Bergstein/Brandenberg: Motorsegler-Pläne stoßen auf Gegenwind

Bergstein/Brandenberg : Motorsegler-Pläne stoßen auf Gegenwind

Der Luftsportverein Düren-Hürtgenwald (LSV) plant, seinen Flugplatz für Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge zu öffnen. Seit 1971 ist der LSV Teil der Vereinslandschaft in der Gemeinde und betreibt in Bergstein ein Segelfluggelände.

Um die Ausbildungsmöglichkeiten der Flugschüler zu verbessern und Alternativen zum Segelflugbetrieb zu finden, erwägt der Verein, beim zuständigen Luftamt der Bezirksregierung Düsseldorf eine Flugplatzerweiterung zu beantragen. Im Sommer fand bereits ein Probebetrieb mit einem Motorsegler statt. Beschwerden bei der Gemeindeverwaltung gab es keine. Doch in der Bevölkerung von Bergstein und Brandenberg stoßen die Überlegungen des Vereins offenbar auf Widerstand.

Unterschriftensammlung

„Mit dem geplanten Flugbetrieb nimmt die Lärmbelästigung erheblich zu“, befürchtet Waldfried Thomas. Er ist Sprecher einer Bürgerinitiative, die bereits mehr als 30 Unterschriften bei den Anwohnern des Geländes gesammelt hat. Die Unterschriftensammlung soll auf die Orte Bergstein und Brandenberg ausgeweitet werden. Die bisherigen Mitglieder der Bürgerinitiative befürchten „eine Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität“, sagt Waldfried Thomas.

An den Dieselmotor, der die für Starts benötigte Seilwinde antreibt, und das Flattern des Bremsfallschirmes, wenn das Seil ausgeklinkt wird und wieder zu Boden segelt, hätten sich die Anwohner gewöhnt. Weitere Beeinträchtigungen seien jedoch nicht zumutbar. „Die Anzahl der Flugzeuge wird steigen. Hinzu kommen noch die auswärtigen Flieger, die den Platz als Ziel oder für Zwischenlandungen nutzen werden“, ist die BI überzeugt.

Auch müsse mit erhöhtem Verkehr auf den Zufahrtsstraßen gerechnet werden. „Die Lärmbelästigung ist erst recht für die unmittelbar Betroffenen wegen der Nähe der Start- und Landebahn zur Wohnbebauung erheblich“, fürchtet Thomas. Die BI will überprüfen lassen, ob der Abstand nicht ohnehin zu gering ist.

Der Testbetrieb im vergangenen Sommer ist aus Sicht der Initiative nicht aussagekräftig. „Es gab einige Starts eines Motorseglers am Westende des Platzes, auf der ortsabgewandten Seite“, berichtet Thomas. Da dieser Testbetrieb im Rahmen des jährlichen Sommerlagers stattfand, hätten sich die Anwohner nichts dabei gedacht. „Wir hätten gerne mehr Informationen bekommen“, sagt der Sprecher. Kurze Hinweise bei Gemeinderatssitzungen seien nicht ausreichend.

„Wir nehmen die Bedenken aus der Bevölkerung ernst und werden mit den Bürgern das Gespräch suchen“, sagte Ralf Pirig, Vorsitzender des Luftsportvereins Düren-Hürtgenwald auf Anfrage unserer Zeitung. Bislang sei noch kein Antrag auf Erweiterung gestellt. Im Rahmen einer Platzsanierung sei aber im Februar das Gespräch mit der Bezirksregierung gesucht worden. Im Rahmen eines Ortstermins müsse zunächst die Eignung des Geländes überprüft werden, nach Abschluss der erforderlichen Gutachten soll es einen „Runden Tisch“ mit Behördenvertretern und der Gemeinde geben. Die Zulassung für Motorflugzeuge werde auf „wenige Flugzeuge begrenzt“, diese würden „erhöhte Lärmschutzbedingungen erfüllen. „Einen Hobby-Flugzeug-Tourismus wird es nicht geben“, verspricht er.

Sollte die Erweiterung genehmigt werden, komme zunächst der Motorsegler der befreundeten „Philips Fluggruppe“ zum Einsatz, der weiterhin in Aachen-Merzbrück beheimatet bleibt. Dieser Flieger war auch während des Sommerlagers in Bergstein. Im Rahmen des Probebetriebs habe es an sieben Tagen 33 Starts und Landungen gegeben — auch auf der östlichen Hälfte des Platzes. Die Ortsvorsteher beider Orte hätten sich auf dem Flugplatz ein Bild von der Lage gemacht, Ruhestörungen seien nicht gemeldet worden. Bei einer Erweiterung werde der Flugbetrieb aber auf die westliche Platzhälfte beschränkt, die Platzrunde werde so geplant, dass es zu keinen direkten Überflügen der beiden Orte komme.

Ralf Pirig kann nicht ausschließen, dass nach einer gewissen Zeit auch zwei oder drei Maschinen in Bergstein zum Einsatz kommen. Innerhalb des Probezeitraums kam es rechnerisch zu 2,3 Starts pro Tag. Bei einer dauerhaften Genehmigung „rechnen wir aber mit einer geringeren Größenordnung“. Der Segelflug bleibe „Schwerpunkt der fliegerischen Aktivitäten“.

Der Einsatz eines Motorseglers sei aber Teil der Flugausbildung. Bisher mussten die Schüler, die meist noch zu jung für einen Führerschein sind, dafür nach Aachen gefahren werden. Auch sei der Segelflug sehr zeitaufwendig. Viele Flieger würden daher auf den Motorsegler und Ultraleichtflieger umschulen, um das Hobby mit weniger Zeitaufwand fortführen zu können. Von einer Erweiterung des Angebots erhofft der Verein auch Mitgliederzuwächse.

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