Niederzier: Musikschule Niederzier feiert 20-jähriges Bestehen

Niederzier: Musikschule Niederzier feiert 20-jähriges Bestehen

Sie tanzt, sie swingt, ist dauernd in Bewegung, steht unter Hochspannung: Eva Maria Gaul beim Dirigieren zuzusehen, ist an und für sich schon ein Genuss. Jetzt feierte die Dame am Dirigentenpult, für die das Wort „Powerfrau” keine Spur zu hoch gegriffen ist, einen Erfolg nach Maß.

Beim traditionellen Sommernachtskonzert der Musikschule Niederzier, mit dem am Freitagabend gleichzeitig das 20-jährige Bestehen dieser Kultur-Institution und die Einweihung der restaurierten Wasserburg am Rathaus gefeiert wurde.

Bürgermeister Hermann Heuser ließ es sich als Hausherr nicht nehmen, Eva Maria Gaul und ihrem Sinfonie-Orchester einige nette Worte zu widmen. Daraus wurde mehr als eine Ansprache nach konventionellem Muster. Denn der Rathaus-Chef verriet auch, wie die Schulleiterin von heute vor zwei Jahrzehnten zu ihrem Amt gekommen war - indem sie unangemeldet in eine Besprechung von Ratsmitgliedern platzte und dort sofort durch ihr frisches Temperament auf sich aufmerksam machte.

Heuser vergaß auch nicht, Gauls Stellvertreter Dieter Ogrzewalla zu erwähnen, der der Gemeinde gleichfalls seit der Musikschul-Gründung die Treue hält. Der Vize jedoch verbrachte den Abend im Innenhof des Rathauses weitgehend hinter den Kulissen: Er zeichnete zusammen mit einem kleinen Team für die Klangtechnik verantwortlich.

Seinerseits ließ der Bürgermeister auch nicht die aktuellen politischen Entwicklungen außer Acht, denen zu Folge (wir berichteten) der momentan beengt im Bürgerhaus Huchem-Stammeln untergebrachten Musikschule ein Neubau erst einmal versagt bleibt: „Über den Neubau”, bemerkte Heuser, „besteht im Rat grundsätzlich Konsens. Nur über das Wo und Wie streiten wir noch.”

Die Bilanz der zurück liegenden 20 Jahre aber fiel ungeschmälert positiv aus. Rund 4000 Schüler seien in dieser Zeit ausgebildet worden. Und der Leiterin, die eigentlich nur Trompeten-Unterricht geben wollte, bescheinigte Niederziers erster Bürger „vollen Einsatz, ohne auf die Uhr zu schauen”.

Musik gab es an diesem Abend natürlich auch - und davon nicht zu knapp. Eva Maria Gaul und ihre Sinfoniker, ein guter Mix von erfahrenen Musikern und jüngeren Kollegen, begeisterten ihre Zuhörer unter anderem mit einem Strauß von Filmmelodien aus den 60ern des 20. Jahrhunderts, einem nicht minder schmissig und farbenreich dargebotenen Medley aus dem Musical „Hello Dolly” und entführten, derweil die Dirigentin auf ihrem Pult Samba tanzte, das Publikum nach „Brazil”. Peppiger Pop von „Tiger” Tom Jones stand ebenso auf dem Programm wie der gute alte „Kriminaltango” und ein Siw-Malmkwist-Potpourri.

Aber selten waren die Niederzierer so gerührt wie beim Hochzeitswalzer von Emmerich Kálmán. Für Thorsten Scholl und seine frisch angetraute Ehefrau Julia, beide frühere Schüler von Eva Maria Gaul, war´s nämlich tatsächlich einer. Sie hatten einen Tag vor dem Sommernachtskonzert geheiratet (selbstredend in der Wasserburg) und ließen im Dreivierteltakt die Zuhörer an ihrem Glück Teil haben, ehe im Anschluss an das zweistündige Jubiläumskonzert noch die Tanz- und Showband „Blue Diamonds” bis gegen Mitternacht im Rathausinnenhof zum Tanz aufspielte.