Düren: Mit Herzstillstand bessere Chancen in Holland

Düren: Mit Herzstillstand bessere Chancen in Holland

„Wenn Sie jemals einen plötzlichen Herzstillstand erleiden sollten, dann wäre es besser, wenn sie zu dem Zeitpunkt in Holland sind“, sagt Dr. Detlef Struck. Denn bei den niederländischen Nachbarn sei jeder zweite Mensch bereit und in der Lage, in einer solchen Notsituation zu helfen. In Deutschland seien es gerade einmal bescheidene 15 Prozent der medizinischen Laien.

„Diese Zahlen sind erschreckend“, sagt der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Düren. „Vor allem, wenn man weiß, wie rapide die Überlebenschancen sinken, wenn bis zum Eintreffen der Rettungskräfte nicht mit den Reanimationsmaßnahmen begonnen worden ist.“

Deswegen macht sich Struck, der auch Anästhesist im Krankenhaus Düren ist, für die Kampagne „100 Pro Reanimation“ stark. Deutschlandweit wird die Erste Hilfe in dieser Woche in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt (siehe zweite Lokalseite). „Die Menschen haben immer Angst, etwas falsch zu machen, und sehen schon die Polizei vor der Türe stehen“, weiß Struck. Aber man könne in einer solchen Situation nur gewinnen. Ein Leben.

Der Mediziner selbst hat, als er kürzlich privat ein Konzert besuchte, einen Mann erfolgreich reanimiert — und ihm dabei eine Rippe gebrochen. „Lieber mit einer gebrochenen Rippe weiterleben als mit intakten Rippen sterben“, fasst Struck zugespitzt zusammen.

Er rät den Menschen, Schauergeschichten nicht zu glauben. Gehört und selbst erlebt hat er allerdings schon häufiger die positiven Effekte einer Reanimation vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes. „Jeder Notarzt kann positive Beispiele nennen“, weiß Struck.

„Sofortige Reanimationsmaßnahmen sind elementare Bausteine für die Rettungskette. Sie verdoppeln bis verdreifachen die Chance, dass der Betroffene überlebt.“ Damit diese künftig noch häufiger angewendet werden, zeigen Ärzte der Dürener Krankenhäuser mit dem Deutschen Roten Kreuz, Malteser Hilfsdienst und der Feuerwehr Düren am Freitag auf dem Dürener Markt, wie man Leben retten kann.

„Prüfen, Rufen, Drücken“, ist die Botschaft, die die Mediziner den medizinischen Laien mit auf den Weg geben würden. Zum Prüfen gehört, dass der Helfer den Patienten anspricht, schaut, ob er reagiert und ob er atmet. „Dann muss er die 112 rufen und anschließend mindestens 100 Mal pro Minute fest auf die Mitte des Brustkorbs drücken — solange, bis Hilfe eintrifft“, erklärt Struck, und fügt hinzu: „Das ist anstrengend, aber lebensrettend.“

Aber was ist aus dem Beatmen geworden? „Wer das kann, sollte das natürlich auch tun“, sagt Struck. Das Beatmen ist aber so etwas wie die Kür, das Drücken die Pflicht. „Das Blut ist noch mit Sauerstoff angereichert. Daher ist es zunächst wichtig, dass es weiter im Körper zirkuliert“, erklärt der Mediziner. Untersuchungen hätten ergeben, dass das Drücken für die ersten Minuten ausreichend sei.

Und mit dieser Erkenntnis könnte auch die Hemmschwelle für Ersthelfer sinken. Detlef Struck hofft, dass mehr Menschen bereit sind, Erste Hilfe zu leisten, wenn der „Ekelfaktor“ der Mund-zu-Mund-Beatmung weniger im Vordergrund steht.

Zum Helfen motivieren

„Denn seien wir ehrlich: Schön ist es nicht, jemanden zu beatmen“, sagt Struck. Wer sich in der Lage sehe und sich traue, sollte 30 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen ansetzen. Der Arzt rät, in diesem Fall, ein Loch in ein Taschentuch zu machen, um es dazwischenlegen zu können.

„Es gibt auch Spezialfolien als Schlüsselanhänger“, weiß der Mediziner. Eine Pflicht, das Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig aufzufrischen, sieht Struck skeptisch. Sie könne kontraproduktiv sein. Sein Anliegen: „Die Menschen sollen motiviert sein zu helfen.“ Motivieren wollen die Mediziner morgen auf dem Dürener Markt. Sie wollen Kinder, Jugendliche und Erwachsene erreichen.

Schon Jugendliche in einem Alter von 13 bis 14 Jahren sind laut Struck kräftig genug, um eine Reanimation durchzuführen. Und um die Hemmschwellen noch weiter zu senken, will Stuck künftig stärker in Schulen aktiv werden und Kinder früh mit dem Thema vertraut machen. Mehr zum Aktionstag: Seite 16