Düren: Neue Auflagen bringen den Karneval in Gefahr

Düren: Neue Auflagen bringen den Karneval in Gefahr

Die längste Session seit Jahrzehnten neigt sich dem Ende zu. „Es tat schon manchmal weh”, blickt Rolf-Peter Hohn, Präsident des Regionalverbandes Dürener Karneval, auf eine anstrengende Zeit mit vielen Stunden bei Sitzungen und Bällen zurück.

Es habe auch viel Spaß gemacht. Doch nach der Session ist vor der Session. Schon jetzt grübelt Hohn mit weiteren Verantwortlichen darüber, wie immer drängendere Probleme rund um das jecke Brauchtum gelöst werden können.

„Zwei Monate am Stück nichts anderes als Karneval”, zieht Hohn erschöpft Bilanz. Jedes Wochenende abends weg und zuletzt auch in der Wochenmitte Veranstaltungen, das schlaucht.” Da habe eine Session „kurz aber heftig” durchaus ihre Vorzüge. Jetzt folgen noch die Umzüge, die organisatorisch auch nicht ohne sind. Hohn: „Manche Züge wurden durch behördliche Auflagen fast lahm gelegt.”

Die „Veranstaltererklärung” des Bundesverkehrsministeriums habe manche KG in arge Bedrängnis gebracht. Hohn: „Wenn wir eine Gesellschaft nicht noch kurzfristig in unseren Verband aufgenommen hätten, hätte in diesem Ort kein Zug gehen können.” Durch den Gruppenvertrag des Regionalverbandes mit einer Haftpflichtversicherung habe man den Zug retten können. Hohn: „Nach der Session werden wir uns mit diesem Thema intensiv beschäftigen müssen.”

Gleiches gilt für die zunehmenden Kosten für die Vereine durch Gema-Gebühren und Steuern. „Hier wird ein Fest in Bedrängnis gebracht, das sich das Volk selbst gegeben hat”, kritisiert Hohn. Immer mehr Vereine, vor allem in kleineren Dörfern, klagten über finanzielle Sorgen. Sponsoren seien hier schwerer zu finden als in den größeren Städten. „Musikgruppen sind zu Karneval viel teurer als beim Schützenfest”, hat Hohn beobachtet. „Hier regelt die große Nachfrage das Angebot und den Preis.”

In Kreuzau ist man wie auch anderenorts schon dazu übergegangen, statt eine Band zu verpflichten, den DJ Platten auflegen zu lassen. Nicht zuletzt auch deshalb, um jüngeres Publikum anzusprechen, wie Peter Kaptain, Präsident der KG Ahle Schlupp erläutert. Um die Jugend in die Festhalle zu locken, habe man ferner mit einer anderen Tradition gebrochen. Kaptain: Die Veranstaltung am Karnevalssamstag heißt nicht mehr Prinzenball. „Mit dem Begriff Ball können junge Leute heute nichts mehr anfangen”, bedauert Kaptain. Die Eintrittspreise für einen „Ball” oder eine Sitzung könnten nicht unbegrenzt angehoben werden, so Hohn.

Zwar seien bei großen Kölner Veranstaltungen schon einmal 50 Euro Eintritt fällig, „bei uns ist aber mit 22 oder 23 Euro die Schallgrenze erreicht”. Viele Gesellschaften verzichteten inzwischen auf die Verpflichtung der großen Stars, um mit eigenen Kräften eine Sitzung für den Eintrittspreis von elf Euro zu gestalten. Hohn: „Karneval muss für die breite Masse bezahlbar bleiben.”

Hier mache sich der Vorstellabend des Regionalverbandes positiv bemerkbar, bei dem Nachwuchskräfte aus der Region entdeckt und gefördert werden. Gleiches gelte für den Arbeitskreis „Jugend in der Bütt”. Es brauche schließlich schon ein gerüttelt Maß an Selbstvertrauen, sich vor einem vollen Saal auf die Bühne zu stellen. Hohn: „Wir werden ab Ostern wieder das Jahr über regelmäßig mit den jungen Büttenrednern an ihren Vorträgen arbeiten.” Für die kommende Session müssen die Jecken zumindest etwas weniger Kondition mitbringen: Sie ist zwei Wochen kürzer.