Aachen/Düren: Mord an 79-Jähriger: Ein Einbruch, der aus dem Ruder lief?

Aachen/Düren: Mord an 79-Jähriger: Ein Einbruch, der aus dem Ruder lief?

Die Verteidiger im Mordprozess gegen den Dürener Angeklagten Anton P. (45) und seine Schwester Lydia G. (48) sind sich völlig uneins in ihren Plädoyers. Die Geschwister belasteten sich auf dem Umweg über ihre Anwälte sogar gegenseitig.

Am 28. Hauptverhandlungstag in dem Verfahren vor dem Aachener Schwurgericht um den Tod einer 79-jährigen Dürenerin, die in ihrer Wohnung ausgeraubt und ermordet wurde, konnte am Freitag die Beweisaufnahme geschlossen werden. Diverse Anträgen waren zuvor gestellt worden, und neue Gutachten des Rechtsmediziner zu der Verteilung von Blutspritzern in der Küche des Opfers wurden gehört.

Dabei geht es vor allem um die Einschätzung, ob der Tod der relativ begüterten Dame sozusagen als Betriebsunfall eines aus dem Ruder gelaufenen Einbruchs betrachtet und als solcher juristisch gewertet wird, oder ob es, wie Staatsanwalt René Gilles in seinem Plädoyer bekräftigte, bei einem Verdeckungsmord und einer schweren Brandstiftung begangen durch Anton P. bleibt. Gilles forderte lebenslänglich für Mord, dazu acht Jahre für die schwere Brandstiftung. Anton P. hatte die Wohnung angezündet, um Spuren zu verwischen.

Am 10. Mai 2012 war Anton P. in die Wohnung der 79-Jährigen eingedrungen. Er wollte Schmuck und Bargeld stehlen, wurde von der Dame überrascht und festgehalten. Er habe sich von ihr befreien wollen, sagte Verteidiger Björn Hühne und sie dabei mit einer Gewürzmühle niedergeschlagen. Keineswegs habe P. die alte Dame töten wollen, im Gegenteil, der gewohnheitsmäßige Einbrecher habe sein Opfer wiederbeleben wollen und der Dame mit dem Druck auf den Brustkorb so geschadet, dass sie verstarb. Also, so der zweite Verteidiger Peter Nickel, sei P. wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen.

Anton P. hatte ausgesagt, dass seine Schwester ihm sowohl den Tipp gegeben, wie auch als weitläufige Bekannte des Opfers an dem Tattag die alte Dame aus der Wohnung lockte. Das bestreiten ihre Verteidiger, sie selber sagte bislang nichts zu den Vorwürfen. Anwalt Harry Völker warf dem Bruder und seinen Anwälten vor, man habe diese Version zurechtgezimmert, um vom Mordvorwurf herunterzukommen unter dem Motto, der Schwester passiere schon nichts. Sie war wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, jetzt aber soll sie wegen Beihilfe zum Diebstahl zu drei Jahren Haft verurteilt werden. Das Urteil wird am kommenden Freitag um 10 Uhr im Aachener Landgericht gesprochen.

(wos)
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