Aachen/Düren: Mieter aus Wohnung geprügelt: Zeuge entlastet Täter

Aachen/Düren : Mieter aus Wohnung geprügelt: Zeuge entlastet Täter

Gegen die drei Angeklagten sprach am Dienstag der Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht ein mildes Urteil aus. Wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung bekamen Marcus V. (26), Alexander B. (26) und Andy B. (37) Strafen zwischen neun Monaten und einem Jahr und einem Monat auf Bewährung, alle drei müssen zudem jeweils 30 Sozialstunden innerhalb eines halben Jahres ableisten.

„Selbstjustiz ist eine ganz gefährliche Sache“, kommentierte der Vorsitzende Richter Markus Vogt die Taten der drei, die einer überforderten Vermieterin geholfen hatten, einen drogenabhängigen und nicht sehr kooperativen Mieter loszuwerden.

Das hatten sie am 24. Juli 2015 in der Wohnung des Geschädigten in Norddüren versucht, indem sie den Mann mit Pfefferspray und Schlägen dazu zwangen, eine Vertragsauflösung zu unterschreiben und die Wohnung zu verlassen. Dafür bekamen sie von der Dürener Vermieterin, die mehrere Wohnungen an schwierige Klientel vermietet hatte und als Verwalterin fungierte, 200 Euro.

Einer der Angeklagten war ebenfalls Mieter bei der Anstifterin. Sie habe den Drogenabhängigen anders nicht losbekommen können, hatte sie bereits vor dem Amtsgericht Düren zugegeben, dafür kassierte sie eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten. Den drei Männern drohte mehr: Zunächst war eine schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit Nötigung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Entsprechend beeindruckt waren die teilweise (leicht) vorbestraften Angeklagten — sie hätten sich keine Gedanken über ihr Tun gemacht.

Erst der letzte Zeuge drehte die Sache für das Trio: Ein ehemaliger Helfer der Vermieterin versicherte, dass er sehr wohl ein rechtskräftiges Kündigungsschreiben bei dem unliebsamen Mieter abgegeben hatte. Der jedoch hatte dies bestritten und sei von der Vermieterin zu Unrecht drangsaliert worden. Das führte letztlich zu den Übergriffen der drei Angeklagten, die ihn zwangen, die Auflösungserklärung zu unterschreiben.

„Die Angeklagten sind bis in den geschützten Bereich der Wohnung eingedrungen“, bekräftigte Vogt im Urteil. Auf der anderen Seite gehe das Gericht bei deen Angeklagten von einer „positiven Sozialprogose“ aus.

(wos)
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