"Närrische Akademie" in Düren mit Janus Fröhlich

„Närrische Akademie“: „Kölsche Lieder“ im Geschichtsunterricht

Aufmerksam, textsicher und voller Motivation: Solche Studenten können sich Dozenten sonst nur wünschen. Gleich zu Beginn der „Närrischen Akademie“ im Saal des Dorint-Hotels zeigte sich: Schlechte Noten für die mündliche Mitarbeit mussten an diesem Sonntag nicht verteilt werden.

Statt Frontalunterricht gab es Gesang und Interaktion mit den Studenten. Diese lernten viel Wissenswertes rund um die Stadt Köln, vorgetragen von einem unterhaltsamen Dozenten-Duo.

420 Studierende hatten sich bei der KG „Närrische Norddürener“ für die Veranstaltung eingeschrieben. Auch im 15 Jahr erfährt die „Närrische Akademie“ großen Zulauf. In die Rolle des „Lehrer Welsch“ schlüpfte der prominente Musiker Janus Fröhlich, Ex-Schlagzeuger der Höhner, der seinen Kollegen Peter Werner samt Instrumenten mitgebracht hatte. „Pedell“ Professor. Dr. Herbert Schmidt, der gekonnt charmant durch die Sitzung der etwas anderen Art führte, brachte die beiden zu Beginn des ersten Semesters quer durch den Saal zur Bühne und stellte sie den Studenten vor.

Das Thema der Vorlesung klang auf den ersten Blick etwas trocken: „Kölsche Lieder unter dem Einfluss der gesellschaftlichen Entwicklung.“ Schnell war aber klar: Als Janus Fröhlich und Peter Werner anhand bekannter Lieder erklärten, warum „Dat Hätz von dr Welt“ in Kölle schlägt, blieben auch die Herzen der Dürener nicht ungerührt. Es durfte mitgesungen werden - und es wurde mitgesungen. Und selbstverständlich auch viel gelacht.

Aus der Domstadt waren die "Pänz us dem ahle Köln" angereist. Foto: Stephan Johnen

Der langjährige Schlagzeuger der Höhner ist ausgebildeter Lehrer für Musik, Sport und Erdkunde und hat nicht vergessen, wie eine ebenso unterhaltsame wie spannende Schulstunde aufgebaut wird. Startend mit dem „Trizonesien Song“ aus dem Jahr 1948 führten er und Peter Werner die Studenten durch die Kölner Stadtgeschichte, beleuchteten aber auch mit dem Lied „Arsch huh - Zäng ussenander“ gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung dunklere Kapitel der jüngsten Zeitgeschichte. Ein Lied, das heute so aktuell ist wie 1992, als in Rostock-Lichtenhagen Unterkünfte von Asylbewerbern brannten.

Abgerundet wurde das Programm von Gastauftritten beispielsweise der Kindertanzgruppe „Pänz us dem ahle Kölle“, die ebenfalls bekannte kölsche Lieder anstimmte, sowie der Dürener Band „Eventuell“, die so manchen Studenten zum Tanzen animierte. Im zweiten Semster nach der Pause präsentierten die „Närrischen Norddürener“ den Büttenredner „Ne Usjeflippte“ und ein Zwiegespräch von „Harry und Achim“.

Das 15. Jahr der „Närrischen Akademie“ brachte noch einmal etwas ganz Besonderes: „Wir sind vom Haus der Stadt in das Bismarck-Quartier umgezogen“, rief Dr. Herbert Schmidt noch einmal die Geschichte der Stadthalle Düren in Erinnerung. „Wir sind an einem Ort, der viele Emotionen und Erinnerungen weckt, an schöne Veranstaltungen und anregende Gespräche. Manch einer hat hier seine Frau kennengelernt, hatte seinen ersten Kuss.“ Auch in Zukunft möchten die Norddürener ihre Akademie an diesem geschichtsträchtigen Ort ausrichten. Die Suche nach dem nächsten „Lehrer Welsch“ hat begonnen.

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