Düren: Mit Rückenwind purzeln gleich zwei Weltrekorde

Düren: Mit Rückenwind purzeln gleich zwei Weltrekorde

Tobias Steinhauer, der Mann aus Brügg in der Schweiz, hatte es gleich gemerkt. Kaum hatte der Kirschkern seinen Mund verlassen, sprintete der Weltmeister von 2002 die Bahn entlang — fast so, als wolle er den Kern noch einmal beschleunigen. Doch das brauchte er gar nicht.

Der mit den Zähnen rundgeknabberte Kern rollte und rollte und rollte und blieb schließlich bei exakt 22,52 Meter liegen. Weltrekord!

Erst spuckte Andrea Kuck den Kirschkern bei den Frauen auf die neue Weltrekordweite von 16,01 Meter, dann mussten die Mitarbeiter des Vermessungsamtes bei den Männern genau hinsehen. Der Kern von Thomas Steinhauer (r.) blieb bei der neuen Bestweite von 22,52 Meter liegen. Foto: Abels

14 Jahre hatte die alte Bestweite des gebürtigen Hürtgenwalders Oliver Kuck (21,71 Meter), der diesmal mit immer noch sehr guten 21,20 Meter vor dem Aachener Ludwig P. (20,38 m) Zweiter wurde, gehalten. Jetzt war sie Geschichte. Mit seinem letzten Versuch in der Endrunde hatte der jubelnde Schweizer das Ergebnis der Vorrunde auf den Kopf gestellt. 100 Euro Kirmesgeld und ein Pokal des Zeitungsverlags Aachen waren ihm sicher. Dass er bei seinem Rekordversuch auch ein wenig von einer Windböe profitiert hatte, war Nebensache. Rückenwind wird bei dem seit 1974 immer am Eröffnungssamstag der Annakirmes ausgetragenen Juxwettbewerb schließlich noch nicht gemessen.

Am meister geärgert haben dürfte sich Rekordweltmeister Hans-Peter Iven. Der achtfache Champion aus Gürzenich musste bereits nach der Vorrunde die Segel streichen, nahm dann aber noch einmal einen Kern in den Mund, der bis an die 23-Meter-Marke kullerte. Zu spät. Den vermeintlichen Rekordkern hat Iven aber sichergestellt. „Den hebe ich mir fürs kommende Jahr auf.“

Auch bei den Frauen gehört die ebenfalls im Jahr 2003 aufgestellte Weltrekordweite von 15,24 Meter der Vergangenheit an. Zunächst katapultierte sich die bisherige Rekordhalterin, die Schweizerin Conchita Kohler, in der Vorrunde mit der neuen Bestweite von 15,66 Meter an die Spitze, ehe Andrea Kuck in der Endrunde noch einen drauf setzte. Die Ehefrau von Oliver Kuck spuckte den Kern mit Rückenwind auf 16,01 Meter, so dass am Samstag zumindest ein Weltrekord wieder mit zurück ins rheinland-pfälzische Ober-Hilbersheim ging, wo Familie Kuck seit vielen Jahren lebt. Dritte hinter Conchita Kohler wurde die Dürenerin Sabine Farwick mit 13,37 Meter.

Und auch bei den Junioren ging der Titel an die Familie Kuck. Sohn Timon, 13 Jahre alt, setzte sich mit 15,37 Meter gegen Vorjahressieger Jonas Ekat durch, der sich zwar um mehr als vier Meter gesteigert hatte, mit 15,09 Meter aber dennoch geschlagen geben musste. Dritter bei den Junioren wurde Elias Winter mit 14,92 Meter.

Nach dem Rekordfestival müssen die Verantwortlichen jetzt wohl ernsthaft über die Anschaffung einer neuen Spuckbahn nachdenken. Die vorhandene endet bei 25 Meter. Eine Marke, die mit ein wenig Glück und einer kräftigen Böe vielleicht schon im kommenden Jahr auf dem Hundesportplatz hinter der Achterbahn fallen könnte. Hans-Peter Iven will auf jeden Fall noch einmal angreifen.

(ja)
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