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Mariaweiler: Nach Insolvenz 430 Arbeitsplätze bedroht

Mariaweiler : Nach Insolvenz 430 Arbeitsplätze bedroht

Volker Kohlisch und Christian Wolff stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Lange Zeit von der Geschäftsführung im Unklaren gelassen, wie schlecht die finanzielle Situation der Firma Andreas Kufferath GmbH & Co. KG wirklich ist, hatten der IG-Metall-Sekretär und der Betriebsratsvorsitzende in den letzten Tagen alles versucht, die drohende Insolvenz noch abzuwenden.

Doch die Bedingungen, die der einzig infrage kommende US-Investor AstenJohnson der Belegschaft nach dem Rückzug der Banken diktieren wollte, ließ ihnen am Dienstagabend keine andere Wahl: „Wir mussten die Gespräche abbrechen”, erklärten sie am Mittwoch auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Die Amerikaner reisten ab, die Insolvenz war besiegelt.

Während die Geschäftsführung auch am Mittwoch für Nachfragen nicht zu erreichen war, die Gründe des Liquiditätsengpasses damit weiter nebulös bleiben, gaben Betriebsrat und IG Metall Einblick in das Tauziehen der letzten Tage.

Um den Standort Düren mit seinen 430 Mitarbeitern als Ganzes zu retten, sei man zu drastischen Gehaltseinbußen bereit gewesen, erklärte Volker Kohlisch.

Nicht nur den Wechsel in den mehr als 20-Prozent geringer dotierten Tarifvertrag der Textilindustrie hätten die Belegschaftsvertreter geschluckt, auch die Kündigung aller Betriebsvereinbarungen zu Leistungsprämien und die Anhebung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich.

Der Vertrag lag schon unterschriftsreif auf dem Tisch, Hoffnung keimte auf, als sich die Amerikaner am Dienstagabend auch noch den Abbau von 50 Prozent der Arbeitsplätze absegnen lassen wollten.

„Wir haben danach einstimmig entschieden, die Gespräche abzubrechen”, erklärte Kohlisch. „Damit war das Fass voll. Das wäre nur der erste Schritt gewesen, weitere wären sicher gefolgt”, ergänzte Wolff.

Eine Entscheidung die von den Mitarbeitern, die noch auf ihr Juni-Gehalt warten, akzeptiert worden sei. „Es gab überhaupt keinen Unmut”, versicherte Wolff nach der gestrigen Betriebsversammlung.

Wie es weiter geht? Die Löhne sind nach dem Insolvenzantrag bis August gesichert. „Wir hoffen, dass der vorläufige Insolvenzverwalter jetzt kurzfristig die Liquidität wiederherstellen kann, damit wir weiterarbeiten können”, betonte Wolff. Die Auftragsbücher seien voll.

Volker Kohlisch, Christian Wolff und die 430 Mitarbeiter haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, wissen aber auch, dass der Kampf um die Arbeitsplätze jetzt erst richtig begonnen hat.