Niederzier-Krauthausen: Nach Kollision mit Brücke: Transformator wird zur Umspannanlage gefahren

Niederzier-Krauthausen : Nach Kollision mit Brücke: Transformator wird zur Umspannanlage gefahren

Es ist Freitagabend, 23 Uhr. Die letzte Rurtalbahn des Tages hat den Bahnhof Krauthausen verlassen und den Bahnübergang Pierer Straße passiert. Die Polizei ist eingetroffen und gibt „grünes Licht“ für den Transport eines 302 Tonnen schweren Transformators über die L12 zur nur gut drei Kilometer entfernten Umspannanlage Oberzier.

Langsam setzt sich der 63 Meter lange Straßentransporter in Bewegung. Stunden zuvor war der in Mönchengladbach bei der Firma General Electric gefertigte Trafo von der Schiene auf den Tieflader umgeladen worden.

Nach der Kollision mit der Heerweg-Brücke in Düren in der Nacht zum 15. Oktober hatten Experten des Herstellers die Anlage in Krauthausen unter die Lupe genommen, jedoch keine Schäden an dem Millionen Euro teuren Bauteil festgestellt, erklärte Joelle Bouillon vom Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion, der die Umspannanlage Oberzier seit 2015 für rund 50 Millionen Euro ertüchtigt.

Der „komplizierteste“ Abschnitt des Schwertransports wartet auf die Spezialisten der Hanauer Firma Daher zu Beginn: das Abbiegen vom Kastanienweg auf die Pierer Straße in Krauthausen. Die Schranken und Warnbaken des Bahnübergangs lassen nur wenig Platz, Verkehrsschilder müssen demontiert werden. Was für Außenstehende äußerst knapp aussieht, ist für die Spezialisten mit der lenkbaren Trafobrücke kein Problem. Es dauert nur wenige Minuten, und der Engpass ist passiert. Über die L12 geht es Richtung Niederzier. Kurz hinter dem Weiler Berg biegt der Koloss auf eine Werkstraße Richtung Umspannanlage ab, keine Dreiviertelstunde später ist er am Ziel. Abgeladen und auf sein Fundament gehoben wird der Transformator heute.

Mit dem neuen Transformator soll die von der Umspannanlage ausgehende Geräuschkulisse weiter minimiert werden. Er ersetzt ein älteres Gerät und soll laut Bouillon im August 2018 in Betreib gehen. Bereits im Herbst 2015 hatte Amprion den ersten der beiden Transformatoren der Anlage gegen ein neues, leiseres Modell getauscht und in Betrieb genommen. Die Modernisierung der gesamten Umspannanlage soll 2023 abgeschlossen sein.

Die Umspannanlage Oberzier ist ein wichtiger Knotenpunkt im regionalen und überregionalen Stromnetz im Raum Köln-Aachen. In der Anlage trifft Strom mit einer Spannung von 380 Kilovolt (KV) ein, der im Höchstspannungsnetz von Amprion weiterverteilt wird. Die beiden Transformatoren übersetzen einen Teil des Stroms in das 110-Kilovolt-Netz der RWE-Tochter Westnetz, mit dem die lokalen Stromnetze versorgt werden.

Die Umspannanlage Oberzier wird auf deutscher Seite auch Ausgangspunkt einer Erdkabelverbindung bis zum belgischen Lixhe. Die Inbetriebnahme ist für 2020 vorgesehen. Bis dahin muss in Oberzier noch eine große Konverteranlage errichtet werden.

Mehr von Aachener Zeitung