Düren: Musikalische Dürener Köpfe auf Schloss Burgau

Düren : Musikalische Dürener Köpfe auf Schloss Burgau

Dass Düren im kulturellen Bereich nicht zu unterschätzen ist, bewies das Lied-Duo, bestehend aus Anna Fischer und Theo Palm, eindrucksvoll am Freitagabend. Im Zuge der 19. Dürener Kulturtage auf Schloss Burgau präsentierten sie Werke von Max von Schillings.

Von Schillings, seiner Zeit neben Richard Strauss einer der führenden deutschen Komponisten, stammt ursprünglich aus Gürzenich und ergänzt somit die Riege der Dürener Köpfe, die auf den Kulturtagen dargestellt werden. Fischer und Palm zeigten an diesem Abend neun Stücke und das Melodram „Hexenlied“ von 1902.

Die Stücke reichten von den Anfängen bis zu den zwei letzten Liedern Max von Schillings, die er kurz vor seinem Tod komponiert hatte. „Es geht uns darum, den Bogen zu spannen zwischen den neuen und alten Stücken. Es ist ganz klar eine Entwicklung zu erkennen“, beschrieb Anna Fischer die Auswahl der Lieder des Abends. Zwischen den Stücken erzählte Theo Palm die Lebensgeschichte Schillings und schnitt dabei auch die heikle Zeit des Nationalsozialismus an.

Reise in von Schillings Lebenszeit

Nach seinen großen Erfolgen mit der Oper „Mona Lisa“, die zu seinen Lebzeiten bereits 2000 Mal aufgeführt wurde, und der Zeit als Generalmusikdirektor am Königlichen Hoftheater Stuttgart und Generalintendant an der Preußischen Staatsoper, wurde Max von Schillings nach seinem Tod jedoch zu einem Tabuthema. In seinen letzten Jahren bekleidete er die Rolle des Präsidenten der Berliner Akademie der Künste und beugte sich dem Wunsch nach Gleichschaltung der Mitglieder, um die Schließung der Akademie zu verhindern.

Von diesen erzwungenen Austritten und Ausschlüssen waren vor allem jüdische und unangepasste Künstler wie Käthe Kollwitz und Heinrich Mann betroffen. Ihr Schicksal teilten allerdings auch Ricarda Huch, Alfred Döblin, Thomas Mann, Max Liebermann, Arnold Schönberg und Franz Schreker. Dieses Verhalten von Schillings wirft einen Schatten auf seine Werke und lässt sie allmählich in Vergessenheit geraten. Das Duo Fischer-Palm allerdings hält die Qualität seines musikalischen Schaffens für zu gut, um dies zuzulassen. Beide Künstler widmen sich in ihrem Programm dem Wieder- und Neuentdecken vergessener oder unbekannter Künstler.

Fischer begeisterte an diesem Abend nicht nur mit ihrem gesanglichen Können, sondern auch mit ihrem Vortrag des Melodrams, einem gesprochenen Text der mit Musik unterlegt wird, um die innere Dramatik hervorzuholen. Theo Palm begleitete sie an diesem Abend auf dem Klavier und spielte mit leidenschaftlicher Hingabe die anspruchsvollen Stücke von Schillings. Besonders die letzten zwei Klavierstücke von Schillings erinnerten an Jazz.

Sie stellten einen klaren Stilbruch zu den anderen eher romantischen Werken dar. „Es ist toll diese Werke zu präsentieren“, schwärmte Palm. „Man muss sich blind verstehen“, ergänzte er weiter. Anna Fischer war es an diesem Abend wichtig, die Texte der Stücke auswendig zu können. „Vor den Auftritten brauche ich viel Ruhe für die Konzentration“, sagte sie. „In den Stücken selbst gibt es genug Spielraum für eigene Interpretationen, besonders bei dem Hexenlied ist das möglich.“

Ihre Interpretation kam gut an. Gritli Hammans gefiel es sehr: „Ich bin hier, weil ich etwas über Max von Schillings wissen wollte. Mein Schwiegervater hat früher von ihm erzählt. Er kannte ihn noch persönlich“, sagte sie. Informationen und musikalische Eindrücke gab es für sie an diesem Abend genug.