Dürener Badesee-Leiter verabschiedet sich: Nach 35 Jahren winkt der erste Sommerurlaub

Dürener Badesee-Leiter verabschiedet sich : Nach 35 Jahren winkt der erste Sommerurlaub

Klaus Schüller zählt die letzten Stunden. Wenn die Saison am Dürener Badesee am 15. September planmäßig endet, ist das Überstundenkonto des 64-Jährigen so gut gefüllt, dass er bis zum Rentenbeginn 2021 die Hände in den Schoß legen kann. Der Leiter des Dürener Badesees verabschiedet sich von seiner zweiten Heimat.

Dort hat er seit 35 Jahren von Mai bis September die meiste Zeit des Tages verbracht. Nun übergibt er das Staffelholz an seine Nachfolgerin Jessica Kremer, die er seit zwei Jahren eingearbeitet hat.

Es ist ruhig geworden an Dürens Adria. Trotz ansprechender Temperaturen hält sich der Andrang am Sandstrand seit Tagen in Grenzen. Für Schüller eine völlig normale Entwicklung. „Am Ende des Sommers hatten die meisten bereits Sonne satt, da zieht es weniger Besucher raus an den See“, weiß der Müddersheimer aus Erfahrung. Mit großem Andrang rechnet er daher nicht mehr. Anfang kommender Woche beginnt er mit seinem Team bereits mit den Aufräumarbeiten. „Das ist im April anders“, betont Schüller. Mit den ersten warmen Tagen hofft jeder, dass wir früher öffnen.“

Trotz der Rekordhitze Mitte Juli stuft Schüller seine 35. und letzte Saison am Badesee als eher „mittelprächtig“ ein. Mit rund 57.000 Gästen, die nach Angaben von Jessica Kremer bislang die Kasse passiert haben, blieb der Sommer 2019 doch ein gutes Stück hinter früheren Jahren zurück. „In Spitzenzeiten haben wir bis zu 80.000 Gäste gezählt“, weiß Schüller.

Weniger Schüler am Nachmittag

Das mag zum einen an einem veränderten Freizeitverhalten liegen und daran, dass Reisen erschwinglicher geworden sind. „Wir merken aber auch, dass die Jugendlichen heute länger Schule haben“, betont Schüller. „Früher kamen die Schüler gegen 14 Uhr, wenn der Unterricht heute erst um 17 Uhr endet, lohnt es sich für viele nicht mehr.“

Temperaturmessung bei miesem Wetter im See mit Schal und Pullover: Klaus Schüller war immer für einen Gag zu haben. Foto: ZVA/Jörg Abels

Trotzdem suchten an den Sahara-Hitze-Tagen auch in diesem Sommer bis zu 6000 Besucher am Tag die Abkühlung im kühlen Nass. „Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad sind mehr Leute im Wasser als am Strand.“ Probleme mit der Wasserqualität habe es trotz eines zwischenzeitlichen Temperaturanstiegs auf 25 Grad nicht gegeben, betont Schüller, klopft auf Holz und blickt hinüber zur Wasserski-Anlage, die dafür sorgt, dass zusätzlich Sauerstoff in den See gelangt. Von explosionsartigem Algenwachstum blieb der Dürener Badesee ebenso verschont wie von Übergriffen aus dem Gedränge heraus, die in den vergangenen Wochen das Düsseldorfer Rheinbad in die Schlagzeilen gebracht hatten. „Dafür ist unser Gelände zum Glück zu weitläufig“, betont Schüller.

Das soll aber nicht heißen, dass es nicht auch am Badesee schon einmal Probleme geben hat. Als Mitte der 90er Jahre, zum Höhepunkt des Ballermann-Mallorca-Hypes, in einem separaten Kiosk mitten am Strand auch Sangria verkauft wurde, waren Schlägereien alkoholisierter Jugendlicher an der Tagesordnung, erinnert sich der 64-Jährige. „Da konnte man die Uhr nach stellen.“ Die Verantwortlichen reagierten, das Angebot verschwand und mit ihm auch die Probleme.

Dass Klaus Schüller einmal sein halbes Leben am Badesee verbringen würde, hätte er vor 35 Jahren nicht für möglich gehalten. Damals suchte der diplomierte Sportlehrer eigentlich eine Anstellung an einer Schule und bewarb sich bei der Stadt auf eine ausgeschriebene Stelle als Aufsichtskraft am See eigentlich nur, um die Zeit bis zum Lehrerjob zu überbrücken. Schnell aber fand er Gefallen an der Arbeit an der frischen Luft, an der Organisation des Badebetriebs und blieb an Bord.

Dass dafür auch eine gehörige Portion Idealismus und ein verständnisvoller Ehepartner vonnöten sind, verschweigt er nicht, schließlich sind nicht nur Sommerurlaube für das Ehepaar Schüller seit 35 Jahren tabu. Von Mai bis September ist Klaus Schüller in der Regel nur zum Schlafen und Essen zu Hause.

Gerne erinnert er sich auch an die Großereignisse am See, das Konzert von Peter Fox 2009 mit mehr als 20.000 und das von R.E.M. Mitte der 90er Jahre mit 25.000 Besuchern. „Das war damals der heißeste Tag des Jahres“, erinnert sich Schüller. „Und niemand durfte schwimmen.“ Denn das ist aus Sicherheitsgründen bei Konzerten verboten. Nur eines fand er damals grenzwertig: „Während wir die wartenden Leute vor der Bühne mit Wasserschläuchen nass gespritzt haben, um sie abzukühlen, sprangen die Musiker im abgesperrten Bereich hinter der Bühne in den See.“

Ab Oktober muss der See ruhen

Geschichten wie diese könnte Schüller noch unzählige erzählen. Erinnerungen, die ihm keiner mehr nehmen kann, wenn er Ende September seinen Arbeitsplatz räumt. Bis dahin aber sind es noch ein paar Stunden. „Bis zum 15. September können wir noch öffnen. Das hängt ganz vom Wetter ab.“

Auch eine Verlängerung der Saison sei prinzipiell möglich. Motorbootrennen, die das in den vergangenen Jahren verhindert haben, finden diesen Herbst nicht statt. „Aber spätestens Ende September muss Schluss sein“, erklärt Schüller. „Ab Oktober muss der See ruhen, um sich vom Badebetrieb erholen zu können.“ Ob er in Zukunft etwas vermissen wird? „Das werde ich wohl erst merken, wenn es so weit ist.“

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