Düren: „Mini-Düria“: Müllmann kandiert als Bürgermeister

Düren: „Mini-Düria“: Müllmann kandiert als Bürgermeister

Nachdenklich sitzt Hannah vor dem Notebook. Die Neunjährige hat bereits einige Zeilen für die Abendausgabe der „Düria-Zeitung“ eingetippt. „Mein Artikel handelt von allem, das in ‚Mini-Düria‘ passiert“, sagt die Schülerin und zieht sich ihre selbstbemalte Kappe auf dem Kopf zurecht.

Zusammen mit 59 weiteren Kindern regiert Hannah von Montag bis Freitag die selbstgeschaffene Kinderstadt „Mini-Düria“ auf dem Abenteuerspielplatz in Düren.

Kinder an die Macht: Hannah Krohm schreibt einen Artikel für die „Düria-Zeitung“. Ihre Kollegen sind aus Recherchezwecken unterwegs. Robin Juhle will sich zur Bürgermeisterwahl aufstellen lassen, doch zuvor dreht als Müllmann mit dem Kettcar seine Runden. Foto: Wildermann

Während sie den Artikel tippt, sind ihre Kollegen auf dem Gelände unterwegs, recherchieren und machen Fotos. Marco ist der Betreuer der Zeitungsredaktion und der Druckerei. Er lernt die Kinder an — ansonsten haben sie völlig freie Hand und sollen das Blatt selbst gestalten.

Bevor die Jungen und Mädchen ein Leben wie die Erwachsenen führen können, erkundigen sie sich beim Arbeitsamt nach Jobs. Nähen, Blumen einpflanzen, Müll entsorgen oder sogar ein Boot bauen sind nur einige der diversen Arbeitsmöglichkeiten. „30 Minuten solltet ihr mindestens an einem Arbeitsplatz tätig sein“, erklärt Sabine Wagner (50), Leiterin des spielpädagogischen Dienstes der Stadt Düren, auf dem Dorfplatz.

Umsonst arbeiten die Kinder natürlich nicht. Für ihre Leistung bekommen sie Geld, das sie bei der eigenen Bank abholen können. „Düri“ heißt die Währung und zu Beginn bekommt jedes Kind einen buntbedruckten Fünf-Düri-Schein, wovon es Lebensmittel oder handgefertigte Dinge wie Perlenketten oder selbstgenähte Taschen kaufen kann.

Da eine Stadt auch ein Oberhaupt braucht, das die Interessen seiner Bürger vertritt, findet heute in „Mini-Düria“ auch eine Bürgermeisterwahl statt. „Doch vorher müsst ihr ordentlich Wahlwerbung machen“, sagt Sabine Wagner. Die Plakate werden in der Druckerei gefertigt. Jedes Kind, das Interesse an dem Posten hat, kann sich zur Wahl aufstellen lassen. Robin (11) wird das auch machen. Doch zuvor fährt er in seinem ersten Job als Müllmann, in orangefarbener Warnweste, mit einem Kettcar über den Platz.

Zur Eröffnung der Kinderstadt bringt Dürens Rathauschef Paul Larue (60, CDU) eine Flagge mit Wappen mit: „Jede Stadt braucht schließlich eine. Ich denke, dass ihr Mini-Düria ziemlich gut regieren werdet“, sagt er.

Der letzte Tag von „Mini-Düria“ wird mit einem Abschlussfest für die Eltern begangen.

(asw)
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