Düren: Mieter in Düren beschweren sich über Dreck und fehlende Schlösser

Düren : Mieter in Düren beschweren sich über Dreck und fehlende Schlösser

Michael Oellig zeigt auf die Eingangstür des Wohnturmes am Miesheimer Weg 3 in Düren. Es ist das rote Hochhaus, insgesamt stehen dort fünf Mietshäuser, in denen rund 900 Menschen wohnen. Das Viertel gilt als sozialer Brennpunkt. Oellig wohnt seit acht Jahren in dem roten Haus, seit Mitte 2016 hat die Eingangstür kein Schloss mehr, jeder kann rein — egal ob Mieter oder nicht.

„Wir fühlen uns hier nicht mehr sicher“, sagt der 42-Jährige. Beim Rundgang durch sein Haus zeigt er beschmierte Wände, zugemüllte Flure und Flurfenster, die keine Glasscheibe mehr haben. Oellig: „Das ist doch gefährlich, wenn da ein Kind rausklettert.“

sdsdsd. Foto: Sandra Kinkel

Drei der Wohntürme, auch der rote, gehören der BGP Immobilien GmbH, ein weiterer einer Eigentümergemeinschaft. Das schwarze Haus hat einen dritten Besitzer. Die Mieten sind günstig. Im siebten Stock des roten Hauses ist gerade eine 75 Quadratmeter große Wohnung frei, sie wird im Internet für 360,80 Euro Kaltmiete angeboten. Das bedeutet einen Quadratmeterpreis von 4,81 Euro. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum Oellig hier wohnt.

sdsdsd. Foto: Sandra Kinkel

„Meine Oma hat schon am Miesheimer Weg gewohnt, ich kenne das Viertel seit mehr als 30 Jahren. Die Gemeinschaft hat gestimmt. Früher war es richtig schön hier. Aber in den vergangenen Jahren hat sich sehr viel verschlechtert. Und von der Kampagne unserer Hausverwaltung ‚Wohnen unter dem Regenbogen‘ merken wir überhaupt nichts mehr.“

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Menschen vieler Nationen

BU. Foto: Sandra Kinkel

Vor vier Jahren hatte ein Graffitikünstler im Rahmen dieser Kampagne das Trafohäuschen im Auftrag der BGP Immobilienservice GmbH mit dem Slogan „Wohnen unter dem Regenbogen“ verschönert — unter anderem, um auf die Chancen aufmerksam zu machen, die Menschen vieler Nationen für eine Gemeinschaft sein können. „Dass wir multikulti sind, ist nicht unser Problem“, sagt Oellig. „Auch wenn es manchmal zwischen Gruppen zu Streitereien kommt. Unser Problem ist, dass hier alles vermüllt.“

Die BGP Gruppe hat auf Anfrage der „DN“ erklärt, den Hinweisen von Mietern schnell und zügig nachzugehen. „Die drei Objekte“, heißt es in einer Stellungnahme, „werden regelmäßig vom Hausmeister gesäubert.“ Die Eingangstüren würden seit Jahrzehnten beschädigt. „Sobald neue Schlösser eingebaut wurden, wurde das Schloss wieder herausgerissen.“ Deswegen würden seit Mitte 2016 keine neuen Schlösser mehr eingesetzt, um dem andauernden Vandalismus entgegenzuwirken.“

Zu den fehlenden Fensterscheiben heißt es: „Im Treppenhaus unserer drei Objekte werden die alten Holzfenster durch Kunststofffenster ersetzt. Bei Beschädigungen der alten Fenster werden diese normalerweise mit Spanplatten abgesichert, um im Rahmen der Instandhaltung bis zum Ende diesen Jahres ebenfalls durch Kunststofffenster ersetzt zu werden.“ Auch in Sachen Müll versucht BGP einzugreifen: „Die Mülltrennung wird an den Müllplätzen auf Schildern erklärt. Unser Hausmeister führt darüber hinaus täglich eine Nachsortierung durch. Spermüll wird wöchentlich von der Stadt und zusätzlich vom Hausmeister entsorgt“, erklärt das Unternehmen.

Weil nicht nur die Wohnsituation, sondern das gesamte Umfeld schwierig ist, gibt es seit zwei Jahren ein Quartiersmanagement. Mit dabei sind Vertreter der Stadt, der Interessengemeinschaft (IG) Miesheimer Weg, von BGP, der Pfarre St. Lukas und der Evangelischen Gemeinde. „Es gibt viele Ideen“, sagt Christa Ohrem von der IG. „Aber es passiert zu wenig.“ Auch Ohrem sagt, dass sich Vieles zum Negativen gewandelt hat. „Sicher liegt das an den Leuten, die hier wohnen. Die Mieter sind zum Teil selbst für Missstände verantwortlich. Wir haben auch immer wieder versucht, mit den Leuten zu sprechen. Ohne Erfolg.“

Simone Haupt arbeitet für die Pfarrge St. Lukas im Bereich mobile Jugendarbeit und betreut die Jugendlichen am Miesheimer Weg. „Das war immer ein sozialer Brennpunkt“, sagt sie. „Aber in den vergangenen zwei Jahren hat sich die Lage zugespitzt.“ Haupt spricht unter anderem von immensen Sprachproblemen, die es fast unmöglich machen würden, sich zu verständigen.

„Ich habe meinen Arbeitgeber um Verstärkung gebeten, weil die Situation am Miesheimer Weg so schwierig geworden ist.“ Schon vor zwei Jahren seien Konzepte entwickelt worden — zum Beispiel, um den Jugendplatz zu erneuern. Haupt: „Hier soll ein Fußballfeld entstehen. Aber es hapert an der Umsetzung.“ Zuständig für den Jugendplatz ist die Stadt. „Wir hören immer, dass es am Personal fehlt, weil die Projekte des Masterplans Vorrang haben“, sagt Haupt.

Wichtige Lage

Auch Dr. Inken Tintemann, Stadtplanerin vom Amt für Stadtentwicklung und Mitglied der Quartiersmanagement-Gruppe, weiß um die schwierige Situation am Miesheimer Weg, sieht aber gleichzeitig dort auch Potenzial und die wichtige Lage des Standortes für die Stadt Düren. „Die Wohnungen haben eine gute Größe und einen guten Schnitt. Außerdem ist der Miesheimer Weg auch so etwas wie das Eingangstor zur Stadt Düren, das es zu entwickeln gilt.“

Es sei den Verantwortlichen durchaus bewusst, dass am Miesheimer Weg etwas passieren müsse. „Man kann aber nicht sagen“, so Tintemann, „dass dieser Stadtteil völlig vernachlässigt worden ist .“ Es hätte bereits einen Prozess im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ gegeben. Tintemann: „Dieser Prozess wurde mit einer Stadtteilvertretung verstetigt, die über einen Fonds und die Beratung durch Gemeinwesenarbeit selbstständig handlungsfähig ist und seither auch Projekte umgesetzt hat.“

Außerdem seien Projekte wie der Jugendplatz in Bearbeitung und die finanziellen Mittel stünden bereit. Wann mit der Umsetzung begonnen wird, steht allerdings noch nicht fest.

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