Düren/Dortmund: Mit dem Tanzstil der Bronx bis in die Westfalenhalle

Düren/Dortmund: Mit dem Tanzstil der Bronx bis in die Westfalenhalle

Lampenfieber gehört zum Show-Business dazu. Ardit kennt sich damit aus, er stand schließlich schon das ein oder andere Mal auf der Bühne. Der Elfjährige ist ein aufgeweckter Kerl, und so schnell verschlägt ihm nichts die Sprache. Vor zwei Wochen allerdings haben seine Kollegen der Tanztruppe „East-Breaker“ eine völlig neue Seite an Ardit kennengelernt.

Angesichts der schieren Größe der Dortmunder Westfalenhalle verfiel der Dürener in ein tiefes, ehrfürchtiges Schweigen.

„Ich bin extra vorausgelaufen, um seinen Gesichtsausdruck zu sehen, wenn er in den Innenraum kommt“, erzählt sein Trainer Fred Krutsch. Der junge Mann lacht. Es muss sich gelohnt haben. „Vier Wochen lang habe ich den Kleinen bei den Proben erzählt, wie groß die Halle ist“, blickt er zurück. Vier Wochen lang habe die Antwort „Ja, ja“, gelautet. Und dann kam der Auftritt in Dortmund, vor fast 10.000 Zuschauern. Es war: einfach riesig für die „East-Breaker“. Vom Jugendfreizeitheim Düren-Ost haben sie den Sprung auf die Bühne der Westfalenhalle geschafft, mit ihrem Auftritt wurde das Finale der deutsch-türkischen Kulturolympiade eröffnet.

Vielleicht war es ein Stück weit Zufall, dass Germaine, das einzige Mädchen in der Truppe, Ardit, Bibo, Mehwan, Djemail, Lucas, Daniel und Justin aus dem Dürener Osten diese Erfahrung machen duften. Unzweifelhaft war aber auch eine Portion Können dabei: Talentsucher aus Köln stießen auf ein Video der Dürener im Internet — und wollten sie einmal live beim „Breakdance“ erleben. Dieser Tanzstil ist in den 70er Jahren auf den Straßen des New Yorker Stadtteils Bronx entstanden. Die Talentsucher nahmen Kontakt zu Mehwan und Justin auf, die beide die Hauptschule Burgauer Allee besuchen, und schnell kristallisierte sich heraus, dass die ganze Truppe der „East-Breaker“ bald einen besonderen Auftritt haben sollte: in der Arena Kreis Düren.

Dort fand der regionale Vorentscheid der Kulturolympiade statt, bei der deutsche und türkische Muttersprachler in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antraten und die jeweils andere Kultur vorstellten. Die „East-Breaker“ gehörten zum Show-Programm und gefielen den Organisatoren so gut, dass sie auch zum Finale eingeladen wurden.

„Vor dreieinhalb Jahren hat sich die Gruppe im Jugendheim Düren-Ost gefunden. Hermann Bär und Fred Krutsch trainieren die „East-Breaker“ jeden Freitag im Keller der Fabrik für Kultur- und Stadtteil. Angefangen hatte alles ebenfalls mit einem Video. Ardit stolperte geradezu über den „Breakdance“, er sah die über den Boden und durch die Luft wirbelnden Tänzer, die akrobatischen Figuren der Choreographie. „Ich wollte das auch können“, sagt er. „Das sah cool aus.“

Der erste Schritt war es, seinen Kumpel Mehwan davon zu überzeugen, dass es Zeit werde, „Breakdance“ zu tanzen. Danach wuchs die Gruppe beinahe wie von selbst. Roberto Böhnke vom Jugendfreizeitheim fungierte sozusagen als ehrenamtlicher Manager der Gruppe — und organisierte einen Trainer und den notwendigen Raum. „Der damalige Trainer Francesco schaffte es, den Bewegungsdrang der Kinder und ihr Talent in Tanz zu verwandeln. Das war einfach toll“, blickt er zurück. Später übernahmen Fred und Hermann das Training.

Feste Regeln gibt es eigentlich nicht. Die Tänzer stehen im Halbkreis und jeder einzelne kann als Solist aus der Reihe tanzen. „Dieser Stil ist aus der Straßenkultur entstanden“, berichtet Fred. „Breakdance“ wurde ein gewaltfreies Ausdrucksmittel der Gangs, die sich zuvor noch in den Straßen bekämpft hatten. Mit immer spektakuläreren Bewegungen, Sprüngen und Figuren gilt es, die andere Seite zu übertrumpfen.

„Breakdance“ sei vor allem eines: harte Arbeit. Und gleichzeitig ein Ausdruck von Respekt und Hochachtung dem „Gegner“ gegenüber. „Nach dem ‚Battle’ herrscht wieder Friede. Die Jugendlichen gehen fair miteinander um“, hat Böhnke bei Wettbewerben beobachtet. Das harte Training habe bei den Kindern auch an anderer Stelle einen positiven Effekt: „Mir haben schon Lehrer gesagt, dass die Jungs viel mehr bei der Sache sind“, sagt er.