Nideggen: Mit einem Tastmodell die Stadt kennenlernen

Nideggen: Mit einem Tastmodell die Stadt kennenlernen

Die Idee ist einfach, aber gut: Als Bildhauer Egbert Broecken aus Elver bei Soest mit Kindern einer Blindenschule eine Führung durch Münster machte, stellte er fest, dass ziemlich schwierig ist, blinden und sehbehinderten Menschen monumentale Bauwerke wie den Münsteraner Dom zu erklären.

Da kam Broecken der Gedanke, blinden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen etwas an die Hand zu geben, damit sie Eindrücke von Größenverhältnissen von Straßen und Bauwerken bekommen können. Das Tastmodell war geboren. Das erste Modell erstellte Egbert Broecken für Münster, fünf weitere Stadtteilmodelle sind heute in der westfälischen Stadt zu finden. Blinde, aber auch sehende Menschen sind fasziniert von den Arbeiten, die der Künstler an mittlerweile über 120 Standorten in ganz Deutschland platziert hat. Die Modelle stehen zwischen Hamburg und Bayreuth, zwischen Aachen und Dresden, in der Schweiz und in den Niederlanden.

In etwa einem Jahr soll ein solches Tastmodell auch auf dem Marktplatz der Stadt Nideggen zwischen Linde und Springbrunnen stehen. Das Modell soll die Nideggener Altstadt, Kirche und Burg darstellen. Die Stadt wird nach Absprache mit den Auftraggebern und dem Künstler einen zum historischen Ambiente passenden Sockel für die Arbeit bauen lassen.

Heinrich Krantz, einer der Initiatoren der Bronzeskulptur, Mitglied des Lions-Clubs Kreuzau-Rureifel und selbst Nideggener Bürger, hatte vor einiger Zeit von der Idee einer Tastskulptur für Nideggen gehört. Er setzte sich mit den Verantwortlichen des „Heimat- und Geschichtsvereins“ zusammen und klopfte an die Tür des Rathauses, aus dem ihm ein dickes „Ja“ entgegenkam. Seine Kollegen im Lions-Club waren schnell überzeugt. Jetzt galt es „nur“ noch, Sponsoren für dieses im Kreis Düren bisher einmalige Projekt zu finden. Und sie wurden gefunden, so dass jetzt dem renommierten Künstler Egbert Broecken der Auftrag erteilt werden konnte.

Im nächsten Jahr, die Verantwortlichen planen schon die Modalitäten für ein festliches Aufstellen des Tastmodells, werden dann Blinde und Sehende die Skulptur mit den Ausmaßen 120 mal 130 mal 80 Zentimeter im Maßstab von 1 zu 600 auf dem Marktplatz in Nideggen bewundern und ertasten können. Kosten wird das Werk ohne Sockel nach jetzigen Berechnungen rund 29.000 Euro.

Begrüßt wurden die Gäste bei der Präsentation des Projekts von Bürgermeisterin Margit Göckemeyer und Landrat Wolfgang Spelthahn in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kuratoriums der „Kultur- und Naturstiftung der Sparkasse Düren“. Mit im Sponsoren-Boot sitzen die Victor Rolff-Stiftung und Dürener Industrieunternehmen.

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