Düren: Neue Verwaltungsleiterin: Mit innerer Ruhe an die Arbeit

Düren: Neue Verwaltungsleiterin: Mit innerer Ruhe an die Arbeit

Über drei Worte hat Stephanie Keimer etwas länger nachdenken müssen. Zu dem Satz, der für Männer eher selbstverständlich ist, hat sie sich durchringen müssen. „Ich — kann — das.“ Stephanie Keimer ist Diplom-Verwaltungswirtin und ist — seit sie die drei Worte ausgesprochen hat — neue Verwaltungsleiterin der Evangelischen Gemeinde zu Düren.

Am Montag, also am Reformationstag, wird sie um 18 Uhr in der Christuskirche in einem Gottesdienst in ihr Amt eingeführt und will bei der nachfolgenden Gemeindeversammlung mit den Gläubigen ins Gespräch kommen.

Dabei ist die 46-Jährige schon seit 20 Jahren bei der Evangelischen Gemeinde beschäftigt, hat zuerst im Personalbereich gearbeitet, war nach der Elternzeit für das Zuschusswesen verantwortlich. „Das war abwechslungsreich und spannend, weil ich Einblick in unterschiedliche Dienstbereiche hatte. Chef sein wollte ich nicht“, sagt Stephanie Keimer. Sie ist alleinerziehend, hat zwei Kinder im Teenie-Alter und sich dennoch für das Angebot entschieden: „Ich wollte, dass es jemand macht, der es kann, den Überblick hat und sich nicht erst einarbeiten muss.“

190 Mitarbeiter beschäftigt die Evangelische Gemeinde zu Düren, die größte Gemeinde im Rheinland. Zahlreiche Beratungsangebote gibt es, wie die Diakonie-Sozialstation, Kindergarten und offene Ganztagsschule. „Ich kenne die Mitarbeiter, kenne die Strukturen, weiß, wie alles finanziert wird“, sieht sie ihr großes Plus. Denn das ist ihr eigentlicher Job: Den Jahreshaushalt von rund elf Millionen Euro so zu verwalten, dass mit diesem Geld alle Angebote der Evangelischen Gemeinde aufrecht, im Idealfall gar ausgebaut werden können.

Allein das fordert: „Noch verzeichnen wir keinen Einbruch bei den Kirchensteuern, aber die Ausgaben und Personalkosten steigen natürlich“, erklärt die Verwaltungsleiterin. Das kann zu Konflikten führen: „Wir wollen, dass die Strukturen erhalten bleiben, Pläne erfüllt werden. Die Pfarrer wollen oft die Ausnahmefallregelung.“ Gemeinsam muss man sich dann einigen.

Anerkannt gute Arbeit

„Die von uns geleistete Arbeit ist anerkannt gut“, sagt Stephanie Keimer auch. Sie hat früher drei Jahre lang in der Landeshauptstadt Wiesbaden im Sozialamt gearbeitet. „Hier kann ich mich wirklich mit allem identifizieren, was die Evangelische Gemeinde macht“, benennt sie einen Unterschied. Was sie durchaus beeindruckt: „Die evangelischen Pfarrer zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nicht einschüchtern lassen und gegen Unrecht kämpfen.“ Was sie ebenfalls beeindruckt: „Man spürt, mit wie viel Engagement und Herzblut die Mitarbeiter und die vielen Ehrenamtlichen bei der Sache sind.“

Und das nicht nur im kirchlichen Bereich: „Es gibt kaum jemanden, der sich nicht nebenbei noch im Besuchsdienst oder als Fußballschiedsrichter engagiert. Oder frühere Mitarbeiter, die jetzt mit 75 den Gemeindebrief mit austragen. Das ist wie eine Familie, auf die man sich verlassen kann. Kein Ersatz, aber eine zweite Familie.“

Eine zweite Familie, die aber auch viel Zeit fordert. „Als Alleinerziehende Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, wenn man dann auch noch Abendtermine hat und am Wochenende arbeiten muss, erfordert Planung“, sagt sie. Umgekehrt sei es eben aber auch nie ein Problem gewesen, wenn eines ihrer Kinder krank war oder sie eine Theateraufführung in der Schule besuchen wollte — „Ich fühlte mich da immer unterstützt.“

Der Segen, den sie am Montag bei ihrer Amtseinführung erhalten wird, bedutet Stephanie Keimer etwas. Sie, die von sich selbst sagt, dass sie evangelisch, aber „nicht so tief christlich gläubig“ sei, gar nicht mal regelmäßig in den Gottesdienst gehe, hat trotzdem das Gefühl, mit diesem Segen unterstützt zu werden. Zum Beispiel in Zeiten, wenn die Finanzen doch knapper werden sollten. „Wenn das eintreffen sollte, hoffe ich, dass ich damit gut umgehen kann und die nötige innere Ruhe habe“, sagt sie. Die strahlt sie jetzt schon aus.