Projekt „Neustart“: Neuanfang nach langer Arbeitslosigkeit

Projekt „Neustart“ : Neuanfang nach langer Arbeitslosigkeit

Das Teilhabechancengesetz ermöglicht geförderte Jobs statt Hartz IV. Das Projekt „Neuanfang“ der Job-com unterstützt Langzeitarbeitslose, einen Wiedereinstieg zu finden.

Ihren beruflichen Werdegang beschreibt Ilona Jansen als „holprig“. Nach der Ausbildung zur Bürokauffrau folgten diverse Praktika und Ein-Euro-Jobs. 15 Jahre lang hatte die heute 39-Jährige keinen festen Job. Umso glücklicher ist Jansen darüber, mit dem Projekt „Neuanfang“ der Job-com einen Einstieg zu finden: Zum 1. September startet sie beim Bildungswerk der Awo.

In einem zweiwöchigen Praktikum hat Ilona Jansen ihre zukünftigen Kollegen und die Arbeit schon einmal kennenlernen dürfen. Zuvor war sie für sechs Wochen bei der Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung (DGA) und hat sich dort unter anderem in Mathe und Deutsch, aber auch auf ihre Teamfähigkeit und Kreativität hin testen lassen.

Das Projekt „Neustart“, unterstreicht Job-com-Leiterin Martina Forkel, sei keine Maßnahme, sondern ein Training, ein Job, eine Chance – „vielleicht die letzte“. Für Langzeitarbeitslose sei es oft schwer, morgens wieder früh aufzustehen und rechtzeitig bei der Arbeit zu sein. „Viele beginnen deshalb in Teilzeit. Man kann zum Beispiel mit 15 Stunden anfangen und später aufstocken“, erklärt Forkel.

Möglich wurde das mit dem in diesem Jahr eingeführten Teilhabechancengesetz. Das erlaubt dem Jobcenter, die Stellen fünf Jahre lang zu fördern, davon zwei Jahre voll. „Endlich können wir Arbeit statt Arbeitslosigkeit nicht nur bei gemeinnützigen und kommunalen, sondern auch bei privaten Arbeitgebern aller Branchen finanzieren“, freut sich Forkel.

Seit Anfang des Jahres gelang es auf diesem Wege, 75 Menschen in Arbeit zu vermitteln. Im Schnitt waren sie rund elf Jahre Kunden des Jobcenters. Jochen Biester vom Arbeitgeberservice der Job-com sagt: „Ich war manchmal überrascht über das Potenzial, das auf uns zukam. Das waren viele gute, motivierte Kunden von uns.“

Die Verantwortlichen vom Jobcenter erhoffen sich, „dass mehr Menschen den Mut finden, dieses positive Risiko einzugehen“, sagt Forkel. Ihr Kollege Biester ergänzt: „Zuletzt haben wir 81 Personen zu einer Infoveranstaltungen eingeladen, 15 sind erschienen, drei haben sich freiwillig für ,Neustart’ gemeldet. Wir haben mehr Stellen als Interessenten, die Arbeitgeber scharren mit den Füßen.“ Ilona Jansen ist sich sicher: „Ich würde das jeder Zeit wieder machen.“

Mehr von Aachener Zeitung