Merzenich: Merzenicher „Kleidertreff“: Eine Anlaufstelle nicht nur für Flüchtlinge

Merzenich: Merzenicher „Kleidertreff“: Eine Anlaufstelle nicht nur für Flüchtlinge

Eine Winterjacke für Erwachsene für fünf bis zehn Euro, Kinderkleidungsstücke für 50 Cent bis maximal zwei Euro neben unzähligen Schuhen, Hosen, Hemden und Pullovern: Die Kleiderständer und -regale in der ehemaligen Schlecker-Filiale sind gut gefüllt.

Renate Schwartz und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter vom „Kleidertreff“ können sich über mangelnde Unterstützung aus der Bevölkerung wahrlich nicht beklagen: Im November 2015 im Rahmen der Flüchtlingshilfe gegründet, ist das von der Gemeinde angekaufte und den Ehrenamtlern kostenlos zur Verfügung gestellte Ladenlokal längst auch zur Anlaufstelle für Sozialschwache geworden, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen und froh sind, wenn sie für kleines Geld zwar gebrauchte, aber gut erhaltene Kleidung erwerben können.

Den „Kleidertreff“ Merzenich kann jeder aufsuchen, egal ob aus Merzenich oder aus den umliegenden Kommunen. „Wem wir helfen können, ist herzlich willkommen“, betont Renate Schwartz, schließlich sei auch bei vielen Deutschen oder seit Jahren in Deutschland lebenden Menschen die Not groß. Die Bedürftigkeit nachweisen muss niemand, der im „Kleidertreff“ einkaufen will.

„Flüchtlinge bekommen von uns eine Erstausstattung immer noch kostenlos“, erklärt Brigitte Thiedecke. Wie alle anderen aber müssen sie danach einen kleinen Obolus für die gebrauchten Kleidungsstücke zahlen. Geld, dass die „Ehrenamtler“ ohne Abzug der Flüchtlingshilfe in der Gemeinde Merzenich für Aktionen und Veranstaltungen zur Verfügung stellen, erklärt Renate Schwartz, beispielsweise für einen Mitmachzirkus.

Gleichzeitig ist der „Kleidertreff“ auch Treffpunkt geworden, zu einem Ort des Austausches und des Kennenlernens. In einer Ecke stehen Getränke und Sofas bereit.

Renate Schwartz und ihrem achtköpfigen Team ist es wichtig, dass die Kunden in den Regalen nur wirklich gut erhaltene Kleidungsstücke finden. „Ramsch kommt uns nicht in die Regale.“ Wenn wieder einmal eine Spende eintrifft, nehmen die Helferinnen jedes Stück genau unter die Lupe. Ist mal ein Reißverschluss kaputt oder muss eine Naht erneuert werden, greift Christel Jahn zur Nähmaschine. Haben die aussortierten Pullover, Hemden und Hosen lange Zeit im Schrank gelegen und riechen nicht mehr ganz so frisch, ist Brigitte Thiedecke zur Stelle. Viele Dutzend Maschinen hat sie bei sich zu Hause in den vergangenen Monaten gewaschen.

„Natürlich kommt es auch vor, dass uns Kleidungsstücke erreichen, die nicht mehr getragen werden können“, will Renate Schwartz nicht verhehlen. Aber auch dafür hat das ehrenamtliche Team des „Kleidertreffs“, zu dem auch ihr Mann Gottfried, Marion Jeltsch, Gaby Rainer, Yasmin Hamacher, Tamara Funder und Siglinde Elbern gehören, eine Lösung gefunden. Was aussortiert werden muss, geht an die Deutsche Kleiderstiftung, die mit den Kleiderspenden und den Erlösen aus der Verwertung seit mehr als 60 Jahren soziale Projekte im In- und Ausland unterstützt.

Aktuell sind die Regale zwar sehr gut gefüllt, selbst das eine oder andere Karnevalskostüm ist passend zur Jahreszeit im Angebot. „Nur an Jungenkleidung Größe 104, 110 oder 116 mangelt es derzeit“, erklärt Renate Schwartz und erhofft sich gerade hier noch die eine oder andere Spende. Andere Kleidungsstücke, Kinderspielsachen und -bücher werden ebenfalls weiterhin gerne angenommen, „nur keine Bettwäsche“, erklärt Brigitte Thiedecke. Dafür reiche der Platz nicht aus.

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