Düren: „Mona Lisa“-Turm: Ein Ort der Erholung und des Schaffens

Düren: „Mona Lisa“-Turm: Ein Ort der Erholung und des Schaffens

Die Szenerie ist wildromantisch: Im Schillingspark in Düren stehen verschiedene Bauwerke, darunter der „Mona Lisa“-Turm. Der königliche Oberförster Timotheus Josef Schillings war es, der Anfang des 19. Jahrhunderts den Park nach englischem Vorbild anlegte.

Der Förster hatte zwei Enkelsöhne: Der eine, Carl Schillings, wurde als Afrikaforscher berühmt, und der andere, Max von Schillings, als Komponist, Dirigent und Generalmusikdirektor. Im August 1913 zog sich der Komponist, der in Bonn und Düren seine musikalische Ausbildung erhalten hatte, im kleinen Turm im Schillingspark zurück. Immer wieder war der Weyerhof in Gürzenich für ihn ein Ort der Erholung und des Schaffens. Vielleicht schweifte sein Blick minutenlang über den See, als er mit den ersten Takten zu einer neuen Oper begann, die er „Mona Lisa“ taufte.

Als Grundlage für die Oper, in der es um eine dramatische Dreiecksbeziehung geht, diente dem damals 43-jährigen Musiker das Buch „Mona Lisa“, geschrieben von der temperamentvollen Autorin und Schauspielerin Beatrice Dovsky. Inspiriert wurde die Autorin, als das berühmte Lächeln aus dem Louvre 1911 auf geheimnisvolle Weise verschwand und während der Entstehung der Schillings-Oper dem italienischen Kunsthändler Alfredo Geri in einem Brief angeboten wurde. Absender des mit „Leonardo“ unterschriebenen Dokuments war der Italiener Vincenzo Peruggia.

Aus dem Louvre gestohlen

Er hatte das Frauenporträt mit dem wohl berühmtesten Lächeln der Welt 1911 aus dem Louvre gestohlen. Max von Schillings fesselte der Inhalt des Buches und er zog sich in den großen Raum des Turmes im Schillingspark zurück, in dem damals ein Flügel stand. Sechs Wochen lang arbeitete er ununterbrochen, fügte Ton an Ton.

Am 4. Oktober war es geschafft, die gesamte Skizze zur Oper in zwei Akten mit Vor- und Nachspiel war geschrieben. Max von Schillings soll damals formuliert haben: „Ich muss bekennen, dass bei keiner meiner Kompositionen ich mich innerlich so erregt und angespannt fühlte wie bei der Niederschrift der ,Mona Lisa‘“.

Die Partitur erhielt in den dann folgenden Monaten Gestalt und im Juli 1914, als der Erste Weltkrieg ausbrach, war das ganze Werk so gut wie fertig.

Aufgrund von Kriegswirren und Krankheit musste die Uraufführung aufgeschoben werden. Am 26. September 1915 war es in Stuttgart jedoch soweit, und wider Erwarten wird das Musikwerk „Mona Lisa“, mitten im Krieg, ein sensationeller, internationaler Erfolg. Die heftige seelische Erregung, die der Komponist beschreibt, als er die Oper aus der Taufe hob, überträgt sich auf die Zuhörer. 1912 wurde Max von Schillings in den Adelsstand erhoben, zu seinem wohl größten beruflichen Erfolg zählte die Intendanz der Städtischen Oper Berlin und das Amt des Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste.

Kurz vor seinem Tod näherte sich der studierte Musiker und Jurist den Nazis an, was ihm nach dem Zweiten Weltkrieg angekreidet wurde. Max von Schillings starb 24. Juli 1933 in Berlin an einer Lungenembolie infolge einer Darmkrebs-Operation. Seine Urne wurde in Frankfurt am Main beigesetzt. Der Schillingspark in Düren öffnet immer mal wieder seine Türen für Besucher. Dann kann das Mona Lisa-Häuschen in Augenschein genommen werden.

Eine Klang-Kostprobe der Oper „Mona Lisa“ gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=BxwABWddyGc

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