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Düren: Musik-Bonbons und Edelsteine

Düren : Musik-Bonbons und Edelsteine

Rund 600 Zuhörer füllten mit großen Erwartungen die Christuskirche, um den berühmten René Kollo zu hören.

Dessen überwältigende Karriere in ungezählten Rollen hat ihn über Jahrzehnte auf den bedeutendsten Bühnen der Welt zum Star der großen Oper und der leichten Muse gemacht.

Das Dürener Programm bot dem Publikum eine vielseitige Fülle der kleinen Form, für den Heldentenor vielleicht das Schwierigste: musikalische Bonbons und Edelsteine von 24 Komponisten.

Eine Trioleistung

Angekündigt war das „Festliche Konzert” als eines auf der zweiten Solo-Tournée. Eigentlich sind die Konzerte in 17 deutschen Kirchen aber eine Trioleistung, denn Startenor Kollo glänzt in der Troika mit Orgel und Sängerin, im Wechsel und Duett mit der jungen Sopranistin Nina von Möllendorff, an der Orgel begleitet von Wolfgang Wedel, der achtmal mit solistischen Zwischenspielen die Abfolge stimmungsvoll strukturierte.

Zuerst wenig Wärme

Mit Bedacht schien René Kollo seine sachlich zurückhaltende Ansage der Stücke bei der Begrüßung mit dem Hinweis auf das stürmisch-raue Wetter draußen zu beginnen.

Denn mit Max Regers und Hugo Wolfs Liedern wehte noch wenig Wärme durch den Raum, obwohl Kollo „Mariä Wiegenlied” erzählend unprätentiös und leicht artikulierte. Auch der Bezug zur ausklingenden Weihnachtszeit schuf keine Atmosphäre: Zu rasch folgte auf die kurzen Stücke die Beifallsunterbrechung.

Doch alle Künstler wuchsen mit der Programmfolge und dem also verdient anschwellenden Applaus. Nicht alles war so überzeugend wie Kollos innige Selbstverständlichkeit in Stradellas „Pieta Signore”, sogleich gefolgt von Monteverdis „Lasciatemi morire”. Mit der dramatischen Fülle in Richard Wagners „Gebet des Rienzi” gestaltete er wirkungsvoll den Abschluss des ersten Teils.

Nach der Pause waren Wohlklang in „Caro mio ben” (Giordani) und Händels „Largo” sowie Bravourtöne in „Still wie die Nacht” besonders bemerkenswert. Mit dem ergreifenden Pathos von „Selig sind, die Verfolgung leiden” aus Kienzls „Der Evangelimann” fand Kollo für sich den stärksten Nachhall.

Die Freundlichkeit des Meisters und der strahlende Charme der Sopranistin Nina von Möllendorff bescherte ihren Auftritten Sonderapplaus, gefolgt von der gesteigerten Sympathie nach ihrem Gesang: dem beseelten „Panis Angelicus” (C. Frank), dem makellos liedhaften „Sebben crudele”, Gounods hingebungsvollem „Ave Maria” und zuletzt dem hinreißend schönen und glockenklaren „Solveigs Lied” von Edvard Grieg.

In ihren Duetten und im Wechselgesang gewannen Tenor und Sopranistin vollends die Herzen der Zuhörer: „Drum sing ich mit meinem Liede” aus Mendelssohn-Bartholdys „Lobgesang”, vor allem mit drei von Johannes Brahms vertonten Volksliedern und schließlich mit der Zugabe „Der Mond ist aufgegangen”.

Obwohl vielleicht die Orgel nicht immer das geeignete Begleitinstrument für alle Stücke war, bot Wolfgang Wedel eine vielseitige Leistung zur brillanten Festlichkeit im Kirchenraum. Hervorzuheben etwa die fugischen Passagen, die starken Register in Mendelssohns „Andante und Variation D-Dur” und Rheinbergers glänzendes „Intermezzo” als Teil des erlebnisreichen Konzerts.