nicht immer nur um Erneuerung“, sagt Martina Schütz-Berg. „Aber es ist wichtig, dass es mit dem neuen Bischof keine allgemeine Verdammnis gibt. Zum Beispiel auch nicht für die Menschen, die geschieden und wiederverheiratet sind.“

Raymund Schreinemacher, Leiter des Kinderheims St. Josef, formuliert vier Wünsche an den neuen Bischof. „Der Bischof sollte spirituell fest im Glauben verankert, nah an den Menschen sein und die christliche Botschaft frei und offen verkünden. Außerdem sollte er für die arme und missionarische Kirche stehen.“

Für Pfarrer Hans-Otto von Danwitz sollte der neue Aachener Bischof theologisch gut gebildet und gleichsam spirituell sein. „Wir hatten mit Klaus Hemmerle einen sehr spirituellen Bischof und mit Heinrich Mussinghoff einen, der sehr praktisch gehandelt hat und sich gut mit Kirchenrecht auskannte. Ich fände es optimal, wenn der neue Bischof beide Dinge verkörpern würde. Außerdem sollte es ein Mann sein, der Einheit stiften kann.“

Das Bistum Aachen, so von Danwitz weiter, stehe stark in der Tradition des Sozialkatholizismus. „Verschiedene Arbeitslosenprojekte, aber auch die Arbeit des Caritasverbandes und der Einsatz für die Flüchtlinge sind Beispiele dafür. Ich wünsche mir, dass der neue Bischof den Blick auf die Kleinen und Schwachen noch weiter entfaltet.“

Von Danwitz rechnet damit, dass die Stelle des Aachener Bischofs etwa ein Jahr vakant sein wird. „Wir haben gute Weihbischöfe und einen jungen Generalvikar, der ganz hervorragende Arbeit leitet. Es ist gut, wenn sich im Bistum alles neu sortiert, und wir einmal auf uns selbst gucken.“ Das Amt des Bischofs sei kein einfaches: „Es gilt, die Vorgaben von Rom und die Erwartungen der Menschen zu erfüllen.“